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Bastian Schweinsteiger wurde mit dem FC Bayern bereits fünfmal Deutscher Meister © getty

Bastian Schweinsteiger bleibt den Münchnern bis 2016 treu. Die Bayern-Bosse interpretieren die Entscheidung auf ihre Weise.

Von Mathias Frohnapfel und Daniel Rathjen

München - Die Dramaturgie zur Bescherung stimmte:

Die Bayern-Familie war komplett versammelt und nach dem 3:0-Erfolg über St. Pauli in Feierlaune 323504(DIASHOW: Der 16. Spieltag).

Genau in diesem Moment griff sich Bastian Schweinsteiger das Mikro.

"Liebe Bayern-Fans, ich bin jetzt seit zwölf Jahren hier und möchte es euch als allererstes sagen. Ich habe meinen Vertrag um fünf Jahre verlängert", verkündete er.

Und rief in den aufkommenden Jubel hinein: "Hoch lebe Bayern!"

Vertragsverlängerung schon am Freitag

Der begehrte Nationalspieler bleibt mindestens bis 2016 in München. Den neuen Kontrakt unterschrieb er bereits am Freitag.

Und noch während Schweinsteiger die Glückwünsche der Mitspieler entgegennahm, startete das vorweihnachtliche Feuerwerk im Stadion.

Ein perfektes Timing - ebenso wie die jetzt bekanntgegebene Vertragsverlängerung.

Denn die Bayern-Bosse, die zu Schweinsteigers Worten wissend an ihrem Glühwein nippten, interpretierten den gewiss sündteueren Abschluss als Beweis der Attraktivität ihres Klubs.

Nerlinger: "Wir mussten uns strecken"

Denn die Oberklasse des europäischen Fußballs hatte ja "den roten Teppich für Bastian" ausgerollt, wie Christian Nerlinger berichtete.

Der FCB-Sportdirektor gestand nach den wochenlangen Vertragsspekulationen: "Wir mussten uns strecken."

Sein Vorgänger auf dem Manager-Posten kommentierte die finanziellen Rahmenbedingungen noch deutlicher.

"Das sind Profis, und da geht es Gott sei dank nur um Geld", sagte der Bayern-Präsident bei LIGA total!.

"Er hat nicht unterschrieben, weil wir nette Kerle sind."

[kaltura id="0_xu86mwxo" class="full_size" title="Schweinsteiger sagt Ja zum FCB"]

Hoeneß als Geschäftsmann

Hoeneß interpretierte die Vertragsverlängerung ganz im Stile eines Geschäftsmanns: "Das ist ein wichtiges Zeichen, dass der FC Bayern kein Abgeber- sondern ein Käuferverein ist."

Wie im Werben um Franck Ribery (Vertrag bis 2015) und Philipp Lahm (2016) stachen die Bayern die internationalen Konkurrenten aus - und das nicht nur wegen des prall gefüllten Festgeldkontos.

Denn so wie Schweinsteiger am Samstagabend durch den Bauch der Allianz Arena tänzelte, zeigte er, dass seine Entscheidung mit Kopf und Herz gefallen war.

"Mein Herz schlägt rot"

"Mein Herz schlägt rot. Es ist schöner, mit Bayern München die Champions League zu gewinnen, als mit Real Madrid. Das muss man einfach so sehen."

Bei der Herzensentscheidung dürfte auch Lebensgefährtin Sarah Brandner eine wichtige Rolle gespielt haben, die den 26-Jährigen mit einem strahlenden Lächeln zur Pressekonferenz begleitete.

Für das Model war es quasi das vorgezogene Geburtstagspräsent, sie wird am Sonntag 22.

Schweinsteiger berichtete dann von der glänzenden Perspektive beim FCB und verriet, dass es finanziell keinen Unterschied zum Geldadel aus Madrid, Barcelona oder Manchester gebe.

Und ihm gelang sogar, einen Fingerzeig an die Klubführung in seine Aussagen zu packen. "Ich denke, mit dem Trainerstab können wir eine Epoche starten", ließ er wissen.

Schließlich sei er von der Philosophie Louis van Gaals überzeugt und hoffe nun, dass auch der Trainer länger als 2012 bleibe.

Der Niederländer formte Schweinsteiger zum überragenden Spieler auf der Sechserposition, gab seiner Entwicklung einen wichtigen Anstoß.

Bleibt auch van Gaal länger?

Van Gaal versuchte gar nicht, seinen Stolz zu verbergen. "Alle Trainer in Deutschland sind froh, dass so jemand wie er in der Bundesliga spielt", sagte er mit gehörigem Pathos.

"Er hat gesagt, dass er auch für mich verlängert hat, das ist mir sehr wichtig."

Bleibt die Frage, was dieses Signal umgekehrt für van Gaal bedeutet.

In jedem Fall konnte van Gaal Schweinsteigers FCB-Bekenntnis als persönliche Bestätigung im Endspurt einer turbulenten Hinrunde verbuchen.

Klettertour bis auf Platz fünf

Die Bayern haben sich zwar in der Liga auf Platz fünf vorgearbeitet, doch die ebenfalls erfolgreichen Dortmunder hielten den Sicherheitsabstand von 17 Punkten (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Die interne Weihnachtsfeier im "Palazzo" von Starkoch Alfons Schuhbeck werden die Münchner nach dem klaren Sieg über St. Pauli dennoch genießen.

Ribery und Altintop mit guter Leistung

Dank der Tore von Hamit Altintop, Philipp Lahm (Foulelfmeter) und Franck Ribery fiel das Ergebnis standesgemäß aus.

Allerdings zeigten die Bayern-Innenverteidiger Breno und Anatoliy Tymoshchuk wieder bedenkliche Wackler.

Stanislawski beklagt vergebene Chancen

St. Paulis Angreifer Marius Ebbers nahm die Geschenke aber nicht an.

Auch deshalb ärgerte sich Holger Stanislawki. "Nicht zufrieden war ich mit der Torausbeute. Da hakt es im Moment, wir machen die einfachsten Bälle nicht rein", sagte der St.-Pauli-Coach, ehe er geknickt das Feld verließ.

Da hatten die Schweinsteiger-Feierlichkeiten gerade erst begonnen.

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