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Gladbach mit Frontzeck (l.) und Levels besiegte Köln mit Podolski (M.) 4:0 © getty

Einst lieferten sich Köln und Gladbach ein Rennen um den Titel, nun stecken sie im Keller. Die Probleme sind ähnlich.

Von Christian Stüwe

München - Vor 32 Jahren sicherte sich der 1. FC Köln letztmals die Meisterschaft.

Denkbar knapp retteten sich die "Geißböcke" am letzten Spieltag der Saison 1977/78 vor Borussia Mönchengladbach ins Ziel.

Den "Fohlen" fehlten trotz eines 12:0-Rekordsieges gegen Borussia Dortmund am Ende drei Tore auf den punktgleichen FC.

Seitdem hat sich viel im Fußball verändert und die beiden einstigen Spitzenklubs scheinen den Anschluss an das Geschehen verloren zu haben.

Aktuell ist Gladbach Letzter, Köln steht einen Platz davor. Schalke ist auf dem ersten Nicht-Abstiegsplatz schon vier bzw. sechs Punkte enteilt.

Zum Punkten verdammt

Der FC ist am Samstag gegen Frankfurt (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) genauso zum Punkten verdammt wie Gladbach einen Tag später in Freiburg (So., ab 15.15 Uhr im LIVE-TICKER).

Was den Traditionsklubs aus den glorreichen Zeiten geblieben ist, sind die ebenso begeisterungsfähigen wie treuen Fans und die großen Ansprüche.

Die Ambitionen sind jedenfalls weitaus höher als eine Fahrstuhlmannschaft zu sein.

Da jedoch beide Klubs direkt auf den nächsten Abstieg zusteuern, scheint sich das Schicksal der vergangenen Jahre fortzusetzen.

Mehr als ein halbes Dutzend Trainer unter Overath

Beim 1. FC Köln haben auch die Rauswürfe von Trainer Zvonimir Soldo und Manager Michael Meier bisher keine Wende gebracht.

Im Zentrum der Kritik in der Domstadt steht inzwischen Präsident Wolfgang Overath, der bei seiner Inthronisierung im Juni 2004 noch als Heilsbringer gefeiert wurde.

[kaltura id="0_3y32i3no" class="full_size" title="Kox Strukturen wie ein Amateurverein "]

Damals kündigte der Weltmeister von 1974 an, den FC wieder ins internationale Geschäft bringen zu wollen.

Doch davon ist der Klub meilenweit entfernt.

Prominente Kandidaten für Sportdirektor-Posten

Den FC plagen Verbindlichkeiten, der Kader wirkt unausgeglichen zusammengestellt und Aushängeschild Lukas Podolski fällt seit Wochen durch Undiszipliniertheiten auf.

Nun soll ein neuer Sportdirektor helfen. Doch bisher gab es reihenweise Absagen prominenter Kandidaten wie zuletzt Oliver Kahn.

Die verbliebenen Kandidaten Jan Schindelmeiser und Gerhard Poschner sollen nun das Ruder herumreißen.

Vogts: Eberl ist schuld

In Gladbach heißt der Sportdirektor Max Eberl - und der ist für Berti Vogts einer der Hauptschuldigen für die Talfahrt ans Tabellenende.

"Es ist für mich erschreckend, wie er sich nach Niederlagen hinter dem Klub versteckt. Es kann auch nicht sein, dass er Schuldzuweisungen nur einem Spieler zukommen lässt", erklärt das einstige "Fohlen"-Idol in der "Bild".

"Bei mir herrscht große Sorge um meinen Klub. Bisher habe ich intern auf einiges hingewiesen. Aber scheinbar wurde das nicht weitergegeben", sagte der Nationaltrainer Aserbaidschans weiter.

"Man muss Klartext sprechen"

"Daher ist es Zeit für deutliche Worte. Man muss Klartext sprechen, um auf die Missstände hinzuweisen."

Vogts, wie Overath 1974 Weltmeister, hat die "Vetternwirtschaft" als eines der Hauptprobleme der Borussia ausgemacht.

"Man muss nicht gut miteinander befreundet sein", sagt Vogts: "Aber man muss sich selbst permanent in Frage stellen."

Fan-Initiative will neue Strukturen

Das fordert auch die neugegründete "Initiative Borussia", ein Konsortium aus Unternehmern und Führungskräften aus der Wirtschaft, das den Verein strukturell neu ordnen will.

Die Initiative hat zehn Satzungsänderungen beantragt.

Sollten diese bei der nächsten Mitgliederversammlung des Klubs durchgesetzt werden, würde dies eine Entmachtung von Präsident Rolf Königs und seiner Vize-Präsidenten Rainer Bonhof und Siegfried Söllner bedeuten.

Dass ein ehrenamtliches Präsidium die Geschäfte führe, sei nicht mehr zeitgemäß, sagte Norbert Kox, Mitglied der Initiative.

"Geführt wie ein Kaninchenzüchterverein"

"Die Borussia wird geführt wie ein Kaninchenzüchterverein", monierte das Vorstandsmitglied eines der größten deutschen Versicherungsunternehmen.

"Es geht nicht um Personen, sondern um Strukturen. Es gibt nur noch zwei Vereine in der Bundesliga, die althergebrachte Strukturen haben, das sind Borussia und der 1. FC Köln. Beide stehen am Tabellenende."

Während die anderen Bundesliga-Klubs längst wie Wirtschaftsunternehmen ausgerichtet sind, versuchen in Köln und Gladbach Helden der alten Tage den Anschluss an frühere Erfolge herzustellen.

Mit mäßigem Erfolg.

"Haben gedacht, wir wären weiter"

"Natürlich haben wir vergangene Saison gedacht, wir wären weiter", sagte Bonhof der "Sport Bild": "Da haben wir stabil gestanden, von den letzten 26 Spielen 17-mal mit der derselben Aufstellung gespielt."

In dieser Saison werden die "Fohlen" aber von argen Verletzungssorgen geplagt, 42 Gegentore in 15 Spielen mit lediglich zwei Siegen sind dennoch unentschuldbar.

Trainer Michael Frontzeck scheint nicht mehr sicher im Sattel zu sitzen.

"Darauf möchte ich nicht antworten", sagte Bonhof, angesprochen auf die Zukunft des Coaches im neuen Jahr.

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