vergrößernverkleinern
Horst Becker ist seit Februar 2007 Vorsitzender des HSV-Aufsichtsrats © imago

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats gibt seinen Posten auf. In der Kritik wegen der sportlichen Krise steht vor allem Bernd Hoffmann.

Von Maik Rosner und Sven-Arne Görn

München/Hamburg - Es sollte Kontinuität einkehren unter Armin Veh, doch kurz vor dem Ende der Hinrunde knirscht es beim Hamburger SV wieder einmal gewaltig.

Die Kritik richtet sich allerdings kaum gegen den Trainer, sondern gegen dessen Chef. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Schon vor der Aufsichtsratsitzung am Montagabend kündigte der Vorsitzende Horst Becker einen schonungslosen Austausch mit dem Vereinsboss Bernd Hoffmann an.

In besagter Sitzung unterrichtete er seine Kollegen dann davon, dass er nach der Mitgliederversammlung am 9. Januar nicht mehr für den Vorsitz des Kontrollgremiums zur Verfügung steht.

"Dieser Entschluss stand schon seit Juli diesen Jahres fest", bekräftigte Becker, der als einfaches Mitglied weiterhin dem Aufsichtsrat angehören wird. Über die Gründe für seinen Rücktug wolle er sich zu einem späteren Zeitpunkt äußern.

Konzentration auf Gladbach

Das ist nicht die einzige Baustelle beim HSV, auch in der Mannschaft stimmt es nicht. Veh will sich damit aber nicht befassen.

"Jetzt konzentrieren uns wir uns auf das Spiel gegen Gladbach und werden nicht diese Dinge, die wir vielleicht wissen, zur Sprache bringen", sagte der 49-Jährige am Montag gegenüber SPORT1:

"Es ist wichtig, dass wir dafür arbeiten, drei Punkte zu holen. Und nichts anderes."

Becker kündigte derweil an, Tacheles mit Hoffmann zu reden: "Möglicherweise wird aus dem Aufsichtsrat die eine oder andere kritische Frage gestellt."

Die Fans machten längst ihrer Wut über den erneut enttäuschenden Saisonverlauf Luft.

Die Suche nach einem Schuldigen

Nach dem 2:4 der Hanseaten gegen Bayer Leverkusen, der fünften Niederlage in den vergangenen sieben Spielen, skandierte ein Teil der Anhänger frustriert: "Hoffmann raus!"

[kaltura id="0_cpc2yp2z" class="full_size" title="Veh stellt sich"]

Die Suche nach einem Schuldigen ist zwar einer der üblichen Reflexe.

Doch offenbar teilt der Aufsichtsrat zumindest die zunehmende Skepsis gegenüber dem Klubchef.323504(DIASHOW: Der 16. Spieltag)

Aufsichtsrat entscheidet

Sieben Trainer in knapp acht Jahren saßen zuletzt beim HSV auf der Bank.

Am 9. Januar werden vier der zwölf Aufsichtsratsstühle neu besetzt.

Anschließend wird das Gremium über Hoffmanns Zukunft beraten. Dessen Vertrag läuft Ende kommenden Jahres aus.

Nur zwei Spieler auf Teamabend?

Veh sprach derweil die Probleme des Teams schonungslos an.

"Dass wir wieder zusammenrücken, ist in dieser Woche ganz wichtig."

Dass Heiko Westermanns Einladung zu einem Mannschaftsabend angeblich nur zwei Spieler gefolgt waren, wollte Veh allerdings nicht bestätigen.

Auf die Frage, ob es in der Mannschaft nicht stimme, räumte er aber ein: "Da gebe ich Ihnen Recht."

"Wir liegen am Boden"

Zuvor hatte der Trainer bereits überraschend offen zugegeben:

"Wir liegen am Boden, und ich bin genauso wenig erfolgreich wie die Mannschaft. Ich liege ja selbst am Boden."

Die Niederlage gegen Leverkusen erklärte er damit, dass die Spieler "Angst" gehabt hätten.

Reinhardts Schelte

Das alles klingt nicht gerade nach Besserung. Genauso wenig wie die Schelte von Manager Bastian Reinhardt, der Torhüter Frank Rost nach dessen öffentlicher Kritik zurechtwies.

"Frank muss sich langsam entscheiden, ob er etwas mit aufbauen oder niederreißen will", sagte Reinhardt.

Rost wollte zu seinen kryptischen Hinweis auf Goethes "Zauberlehrling" am Montag gegenüber SPORT1 nichts mehr sagen. "Wir können viel erzählen", erklärte er und wollte den Blick nur auf das letzte Hinrundenspiel richten:

"Wir müssen mit allen Widrigkeiten zurechtkommen."

"Wir müssen gewinnen"

Bereits am Freitag steht das Gastspiel bei Schlusslicht Borussia Mönchengladbach an. "Wenn wir in dieser Saison noch irgendetwas reißen wollen, müssen wir da gewinnen", forderte Westermann.

Andernfalls könnte sich Vehs Befürchtung angesichts von erst 21 Punkten und Tabellenplatz neun bestätigen.

"Es besteht die Gefahr einer Spirale", sagte der Trainer. Drehrichtung abwärts.

Sein Lösungsansatz: "Drauftreten ist keine Führung. Ich werde die Mannschaft nicht in den Senkel stellen."

Spekulationen um Daum

Doch Veh weiß auch, dass sich die Kritik bei anhaltendem Misserfolg gegen ihn richten wird.

Der Kölner "Express" brachte bereits Christoph Daum als möglichen Nachfolgekandidaten ins Spiel.

Der 57-Jährige soll im Sommer mit Aufsichtsratschef Becker verhandelt haben und wurde nun mit den Worten zitiert: "Hamburg ist ein toller Verein mit einer großen Perspektive."

Das klang so gar nicht passend zur aktuellen Situation.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel