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Bastian Schweinsteiger (r.) kassierte mit Bayern im April 2009 im Camp Nou ein 0:4-Pleite © getty

Bayern kann mit Schweinsteiger auf eine weitere Säule bauen. Der Angriff auf den besten Klub der Welt erfolgt mit dessen Waffen.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Sie waren gekleidet wie ein weißes Ballett - und stolperten herum wie Weißwürste.

Das 0:4 beim FC Barcelona am 8. April 2009 war ein historisches Debakel für den FC Bayern, eine Demonstration der Macht der Katalanen (90199die Bilder).

Die folgende Erkenntnis, dass den Münchnern im Vergleich mit dem besten Klub der Welt noch so viel fehlt, war schmerzhaft und Augen öffnend zugleich.

Möglicherweise wird diese Niederlage irgendwann als das in die Vereinsgeschichte eingehen, was Ehrenpräsident Franz Beckenbauer gerne einen "Turning Point", einen Wendepunkt, nennt (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Barca ist das große Vorbild für den deutschen Rekordmeister, für den der nächste Schritt in der Entwicklung nur sein kann, sich mit dem Größten zu messen.

"Philosophie ist Barcelona ähnlich"

Das bestätigt auch Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge in der "tz": "Die Philosophie, die wir jetzt haben, ist sicher, der des FC Barcelona ähnlich. Sie haben Iniesta, Xavi, Leute aus dem eigenen Stall. Das sind bei uns Lahm, Schweinsteiger."

Und er gibt zugleich eine Kampfansage in Richtung der Katalanen ab. "Ich glaube, wenn wir alle fit auf dem Platz haben, wird es nicht einfach für Barcelona. Dann sind wir auf Augenhöhe"

Das Gerüst für Bayerns Zukunft steht in jedem Fall: Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm (beide bis 2016), Thomas Müller (bis 2015), Holger Badstuber (bis 2014) und Franck Ribery (bis 2015) haben langfristige Verträge.

"Mes que un club", ist das Motto der "Blaugrana", bei Bayern heißt das "Mia san mia". Wo aufgrund der Popularität in der Welt Geld kein Problem mehr ist, steht die Philosophie über allem, die Spielidee.

Sehnsucht nach Dominanz

Die Dominanz über den Gegner, das brillante Kurzpassspiel, die Spieler, die für den Verein sterben würden. Nichts wünscht sich auch der FC Bayern lieber.

Und deshalb werden sich die Bosse gedacht haben: "Warum schlagen wir sie nicht mit ihren eigenen Waffen?"

"Wie Xavi! Wie Iniesta!"

Louis van Gaal war selbst erfolgreicher Coach in Barcelona, mit einem Faible für den Nachwuchs. Noch heute ruft er seinen Spielern im Training zu: "Wie Xaxi! Wie Iniesta!"

"Für Xavi oder Iniesta bedeutet Barca alles. Daher finde ich es gut, wenn Schweinsteiger und Lahm sagen: Bayern ist unser Verein, das ist unsere Identifikation", findet Bundestrainer Joachim Löw.

[kaltura id="0_h7qpdtk5" class="full_size" title="Robben vor R ckrunden Comeback"]

Logisch, auch bei den drei genannten Bayern-Spielern spielt Geld eine wichtige Rolle. Die Gehälter, die sie kassieren, unterscheiden sich aber nun kaum von den in Spanien, Italien und England.

Sie wissen: Auch in München haben sie die Chance, die Champions League zu gewinnen, wenn der eingeschlagene Weg weitergegangen wird.

Exzellente Perspektiven

Van Gaal, der zusammen mit Sportdirektor Christian Nerlinger viel Einfluss auf die Entscheidung Schweinsteigers hatte, wird den Mittelfeldspieler damit überzeugt haben.

Die vergangene Saison, in der die Bayern das Triple vor Augen hatten, hat ihm zudem gezeigt, dass unter den herrschenden Voraussetzungen vieles möglich ist.

"Wir können es schaffen, Champions-League-Sieger zu werden! Davon bin ich überzeugt, deshalb habe ich auch unterschrieben", erklärte Schweinsteiger im Audi Star Talk.

Zudem setzt er darauf, "dass der Verein noch weiter zusammenwächst und wir gemeinsam - Mannschaft, Trainer und Fans - eine neue Epoche starten können."

Wann verlängert van Gaal?

Er hofft, wie der Großteil der Spieler, auf die der Trainer baut, dass der Niederländer über 2012 hinaus bleibt, "weil er einfach sehr gut zu diesem Verein passt".

Verheilen die Wunden, die nach dem öffentlichen Streit zwischen Präsident Uli Hoeneß und van Gaal entstanden sind, ist der nächste Vertrag für den 59-Jährigen wohl nur eine Frage der Zeit. Noch läuft er bis 2012.

Das Bayern-Gebilde der Zukunft soll solide sein - wie bei Barca. Personell wird das von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge oft gelobte "Zwei-Säulen-Prinzip" angewendet.

Akteure aus dem eigenen Nachwuchs mit hoher Vereinsidentifikation und dem Siegergen bilden eine Kombination mit qualitativ hochwertigen externen Neuzugängen.

Zwei Säulen im Kader

Bei der Kaderzusammenstellung sind die Münchner auf gutem Weg, wenn auch noch ein gutes Stück von Barcelona entfernt.

Das Bayern-Aufgebot umfasst 25 Spieler - davon entstammen neun der eigenen Talentschmiede. Der spanische Meister hat 28 Spieler, davon sind 17 Eigengewächse.

Van Gaal sah schon bei seinem Amtsantritt an der Säbener Straße im Juni 2009 von Beginn an einige Parallelen zwischen den Vereinen:

"Sie haben gute Fußballspieler, wie wir. Aber sie arbeiten wie ein Team. Das müssen wir auch formen. Aber das ist nicht in einem Monat zu schaffen, sondern braucht eher zwei Jahre. Ich hoffe, Sie vertrauen mir..."

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