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Franck Ribery wechselte 2007 von Olympique Marseille zum FC Bayern München © getty

Trotz seiner Gala in der Königsklasse untermauert der Franzose die Kritik an Trainer van Gaal - dem Superstar fehlt der Spaß.

Von Stefan Missy

München - Franck Ribery ist ein ebenso genialer wie sensibler Spieler, die Leistungsstärke des Franzosen steht und fällt gewissermaßen mit seiner Stimmung.

Am Mittwochabend versetzte der Dribbelkünstler die Fans des FC Bayern mit seinem Doppelpack in der Champions League gegen den FC Basel (3:0) in Festtagsstimmung - inklusive anschließender Jubelarien mit seinem Cousin.

Aber schon am Donnerstag hatte Ribery erkennbar der Alltag eingeholt. Beim Pressegespräch an der Säbener Straße konnte der 27-Jährige kaum anders, als seine Probleme mit Coach Louis van Gaal nochmals zur Sprache zu bringen.

"Ich brauche mehr Spaß"

"Ich hatte immer guten Kontakt zu meinen Trainern und dann spiele ich auch für den Trainer. Aber wenn ich nicht glücklich bin, ist es nicht gut für den Klub", meinte der Mittelfeldspieler.

"Ich komme jetzt zurück. Aber ich brauche mehr Selbstvertrauen, mehr Rhythmus, mehr Zeit auf dem Platz. Ich brauche mehr Spaß", so Ribery, dem seine lange Verletzungspause nach wie vor in den Knochen steckt.

Da wäre die volle Rückendeckung des Trainers umso wichtiger - vor allem abseits des Spielfeldes.

Ribery benötigt Streicheleinheiten

"Ribery ist ein großartiger Künstler, ein Genie. Und er ist einer, der alles sehr ernst nimmt und der Gefühlsausbrüche hat", erläuterte Ex-FCB-Coach Ottmar Hitzfeld bei "sky". "Aber er braucht auch Streicheleinheiten."

[kaltura id="0_ncfmph2d" class="full_size" title="FC Bayern zum Siegen verdammt"]

Diese Behandlung durch Hitzfeld vermisst Ribery wohl immer noch. "Mit diesem Trainer habe ich nicht nur über Fußball geredet, 20, 30 Minuten auf seinem Zimmer, über alles, über die Familie. Das brauche ich, dann spiele ich auch für diesen Trainer", erinnerte er sich.

Heißt im Umkehrschluss: Unter van Gaal läuft es anders. "Wir haben geredet, jetzt ist es okay", sagte Ribery nur.

Bezechnend ist, dass er über seine unliebsame Rolle im Taktikkorsett des Niederländers nach eigenen Angaben eher mit Co-Trainer Andries Jonker spricht, als mit dem Chef selbst.

"Brauche ein bisschen Freiheit"

"Ich brauche immer den Ball. Ich kann nicht links vorne - wie auf Schalke - sieben, acht Minuten warten. Das ist nicht gut", haderte Ribery mit seiner angeblich zu passiven Position auf dem Platz.

"Jeder Trainer hat seine Philosophie, aber ich brauche ein bisschen Freiheit wie unter Hitzfeld und Klinsmann. Ich kann laufen, viele Sprints machen, aber wenn der Ball nicht kommt und ich warten muss, ist das schlecht für mich und fürs Team."

Denn so muss sich der Künstler immer wieder selbst im Kampf um die Kugel aufreiben - und dann fehlt natürlich die Kraft für seine mitunter spielentscheidenden Soli.

Lob vom "Kaiser"

"Es ist zwar noch nicht der Franck, den wir kennen", erklärte Franz Beckenbauer in der "tz", lobte jedoch dessen Einsatzwillen: "Er bleibt im Dribbling öfters hängen, aber er lässt sich nicht entmutigen. Damit ist er einen Schritt weiter als zuletzt. Da hat er die Bälle verloren und ist stehen geblieben."

Wie lange dieser neue Eifer bei dem Edeltechniker anhält, bleibt allerdings abzuwarten.

Am Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) kommt der FC St. Pauli in die Allianz Arena. Gegen den Aufsteiger müsse der Rekordmeister unbedingt gewinnen, so Ribery. "Danach schaunmerma."

Das gleiche dürfte auch für sein angespanntes Verhältnis zu van Gaal gelten.

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