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Christian Nerlinger war selbst von 1986 bis 1998 bei Bayern München aktiv © getty

Die Innenverteidigung ist die Achillesferse der Bayern. Badstuber und Lahm sind das Gerüst. Doch wer bildet die weiteren Säulen?

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Louis van Gaal weiß, dass es nicht optimal ist.

Gegen Basel und Schalke hockten Martin Demichelis und Daniel van Buyten, die Innenverteidiger, mit denen der FC Bayern in der vergangenen Saison das Double holte, auf der Bank.

Das Vertrauen bekamen Anatoliy Tymoshchuk, ein gelernter Mittelfeldspieler und Breno, ein 21-Jähriger, der sich nach achtmonatiger Verletzungspause noch zurechtfinden muss.

Auf der Tribüne sah Holger Badstuber, wie die beiden gegen die Schweizer ein ums andere Mal unter Druck gerieten.

Neben Philipp Lahm auf der rechten Seite ruhen die Hoffnungen vor allem auf ihm.

Badstuber "muss abwarten"

Das Problem ist derzeit nur das entzündete Schambein des 21-Jährigen: "Ich hoffe, dass ich dieses Jahr noch spielen kann. Aber ich muss abwarten", sagt der Abwehrspieler zu SPORT1.

Seine Reha verläuft planmäßig, trotzdem hat er mittlerweile sechs Partien in der Liga und drei in der Champions League verpasst. Eigentlich hätte er schon gegen Schalke in den Kader zurückkehren sollen, doch das Comeback musste verschoben werden.

"Am Anfang war es sehr schmerzhaft, aber mittlerweile wird es von Tag zu Tag besser", fügt Badstuber immerhin an. Er will trotzdem nichts riskieren, denn: "Es gibt Spieler, die sind wegen der Verletzung schon länger ausgefallen", weiß er.

Beinlich und Davala als warnende Beispiele

Unter anderem mussten die ehemaligen Profis Stefan Beinlich, Andree Wiedener oder Ümit Davala aufgrund einer Schambeinentzündung ihre Karriere beenden.

So bedrohlich ist die Lage beim Bayern-Verteidiger freilich nicht, dennoch ist Vorsicht geboten.

Das Vertrauen des Trainers ist ihm gewiss. "In meinen Augen ist er der beste linke Innenverteidiger Deutschlands", urteilt van Gaal über den Nationalspieler.

[kaltura id="0_ncfmph2d" class="full_size" title="Bayern fokussiert auf die Bundesliga"]

Macht Demichelis Platz für Mertesacker?

Die Frage ist: Wer könnte der neue Partner neben Badstuber werden? Sportdirektor Christian Nerlinger durchforstet den Transfermarkt.

Finanzielle Mittel hat er genug. Zwischen 20 und 30 Millionen Euro könnte er wohl investieren. Wenn Demichelis den Verein im Winter verlässt, würden zusätzliche Mittel frei.

Möglicherweise zählt dann Per Mertesacker zum Kandidatenkreis.

Keine Gespräche mit Werder

Dessen Vertrag bei Werder gilt bis zum Juli 2012. Die Gespräche über eine Verlängerung liegen derzeit auf Eis.

Wenn die Hanseaten zudem die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb verpassen, fehlt Geld.

Wahrscheinlich würde sich Bremen wie in den Fällen Diego (zu Juventus Turin) und Mesut Özil (zu Real Madrid) für die lukrative Variante entscheiden.

DFB-Achse zum FCB?

Käme im Sommer dann auch noch Manuel Neuer nach München, wäre die tragende Achse der Nationalmannschaft über den Keeper, die Innenverteidigung und das defensive Mittelfeld mit Bastian Schweinsteiger auch die der Bayern.

Nicht die schlechteste Perspektive.

Chancen räumt van Gaal auch noch Breno ein, doch noch ist es schwierig einzuschätzen, ob der Brasilianer irgendwann den richtigen Durchbruch schafft.

Kritik vom "Kaiser"

Seine Bundesliga-Tauglichkeit hat er bei seiner Ausleihe nach Nürnberg unter Beweis gestellt. Ob er sich auf hohem Champions-League-Niveau durchsetzen kann, muss sich erst noch zeigen.

"Ich denke nicht, dass er das im Moment schlecht macht. Aber ihm fehlt noch der Spielrhythmus nach acht Monaten Verletzungspause. Das kann man auch sehen", sagt van Gaal und ist damit bestimmt nicht alleine.

Kritik erntete der "General" vom "Kaiser" Franz Beckenbauer: "Im Moment passt nichts. Es wird zu viel durcheinandergewürfelt", beschwerte er sich bei "ran".

Problemzone linke Verteidigung

Tatsächlich lief in der Bundesliga, wo Herbstmeister Borussia Dortmund mit 17 Punkten Vorsprung weit enteilt ist, nur einmal dieselbe Formation mehr als zweimal nacheinander auf.

Nach 15 Spielen hat der deutsche Rekordmeister schon 17 Gegentore auf dem Konto.

Vor allem auf der linken Außenverteidigerposition musste van Gaal etliche Male umbauen. Erst setzte er auf Diego Contento, als dieser sich verletzte, probierte er es mit Danijel Pranjic und Edson Braafheid.

Pranjic hat derzeit die Nase vorn, leidet aber an muskulären Problemen am Oberschenkel.

Wie es auch gedreht und gewendet wird, die Abwehr bleibt eine Baustelle.

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