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Steve McClaren (r., hier mit Edin Dzeko) führte Enschede im Vorjahr zur Meisterschaft © imago

Im SPORT1-Interview spricht "Wölfe"-Trainer Steve McClaren über mangelnden Teamgeist und das Verhältnis zu seinem Torjäger.

Von Martin Volkmar

München - Steve McClaren hätte sich sein Engagement beim VfL Wolfsburg sicherlich einfacher vorgestellt.

Als frischgebackener Meistertrainer von Twente Enschede wechselte der Engländer im Sommer zum deutschen Titelträger von 2009 - und sollte die Niedersachsen in der Tabelle wieder in die Spitzenregionen führen.

Nach 15 Spieltagen bläst dem 49-Jährigen der Wind allerdings schon mächtig ins Gesicht. Platz 13 ist definitiv zu wenig für sein Starensemble.

Medienberichte, wonach der Verein ihm ein Ultimatum bis Weihnachten gestellt habe, wollte der Coach im SPORT1-Interview jedoch nicht kommentieren.

Dafür sprach der frühere Assisten von Sir Alex Ferguson über den mangelnden Teamgeist seiner Elf und sein Verhältnis zu Torjäger Edin Dzeko.

SPORT1: Wie haben Sie sich mittlerweile eingelebt in Wolfsburg? Gefällt es Ihnen?

Steve McClaren: Ich habe mich in Wolfsburg gut eingelebt, wenngleich ich sagen muss, dass bislang noch nicht viel Zeit für Freizeitaktivitäten war. Aber ich bin - unabhängig von der momentanen sportlichen Situation - glücklich, hier zu sein.

SPORT1: Haben Sie Ihre Meinung über Land, Menschen und den Fußball in Deutschland geändert?

McClaren: Die Bundesliga ist mindestens so hart, wie ich vermutet habe. Und sehr konkurrierend, wie die erste Saisonhälfte zeigt. Das ist nicht normal. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass jedes Team hier sehr stark ist, du musst um jeden Punkt kämpfen. Die Menschen sind sehr freundlich, ich fühle mich gut aufgenommen. Vor allem in den Stadien herrscht eine euphorische Stimmung, die Unterstützung durch die Fans - auch bei uns - ist toll. Ich mag diese Atmosphäre.

SPORT1: Sportlich können Sie bislang nicht zufrieden sein. Woran liegt es?

McClaren: Da kommen einige Faktoren zusammen. Einige Spieler sind neu, das Trainergespann auch. Neue Ideen, eine neue Philosophie. Das braucht seine Zeit, auch wenn ich nicht damit gerechnet hätte, dass es so lange dauert. Aber es muss erst zusammenwachsen. Hinzu kommt, dass die Arbeit in der Vorbereitung aufgrund der vielen WM-Abstellungen nicht leicht war und auch Diego beispielsweise erst sehr spät zur Mannschaft kam.

SPORT1: Als ein Grund wird immer wieder fehlender Teamgeist genannt. Ist das richtig?

McClaren: Teilweise, ja. Teamgeist und Harmonie sind vorhanden, aber wir müssen das noch mehr auf dem Platz zeigen. Es ist eine Einstellungsfrage. In den letzten Wochen ist der Kampfgeist wiedererstarkt, da müssen wir jetzt weitermachen.

SPORT1: Warum können Diego und Edin Dzeko Ihr enormes Potenzial bisher kaum abrufen?

McClaren: Wie gesagt: Diego ist neu in die Mannschaft gekommen und muss erst hineinwachsen. Wir sind in der Phase, in der Diego sich dem Team und das Team sich dem Spieler anpasst. Wir sind auf einem guten Weg. Was Edin Dzeko betrifft, so ist die Situation mit den Gerüchten und Spekulationen um seine Zukunft sicher nicht leicht für ihn. Das lenkt vielleicht auch ab. Aber wir brauchen einen Edin Dzeko, der einhundert Prozent gibt. Ich glaube, er ist Profi genug, um die Dinge auf dem Platz auszuschalten, und immerhin hat er schon neun Tore in dieser Saison erzielt.

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SPORT1: Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Dzeko nach der Auswechslung vom Wochenende beschreiben?

McClaren: So wie vor der Auswechslung: gut. Es war eine emotionale Reaktion, die aber so nicht zu akzeptieren ist. Dafür hat sich mittlerweile entschuldigt. Damit ist das Thema erledigt.

SPORT1: Es wird darüber spekuliert, dass er seinen Wechsel provoziert. Rechnen Sie mit seinem Verbleib?

McClaren: Das ist eine Frage, die im Sommer nur Edin Dzeko beantworten kann.

SPORT1: Was ist für den VfL bis zur Winterpause und dann in der Rückrunde noch möglich?

McClaren: Aus den verbleibenden zwei Bundesligaspielen wollen wir das Optimale herausholen und im Pokal gegen Cottbus ins Viertelfinale einziehen. Ohne die momentane Situation zu unterschätzen, halten wir an unseren Zielen fest: und das bedeutet die Teilnahme am internationalen Geschäft. Das ist immer noch möglich. Auch wenn wir uns kurzfristig auf unsere anstehenden Aufgaben konzentrieren sollten. In der Rückrunde kann in dieser Liga noch viel Verrücktes passieren.

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