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Bastian Reinhardt spielte dreieinhalb Jahre zusammen mit Frank Rost beim HSV © getty

Rosts Ausflug in die Dichtkunst ruft den Sportdirektor auf den Plan. Trainer Veh scheint ratlos - Führungsspieler wenden sich ab.

Von Marcus Giebel

München - Im Misserfolg, so heißt es, zeigt sich der wahre Charakter des Menschen.

Wie Frank Rost nach Niederlagen reagiert, ist hinlänglich bekannt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Weil der Torhüter des Hamburger SV nie ein Blatt vor den Mund nimmt, ist er oftmals ein beliebter Gesprächspartner.

Die Teamkollegen und auch die Vereinsverantwortlichen mit offenen und harschen Worten aufzurütteln, ist dabei häufig seine Maxime.

Verwirrende Aussagen

Nach der 2:4-Heimpleite der Hanseaten gegen Bayer Leverkusen ist Rost jedoch offenbar über dieses Ziel hinausgeschossen.

So sorgte er nicht nur bei den Umstehenden für Verwirrung, als er anmerkte: "Ich komme mir vor wie im Zauberlehrling. Die Geister, die du rufst, wirst du nicht mehr los."323504(DIASHOW: Der 16. Spieltag)

In der Ballade von Johann Wolfgang von Goethe rettet der Meister seinen Schüler letztlich aus der misslichen Lage.

"Er muss entscheiden"

Sollte Rost auf ähnliche Schützenhilfe aus dem Verein gehofft haben, ist er allerdings einem Trugschluss aufgesessen.

Denn Bastian Reinhardt stellte dem 37-Jährigen vielmehr indirekt die Vertrauensfrage.

"Auch Frank muss sich langsam entscheiden, ob er einer sein will, der etwas mit aufbauen will oder ob er niederreißen will. Einen von den beiden Wegen gibt es nur", sagte der Sportdirektor einen Tag nach der fünften Niederlage in sechs Wochen.

Er wisse nicht, wen sein früherer Teamkollege Rost mit einer solch kryptischen Aussage mitreißen wolle.

[kaltura id="0_9o71l9c4" class="full_size" title="Fan-Ärger beim HSV"]

Veh liegt "selbst am Boden"

Nötig wäre dies allemal, denn der erneute Rückschlag ließ zumindest Trainer Armin Veh öffentlich resignieren.

"Nach oben müssen wir gar nicht mehr gucken. Wir stecken in einer schweren Krise, und es besteht die Gefahr einer Spirale", warnte der 49-Jährige angesichts von 21 Punkten und Rang neun.

Veh hatte bei seinen Profis gar einen Angst-Zustand ausgemacht und dabei wenig Zuversicht ausgestrahlt:

"Wir liegen am Boden und ich bin genauso wenig erfolgreich wie die Mannschaft, ich liege ja selbst am Boden."

Ze Roberto sorgt für Ärger

Dass die Spieler die prekäre Situation im nach Erfolgen lechzenden Traditionsklub richtig einordnen können, erscheint indes fraglich.

Routinier Ze Roberto etwa trottete gegen Leverkusen bei seiner Auswechslung aufreizend langsam vom Platz - und das beim Stand von 1:3.

Für mehr als ein kleines Strohfeuer sorgten die Zuschauer. Der aufgebrachte Anhang machte nicht nur auf den Rängen, sondern auch nach Schlusspfiff vor der Arena seinem Ärger Luft.

Jeder gegen jeden?

Während Veh und die Profis verschont blieben, waren Vereins-Boss Bernd Hoffmann und der Vorstand dabei Ziel der Verbal-Attacken.

Spieler gegen Trainer, Fans gegen Bosse - die Atmosphäre rund um den HSV ist vergiftet.

Da soll ein weiterer Nebenkriegsschauplatz gar nicht erst eröffnet werden.

"Zauberlehrling" Rost jedenfalls scheint verstanden zu haben.

Seine Ausführungen in den Stadienkatakomben beendete er mit den Worten: "Vom Erzählen wird es sowieso nicht besser."

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