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Armin Veh gewann 2007 mit dem VfB Stuttgart die Deutsche Meisterschaft © getty

Im SPORT1-Interview spricht HSV-Coach Armin Veh über die Probleme seiner Mannschaft, die Saisonziele - und seine Zukunft.

Von Matthias Becker

München - Armin Veh ist seit Saisonbeginn Trainer des Hamburger SV.

Der Meistercoach, der 2007 mit dem VfB Stuttgart die Schale holte, sollte den Traditionsverein zurück zu altem Glanz und vor allem wieder zu Titeln führen.

Die Realität sieht allerdings anders aus: Momentan hängen die Hanseaten im Niemandsland der Tabelle fest.

Ob er der richtige Trainer für den HSV sei, wollte Veh im SPORT1-Interview nicht beantworten.

Dafür spricht der 49-Jährige über die ständigen Verletzungsprobleme und den "Auswärtsfluch" sowie die Saisonziele und seine persönliche Karriereplanung.

SPORT1: Herr Veh, zuhause ist der HSV erfolgreich, auswärts nicht. Weshalb fehlt Ihrem Team in dieser Saison die Konstanz? Liegt das nur an der langen Verletztenliste?

Armin Veh: Sicher ist das ein Grund. Zeitweise ist uns eine komplette Mannschaft ausgefallen. Mit Piotr Trochowski stand nur einer von acht WM-Fahrern zur Verfügung. Wir mussten die Mannschaft Woche für Woche neu aufstellen und Spieler von Position zu Position verschieben. Da war es schwierig, Konstanz zu bekommen. Aber das allein war es nicht.

SPORT1: Woran lag es noch?

Veh: Wir sind auswärts nicht beherzt genug aufgetreten - obwohl wir jedes Mal eine schlagkräftige Mannschaft auf dem Platz hatten. Man muss auswärts über die Saison gesehen schon sechs, sieben Spiele gewinnen, um oben mit dabei zu sein. Da müssen wir deutlich zulegen. Und nicht erst in der Rückrunde, sondern schon am übernächsten Wochenende in Gladbach.

SPORT1: Sie haben nach dem 0:1 in Freiburg Einsatz und Spielweise Ihrer Mannschaft kritisiert. Wie setzen Sie als Trainer an, damit beides gegen Leverkusen besser wird?

Veh: Ansetzen kann man immer nur auf dem Trainingsplatz. Ich bin sicher, dass die Mannschaft gegen Leverkusen wieder ihr schönes Gesicht zeigen wird. Ich glaube, dass alle verstanden haben, dass es nicht so geht wie in Freiburg. Gegen Hoffenheim oder Stuttgart hat diese Mannschaft in den letzten Wochen gezeigt, was sie leisten kann.

[kaltura id="0_ory1ifub" class="full_size" title="Unruhige Zeiten beim HSV"]

SPORT1: Können Sie angesichts solcher Spiele wie in Freiburg verstehen, dass von außen immer mal wieder die Charakterstärke des Teams in Frage gestellt wird? Was entgegnen Sie auf solche Vorwürfe?

Veh: Wir können nicht jede Woche die Charakterfrage stellen. Nach guten Spielen wird die Mannschaft von außen gefeiert, nach schlechten ihre Mentalität kritisiert. Meistens wird das an bestimmten Spielern festgemacht. Gegen Freiburg standen aber Leute wie Rost, Aogo, Westermann, Rincon, Trochowski, Son, Ze Roberto oder van Nistelrooy auf dem Platz - und die gelten ja nicht als charakterschwach. Daran kann es also nicht liegen.

SPORT1: Vorstandschef Bernd Hoffmann sagte im SPORT1-Interview, man habe - in der Vergangenheit - den richtigen Trainer für den HSV noch nicht gefunden. Sie nahm er aus dieser Beurteilung heraus. Freut Sie das? Schließlich läuft es ja auch in dieser Saison sportlich nicht optimal.

Veh: Ich freue mich darüber wenn wir am Samstag gewinnen. Und ich sehe mich als Trainer auch in der Verantwortung. Ich tausche mich regelmäßig mit Bernd Hoffmann aus. Ich habe Respekt vor dem, was er leistet. Vielleicht geht es ihm umgekehrt ja auch so.

SPORT1: Sie haben vergangene Woche angekündigt, der HSV sei Ihre letzte Trainerstation in der Bundesliga. Was macht die Aufgabe in Hamburg für Sie so besonders?

Veh: Dieser Traditionsverein ist unglaublich reizvoll. Was soll es denn in Deutschland für eine bessere Aufgabe für mich geben? Hier ist in den letzten Jahren schon viel entstanden. Der Verein war zwei Mal hintereinander im Halbfinale eines europäischen Wettbewerbs und hat tolle Spieler. Außerdem habe ich mich hier vom ersten Tag an heimisch gefühlt. Das kommt aus dem Bauch heraus.

SPORT1: Das Saisonziel internationale Startplätze ist allemal noch in Reichweite, die Verletzten kommen so langsam aber sicher wieder zurück: Greift der HSV nach der Winterpause richtig an?

Veh: Wir haben unsere Saisonziele nur kurzfristig reguliert. Bis zur Winterpause geht es darum, den Kontakt zu den internationalen Plätzen nicht zu verlieren. Dafür brauchen wir am besten noch sechs Punkte aus den verbleibenden beiden Spielen gegen Leverkusen und in Gladbach. Wenn uns das gelingt, haben wir eine gute Ausgangsposition, um uns in der Rückrunde weiter nach vorn zu arbeiten.

SPORT1: Gegen Leverkusen und in Gladbach könnten Sie gleich schon etwas Schwung für die Rückrunde mitnehmen. Wird es gegen Bayer für Ihr Team leichter, weil es nicht als Favorit ins Spiel geht?

Veh: Das würde ich nicht sagen. Ich sehe Bayer auch nicht in der Favoritenrolle. Wir spielen zu Hause und wollen unbedingt gewinnen. Beide Mannschaften spielen Fußball und stellen sich nicht hinten rein, ich rechne mit einem attraktiven Spiel.

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