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Günter Netzer wechselte 1973 von Borussia Mönchengladbach zu Real Madrid © getty

Gladbachs Vereins-Ikone und Beckenbauer üben nach der Freiburg-Pleite harte Kritik. Die HSV-Partie wird zum Schicksalsspiel.

Freiburg/Mönchengladbach - Franz Beckenbauer legte den Finger tief in die Wunde.

"Wenn ich mir die Mannschaft anschaue - Begeisterung schaut anders aus", sagte Beckenbauer bei "Sky90" nach der 0:3 (0:2)-Niederlage beim SC Freiburg über Borussia Mönchengladbach.

Und weiter: "45 Gegentore nach 16 Spielen, das ist kein Torwart- oder Abwehrproblem, das liegt an der Mannschaft. Ich würde sagen, das ist nicht Unfähigkeit, das ist Vorsatz."

Der fünfmalige Deutsche Meister taumelt nach vier Pleiten in Folge in Richtung 2. Liga. 323504(DIASHOW: Der 16. Spieltag)

Trainer Michael Frontzeck ("Rücktritt ist keine Option für mich") denkt indes nicht daran, den Bettel angesichts der Misere hinzuschmeißen. (DATENCENTER: Bundesliga)

Rüge der ehemaligen Idole

Hinzu kommt immer stärker werdende Kritik an der Führung der Borussia. Ex-Bundestrainer Berti Vogts, einst ein Fußball-Idol bei den "Fohlen", hatte von "Vetternwirtschaft" gesprochen.

Günter Netzer, der geniale Borussia-Regisseur in den 60er- und 70er Jahren, ließ ebenfalls kein gutes Haar am Klub vom Niederrhein und kritisierte Klub-Chef Rolf Königs harsch.

"Es ist seit Jahren einiges im Argen in diesem Klub. Er wird von einem Präsidenten geführt, der alles an sich gerissen hat und ohne den überhaupt nichts geht", analysierte der Weltmeister von 1974 und Europameister von 1972.

"Das ist viel zu viel Machtbefugnis für eine Person."

Es gebe zu wenig Kritik an dieser Situation. Netzer appellierte ebenfalls bei "Sky90" an Königs und Co.:

"Deswegen sollten sie sich offener gegenüber solchen Dingen zeigen. Es gehört sportliche und wirtschaftliche Kompetenz hinein."

Bonhofs Konter: "Günter, du bist nicht richtig informiert"

Darauf fing sich der 66-Jährige allerdings einen Konter von Rainer Bonhof, Netzers ehemaligem Mitspieler und jetzigen Vizepräsidenten der Borussia, ein:

"Günter, du bist nicht richtig informiert. Ich glaube, dass Max Eberl hier Großartiges geleistet hat. Wir sind auf einem Wege, der sich im Moment nicht in Punkten auswirkt."

Das Spiel gegen die ebenfalls krisengeschüttelten Kicker des Hamburger SV am Freitag hat nun richtungsweisende Bedeutung - für die Borussia und Frontzeck.

Sieg gegen HSV für Frontzeck Pflicht

Denn obwohl Sportdirektor Max Eberl den Job des Trainers bis zum Freitag garantierte ("An meiner Aussage, dass Michael Frontzeck Trainer bleibt, ändert sich nichts"), dürfte ein Sieg für Frontzeck Pflicht sein.

Das ließ sich bei Eberl zwischen den Zeilen lesen.

"Wir wollten punkten vor der Winterpause. Das ist uns in Freiburg wieder nicht gelungen. Das bedeutet, dass ein Sieg gegen Hamburg für uns enorm wichtig ist. Da sind wir vom Kopf her richtig gefordert", erklärte der Ex-Profi.

Eberl weist Kritik zurück

Eine andere Botschaft schickte Eberl in Richtung des zuletzt unruhigen Gladbacher Umfelds.

"Wenn man nicht erfolgreich ist, ist das der Nährboden für Nebenkriegsschauplätze. Dass man solche Dinge natürlich genau dann nicht braucht, wenn man sowieso schon am Boden liegt, ist klar", sagte der Sportdirektor.

Die von Eberl angesprochene Kritik der Ex-Stars Vogts und Netzer sowie die Gründung einer Oppositionsgruppe ist auch nach Ansicht von Frontzeck wenig hilfreich:

"Das steigert die Unruhe und tut dem Verein nicht gut."

Die mitgereisten Fans nahmen jedenfalls fast teilnahms- und emotionslos die neuerliche Pleite zur Kenntnis. Es gab keine Pfiffe, keine Beschimpfungen, keine Wutausbrüche.

Es hatte den Anschein, als habe sich der Anhang bereits mit dem Abstieg abgefunden. Der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt jedenfalls bereits fünf Zähler.

"Für keinen Kader der Welt zu kompensieren"

"Ich kann nicht sagen, was wir verbrochen haben. Unsere Ausfälle sind für keinen Kader der Welt zu kompensieren.

Das ist keine Entschuldigung, das ist ein Fakt", sagte derweil Frontzeck und verwies auf die lange Verletztenliste, in die sich nach dem Spiel in Freiburg auch Roel Brouwers (Gehirnerschütterung, Außenband- und Kapselriss) und Mohamadou Idrissou (Beckenknochenverletzung) eintragen mussten.

Eine Entspannung der Situation ist für Frontzeck jedenfalls nicht in Sicht.

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