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VfB-Präsident Erwin Staudt (r.) mit dem neuen Trainer Labbadia (M.) und Sportdirektor Bobic © imago

VfB-Präsident Erwin Staudt spricht bei SPORT1 über den neuen Trainer und wie der mit den Stuttgartern die Kurve kriegen soll.

Von Mathias Frohnapfel

München - Viele Joker können die Bosse des VfB Stuttgart nicht mehr ziehen.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Der Neuanfang mit Bruno Labbadia muss sitzen, damit die Abstiegsängste beim Tabellen-17. nicht Realität werden.

Denn Labbadia ist nach Christian Gross und Jens Keller in dieser Saison bereits der dritte Trainer, der sich an der heiklen Mission im Schwabenland versuchen soll.

VfB-Präsident Erwin Staudt spricht im SPORT1-Interview über den Trainerwechsel und die Entscheidungsfindung in Stuttgart.

Zudem erklärt er, weshalb Labbadia es diesmal besser als bei seinen Stationen in Hamburg und Leverkusen machen werde.

SPORT1: Herr Staudt, was spricht für Bruno Labbadia als neuen VfB-Trainer?

Erwin Staudt: Wir brauchten einen Neustart, weil die Art und Weise, wie bisher gearbeitet wurde, zuletzt zu keinem Erfolg geführt hat.

SPORT1: Wie hat sich Bruno Labbadia bei Ihnen vorgestellt?

Staudt: Sehr sachlich. Er hat über den Kader genau Bescheid gewusst, er hat sich schon viele Gedanken gemacht über die Taktik und das System. Auch die Stärken und Schwächen hat er analysiert und uns das sehr schlüssig dargelegt.

SPORT1: Und wie hat er Sie und die übrigen Verantwortlichen letztlich überzeugt?

Staudt:Er hat uns überzeugt, weil er ein Mann ist, der mit einem klaren Plan und System arbeitet. Er fordert die Spieler und kann ihnen auch aus der eigenen Praxis vermitteln, wie seine Idealvorstellung aussieht.

[kaltura id="0_7064dtr9" class="full_size" title="VfB stellt Labbadia vor"]

SPORT1: Was erwarten Sie von Labbadias Arbeit?

Staudt: Erfolg.

SPORT1: Ein gutes Händchen ist das eine im Abstiegskampf, Sie erwarten aber gewiss auch seine Qualitäten, oder?

Staudt: Wir haben gewisse Qualitäten an Bord, es ist entscheidend, dass die einzelnen Komponenten zu einem schlagkräftigen Team zusammengeführt werden. Die Spieler brauchen eine klare Marschrichtung und ein klares System.

SPORT1: Bruno Labbadia gilt als Motivator und jemand, der großen Wert auf Disziplin legt. Allerdings wird ihm zu Last gelegt, als Trainer von Bayer Leverkusen und dem HSV jeweils eine schwache Rückrunde gespielt zu haben. Was sagen Sie dazu?

Staudt: Wir haben sehr ausführlich mit ihm geredet und darüber, wie diese Dinge entstanden sind. Er hat uns alles erklärt. Wir haben auch mit Menschen gesprochen, die an seinen bisherigen Arbeitsplätzen nah dran waren. Es spricht für ihn, dass er von sich aus auch Fehler angesprochen hat und Punkte genannt hat, aus denen er gelernt hat.

SPORT1: Zudem hatte Bruno Labbadia mehr als sechs Monate Zeit, um etwas Abstand zum Liga-Geschäft zu gewinnen. Sprach das auch für ihn?

Staudt: Er macht auf jeden Fall einen sehr ausgeruhten und frischen Eindruck. Er brennt sozusagen auf diese Aufgabe.

SPORT1: Felix Magath war auch lange vor allem Feuerwehrmann, ehe er 2001 zum VfB kam und drei Jahre blieb, den Klub in die Champions League führte. Was halten Sie von diesem Vergleich?

Staudt: Ich finde das nicht weit hergeholt. Felix Magath hat zuvor auch nicht langfristig bei einem Verein gearbeitet, ehe er bei uns Erfolg hatte. Die damalige Vereinsführung hat aber an ihn und seine Methoden geglaubt. Ich würde es Bruno Labbadia wünschen, wenn er einen ähnlichen Erfolg hätte.

SPORT1: Für Sie und Sportdirektor Fredi Bobic hängt sehr viel an dieser Verpflichtung. Labbadias Engagement könnte aber mit Blick auf seine früheren Stationen öffentlich leicht kritisiert werden.

Staudt: Man muss auch auf die Zukunft und das Potenzial schauen.

SPORT1: Haben Sie eigentlich mit mehreren Kandidaten gesprochen?

Staudt: Wir haben immer mehrere Kandidaten, mit denen wir reden.

SPORT1: Wann war klar, dass Jens Keller gehen musste?

Staudt: Die Spiele in Kaiserslautern, als ein 3:0 Vorsprung nicht zum Auswärtssieg reichte und die anschließende Heimniederlage gegen Köln waren sicher der Knackpunkt. Die endgültige Entscheidung fiel nach dem Spiel gegen Hannover. Wir haben mit Jens Keller nach wie vor ein gutes Verhältnis und wir haben uns mit ihm ganz sachlich über die Situation unterhalten. Manchmal ist es einfach so, dass Trainer alles versuchen, was in ihrem Repertoire steht und dann merken müssen, es greift nicht.

SPORT1: Wie groß ist jetzt die Abstiegsgefahr für den VfB?

Staudt: Weiterhin sehr groß. Da muss man nur die Tabelle anschauen, wir haben aber noch eine Halbserie vor uns. Bruno Labbadia hat bereits gesagt, was die Mannschaft jetzt zu tun hat. Über die harte Arbeit und den Glauben kommt auch das Selbstvertrauen zurück, das uns hoffentlich auf neue Bahnen bringt.

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