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Stefan Effenberg gewann mit dem FC Bayern 2001 die Champions League © getty

Der Zustand des FC Bayern besorgt den "Tiger". Er fordert Verstärkungen und nimmt Lahm und Schweinsteiger in die Pflicht.

Von Daniel Rathjen

München - In rauen Zeiten wie diesen werden die Rufe wieder laut.

"So einen wie ihn brauchen wir!" "Er würde dazwischen hauen!", heißt es dann oft.

"So etwas ehrt mich natürlich", sagt Stefan Effenberg dazu.

Beim FC Bayern war er der personifizierte "Leitwolf". Einer, der auch vor unangenehmen Wahrheiten niemals zurückschreckte.

Verbunden fühlt sich der 42-Jährige, der in naher Zukunft Trainer werden will, mit dem deutschen Rekordmeister noch immer.

"Im Moment ist es mir da zu lieb und zu ruhig", knurrt der "Tiger" am Montagmorgen beim "sky"-Pressetermin in Unterföhring bei Brezn und frisch gepresstem Orangensaft.

Die Verfassung des Klubs mitsamt dem 17-Punkte-Rückstand auf Spitzenreiter Borussia Dortmund besorgt ihn (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Ich möchte mir nicht vorstellen, was der FC Barcelona mit den Bayern machen würde, wenn die morgen gegeneinander spielen müssten...", sagt er und empfindet die Situation als "ungewohnt".

Für die Winterpause sieht Effenberg bei seinem Ex-Klub dringenden Handlungsbedarf.

"Der FC Bayern ist in der Lage, 20, 30 oder 40 Millionen zu investieren. Das müssen sie auch, um in Europa ein Zeichen zu setzen. Denn nur mit der Jugend kannst du Europa nicht aufmischen", meint "Effe".

Stefan Effenberg über...

die Meisterschaft:

"Gegen Schalke hätten sie gewinnen müssen. Stattdessen verlieren sie in einer Phase, wo sie sich nichts mehr hätten erlauben dürfen. Das Thema Meisterschaft muss zur Seite gelegt werden. Alles andere wäre unrealistisch."

die Hierarchie:

"Mark van Bommel ist der Leader. Er ist Kapitän, Wortführer und auch die Beziehung zwischen ihm und dem Trainer stimmt. Gefordert sind nun vor allem die Jungs, die dahinter stehen. Ich habe damals auch Oliver Kahn mit einbezogen. Ähnliches wünsche ich mir jetzt in München."

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die Führungsspieler:

"Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger müssen jetzt Farbe bekennen! Interviews geben, wenn es gut läuft, ist einfach. Man kann sie nicht dazu zwingen, das müssen sie lernen. Sie schweben ja immer auf dieser Wolke da oben, weil alles so gut lief. Nun gibt es aber eine Phase, in der alles etwas anders ist. Ich hoffe, dass sie erkennen, dass sie jetzt aufstehen müssen."

Mark van Bommel:

"Nach der Verletzungsphase muss er erstmal seinen Rhythmus finden. Ich wünsche mir aber für ihn auch ein bisschen mehr Unterstützung. Zudem macht er sich Gedanken um seine Zukunft und befindet sich dort jetzt an der Grenze zur Entscheidung. Sein Vertrag läuft aus, er will noch ein, zwei Jahre in Holland Fußball spielen. Es wäre wichtig, in Kürze ein klares Zeichen zu setzen."

die Abwehr:

"Dass es da Probleme gibt, ist klar und deutlich zu erkennen. Die Innenverteidigung bilden ein gelernter defensiver Mittelfeldspieler und ein 21-Jähriger, der aus einer achtmonatigen Verletzungspause kommt. Auch auf der Außenbahn gibt es Probleme. Das hätte man früher erkennen müssen 301503(DIASHOW: Bayerns Planspiele)."

[kaltura id="0_9we0vv5h" class="full_size" title="Nichts zu feiern"]

Louis van Gaal:

"Er steckt in einer schwierigen Situation. Im letzten Jahr lief vieles perfekt. Momentan wird ganz genau hingeschaut. Aber ich glaube nach wie vor, dass alle an einem Strang ziehen. Van Gaal ist in der Lage, die Bayern wieder ins richtige Fahrwasser zu bringen."

Manuel Neuer:

"Ich glaube, dass er zum FC Bayern wechselt. Er wäre die Top-Lösung im Tor und für seine Entwicklung wäre es der richtige Schritt. Wenn es im Sommer klappt, wäre es optimal. Dann hätte der Verein mindestens fünf Jahre Ruhe auf dieser Position. Aber auch wenn man noch ein Jahr warten müsste, hätte man mit Jörg Butt einen Top-Mann zwischen den Pfosten 301503(DIASHOW: Bayerns Planspiele)."

das Verletzungspech:

"Dass ein Ausfall von Robben so schwer ins Gewicht fällt, ist nicht bayernlike. Er ist ohne Frage ein wichtiger Spieler, aber so etwas muss der FC Bayern mit Qualität kompensieren können. Das Pech ist kein Argument. In der Bundesliga ist das nicht geschafft worden. Sie haben wohl gedacht, mit relativ wenig Aufwand kannst du viel erreichen."

mögliche Verbesserungen:

"Thomas Müller auf der rechten Seite finde ich verschenkt. Mit seinem Tor-Instinkt gehört er in die Mitte, vorne rein. Toni Kroos ist eher der Vorlagengeber, er könnte Müller außen ersetzen. Schweinsteiger muss wieder zurückgezogen werden, dort kommen seine Fähigkeiten besser zur Geltung."

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