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Sven Bender (3.v.l.) wechselte 2009 von 1860 München zu Borussia Dortmund © getty

Der BVB stellt fast die jüngste Elf der Bundesliga-Geschichte - jedoch mit großer Reife. Besonders ein stiller Held imponiert.

Von Martin Hoffmann

München - Jakub Blaszczykowski mit seinen 24 Jahren hatte den Schnitt noch gehoben.

Ebenso der verletzte Lucas Barrios, der mit 26 schon nah dran ist, der Alterspräsident der Dortmunder Stammelf zu sein.

Ohne Blaszczykowski und Barrios war die Dortmunder Startelf mit 22,3 Jahren beim 2:0-Sieg in Nürnberg die jüngste der Klubgeschichte.

Und nah dran, die jüngste aller Zeiten zu sein. Den Rekord verhinderte am Sonntag nur der 1980er-Jahrgang Roman Weidenfeller.

Dominante Jugend-Gang

Wäre auch noch der Keeper zwei bis drei Jahre später geboren, hätte der BVB die jüngste Anfangself der Bundesliga-Geschichte aufgeboten (22,1 Jahre).

Die stellte Schalke 04 im März 1973 bei einem 1:1 gegen Hertha BSC.

Die war aber eine Notgeburt aus der Zeit, als der Revier-Rivale mit den zahlreichen Sperren im Zuge des Manipulations-Skandals fertig werden musste.

Und während Schalke damals gegen den Abstieg kämpfte, dominiert Dortmunds Jugend-Gang die Liga wie nie ein Team zuvor.

40 Punkte hatte noch keine Mannschaft je am 15. Spieltag gesammelt. Dass dies nun eine schafft, bei der kaum ein Stammspieler älter ist als 22, macht es umso verblüffender.

"Sehr erwachsen"

Unreife ist den Dortmundern dabei so gut wie nie anzumerken: "Sehr erwachsen" ist das, was sie auf dem Platz hinlegen, wie nicht nur SPORT1-Kolumnist Huub Stevens bemerkt hat.

[kaltura id="0_d5ysxo4j" class="full_size" title="Der Herbstmeister bleibt entspannt"]

Auf idealtypische Weise vereinen die Dortmunder Jungspunde die Abgeklärtheit von gefühlten 15 Jahren Bundesliga-Erfahrung und die Vorzüge der Jugend:

Die körperliche Frische, die für die intensive Spielweise des Teams nötig ist - aber auch die unbefangene Mentalität.

Trainer Jürgen Klopp drückt die Vorteile, mit jungen Spielern zu arbeiten in der "Sport Bild" so aus: Es komme kein 18-Jähriger zu ihm und sage: "Aber in der A-Jugend haben wir das so und so gemacht - und sind Meister geworden."

Wie gut die Dortmunder Klopps Lehren verinnerlichen, lässt sich besonders an der Bilanz in einem Bereich ablesen, den andere von jungen Spielern geprägte Teams gerne einmal vernachlässigen: der Defensive.

Geringste Gegentor-Quote

Nur neun Gegentore gab es bisher - weniger kassierten in der Bundesliga-Geschichte nur zwei Teams, die zu diesem Zeitpunkt Tabellenführer waren.

Eine Leistung, die sich nicht nur die vielgerühmten Innenverteidiger Mats Hummels und Neven Subotic zuschreiben lassen können.

Es ist - wie es sich für den modernen Fußball gehört - das ganze Team, das Klopps Vorstellung vom Fußball umsetzt:

"Unser Ansatz ist immer ein defensiver, das Spiel gegen den Ball", erklärte er nach dem Sieg in Nürnberg: "Da sind alle gefordert . Wer das nicht tut, kann überhaupt nicht mitspielen bei uns."

Sonderlob für "Manni"

Mit einer Sonder-Erwähnung würdigte Klopp den Nebenmann von Mittelfeld-Stratege Nuri Sahin:

"In vielen Situationen ist es dann der Manni Bender, der sich als allerletzte Instanz vor der Kette hineinschmeißt."

Gemeint ist Sven Bender, der nicht nur genannt wird wie ein 44 Jahre alter Bundesliga-Haudegen. Er spielt auch so unauffällig-effizient wie ein 44 Jahre alter Haudegen im Körper eines halb so alten Mannes.

Bender sorgt dafür, dass der Ausfall von Kapitän Sebastian Kehl nur noch aus menschlichen Gründen beklagt wird.

"Der Wind, der jede Tür zuschlägt"

"Für uns ist er der Wind, der jede Tür zuschlägt", schwärmt Klopp über Bender. Er schließe "jedes Loch" und habe "sogar Riesenspaß daran". Bender verbessere sich "fußballerisch im Minutentakt".

So drängt er sich nicht nur aus Sich des Coachs für den Karriere-Sprung in Richtung DFB-Elf auf: "Jogi Löw könnte ihn auch sofort reinwerfen", ist Klopp überzeugt.

Von wegen "viel zu jung"

Der Coach schätzt die Qualität seiner jungen Kräfte generell so hoch ein, dass er auch keinen Bedarf sieht, für höhere Aufgaben mit viel Routine aufzurüsten:

"Meine Jungs wissen: Wer sich hier für die Champions League qualifiziert, ist auch dabei! Wenn uns das mal gelingen sollte, dann gehen wir zu 80, 90 Prozent mit dem Kader an den Start, der das erreicht hat."

Mahnende Stimmen der Vergangenheit lässt dieser Kader derzeit in Vergessenheit geraten.

"Die Mannschaft ist viel zu jung, um am Ende ganz oben zu stehen", hieß es über die jungen Gipfelstürmer noch vor zwei Monaten.

Nicht aus dem Munde von eines skeptischen Gurus oder Ex-Gurus - sondern aus dem von Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Die viel zu junge Mannschaft schert sich derzeit einfach um keine althergebrachten Erwartungen - auch nicht um die eigenen.

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