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Der HSV hat nach 16 Spieltagen 21 Punkte auf dem Konto © getty

Nach der Pleite gegen Bayer schraubt der HSV die Ansprüche zurück. "Vielleicht wäre Platz sieben schon ein Erfolg", sagt Veh.

Hamburg - Die Hamburger Fans machtem ihrem Ärger Luft.

"Wir haben die Schnauze voll" und "Hoffmann raus" skandierte eine Gruppe von HSV-Anhängern nach der 2:4 (0:1)-Heimpleite gegen Bayer Leverkusen und forderte den Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann.

Rost fehlen die Worte

Während die genervten Fans in Begleitung von berittener Polizei gröhlten, fehlten selbst Chefkritiker Frank Rost kurzzeitig die Worte.

"Da fällt mir erst mal nichts mehr ein. Aber das ganze Gerede hilft uns eh nicht weiter", sagte der völlig frustrierte HSV-Torwart. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Hatte sich der Routinier nach den jüngsten Rückschlägen noch mit deutlicher Kritik an seinen Teamkollegen hervorgetan, so blieb er nach der neuerlichen Demütigung nebulös: 323504(DIASHOW: Der 16. Spieltag)

"Das kommt mir hier vor wie bei Goethes Zauberlehrling: Die Geister, die ich rief ..."

Viele Zuschauer gehen vorzeitig

Eine Interpretation wäre: Man hat sich leichtfertig in eine Situation gebracht, die man nicht wollte und aus der man nun nicht herauskommt.

Deutlicher wurde ein Großteil der 51.225 Zuschauer in der Hamburger Arena, die ihren Unmut schon Mitte der zweiten Halbzeit durch Frust-Gesänge und am Ende durch ein gellendes Pfeifkonzert kund taten. Viele verließen das Stadion vorzeitig.

Veh schreibt Saisonziele ab

Trainer Armin Veh analysierte die Lage realistisch und sagte: "Die Ziele, die wir für diese Saison hatten, können wir uns abschminken. Es hilft nichts, nach oben zu schauen, wenn man derzeit nur Mittelmaß ist. Denn von da aus geht's auch ganz schnell nach unten."

Ein echtes Patentrepezt für eine schnelle Besserung bis zur Winterpause hatte aber auch der 49-Jährige nicht:

"Im Moment liegen wir alle am Boden - mich eingeschlossen. Wir brauchen jetzt einfach ein Erfolgserlebnis, um wieder einen positiven Lauf zu kriegen."

Zwar sind die Europacupplätze für die Hanseaten als Tabellenneunter immer noch in Reichweite, doch Veh beschwört ein Umdenken.

[kaltura id="0_9o71l9c4" class="full_size" title="Fan rger beim HSV"]

Platz sieben ein Erfolg?

"Wir befinden uns in einer schweren Krise, da muss man nicht drumherum reden. Deshalb müssen wir die alten Ansprüche aus den Köpfen kriegen", sagte Veh: "Vielleicht ist für uns in dieser Saison ein siebter Platz schon ein Erfolg."

Bis zum letzten Hinrundenspiel am kommenden Samstag bei Borussia Mönchengladbach soll der Hebel umgelegt werden.

"Wir haben die Möglichkeit, vor der Winterpause noch drei Punkte zu holen, die wir auch nötig brauchen. Und ich gehe davon aus, dass die Mannschaft mitzieht", so Veh.

Keine Kritik an einzelnen Spielern

Gegen Leverkusen wurde jedoch deutlich, dass sich derzeit zu wenige Spieler gegen die Krise stemmen und bereit sind, die Ärmel hochzukrempeln.

Gezielte Kritik an einzelnen Führungsspielern wie Mittelfeld-Routinier Ze Roberto, Stürmerstar Ruud van Nistelrooy oder Abwehrchef Heiko Westermann, die einmal mehr die ganze Ideen- und Lustlosigkeit der Mannschaft widerspiegelten, ließ Veh aber nicht zu.

"Ich werde sicher keine einzelnen Spieler kritisieren."

Sam trifft gegen Ex-Klub

Leverkusen sorgte durch Sidney Sam (30. Minute), Arturo Vidal (61.) sowie zweimal Renato Augusto (66./78.) für die große Enttäuschung beim HSV, woran auch der zwischenzeitliche 1:1-Ausgleich durch Vidals Eigentor (48.) sowie das 2:4 durch den eigewechselten Eljero Elia (79.) nichts ändern konnten.

So war der Nachmittag ganz nach dem Geschmack von Bayer-Coach Jupp Heynckes verlaufen.

"Was meine Mannschaft derzeit auszeichnet, ist die Tatsache, dass sie auf jede Situation eine Antwort hat und auch nach Gegentoren nicht den Kopf in den Sand steckt", sagte der 65-Jährige.

Bayer baut Auswärtsserie aus

Im Kampf um die Verfolgerplätze hinter Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund hat die Werkself somit ein weiteres Ausrufezeichen gesetzt und zugleich ihre Auswärtsserie mit dem sechsten Sieg bei zwei Unentschieden weiter ausgebaut.

"Wir spielen zurzeit mit dem nötigen Selbstvertrauen", meinte Heynckes und machte entsprechende Defizite beim HSV aus.

"Wenn der Gegner merkt, dass er auf eine stabile und überzeugende Mannschaft trifft, hat das auch psychologische Auswirkungen."

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