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Der Neue bei der Arbeit: Bruno Labbadia soll den VfB Stuttgart vor dem Abstieg bewahren © getty

Beim VfB Stuttgart hoffen sie, dass der Trainer fachlich der alte geblieben ist, sich aber menschlich neu sortiert hat.

Von Maik Rosner

München - Spötteleien gibt es genug, und natürlich wurde Bruno Labbadia gleich auf seine Serie unerfreulicher Rückrunden angesprochen.

Der neue Trainer des VfB Stuttgart hat die Frage, wie man ihn für die zweite Saisonhälfte verpflichten könne, obwohl er Spezialist für Hinrunden sei, in seinem Sinne umgedeutet. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Ich habe gezeigt, dass ich einer Mannschaft kurzfristig positive Impulse geben kann", sagte der 44-Jährige dem "kicker": "Es geht zunächst einmal allein darum, den VfB vor dem Abstieg zu retten."

Kurzfristiger Erfolg ist also Labbadias Mission, ein klassischer Feuerwehrmann-Auftrag.

Formknick nach dem Erfolg

Diesmal eben überwiegend in der Rückrunde, die praktischerweise ja auch nur ein Halbjahr lang ist.

Denn für diese Dauer belegt seine Vita Erfolgsphasen, und nichts anderes benötigt der Vorletzte der Liga.

Neuanfang mit Bruno Labbadia

Als Trainer bei Bayer Leverkusen und dem Hamburger SV hatte er jeweils eine formidable Hinrunde abgeliefert.

Dann folgte der Formknick und bald darauf die Trennung.

Nervende Akribie

Auch bei Darmstadt 98 und der SpVgg Greuther Fürth stellte sich rasch Erfolg ein, hielt aber ebenfalls nicht dauerhaft an.

Als nun bekannt wurde, dass Labbadia Stuttgart vor dem Abstieg bewahren soll, haben sich einige Profis in Leverkusen angeblich köstlich amüsiert.

Der ehemalige Stürmer muss mit dem Ruf leben, ein fordernder und damit erfolgreicher Trainer zu sein. Jedoch: nur vorübergehend.

Denn, so ist das jedenfalls überliefert, wird die Akribie und sein zuweilen belehrender Stil bald als nervend empfunden.

"Ich muss mich beweisen"

Labbadia will seine Schlüsse gezogen haben. Und nebenbei eine weitere Mission vorbereiten, für die im Falle des Klassenhalts ein Zweijahresvertrag fixiert wurde.

"Ich muss in der ersten Liga noch beweisen, dass ich eine Mannschaft dauerhaft oben etablieren kann", sagte Labbadia.

[kaltura id="0_7064dtr9" class="full_size" title="VfB stellt Labbadia vor"]

Dafür brauche es allerdings eine Vereinsführung, die hinter einem steht, "auch wenn es mal ein kleines Tal zu durchschreiten gilt. Und mehr war es bei mir nicht."

Ein weiterer Tiefpunkt droht allerdings schnell. Denn der Beginn seiner Mission nach dem bedeutungslosen Spiel in der Europa League gegen Odense BK hat es in sich.

Zweimal gegen die Bayern

Zweimal binnen drei Tagen empfangen die Schwaben den Double-Gewinner Bayern München. Zunächst am Sonntag zum letzten Hinrundenspiel in der Bundesliga, dann am Mittwoch zum Jahresausklang im DFB-Pokal.

Und das neue Jahr startet mit den Spielen gegen Mainz und in Dortmund.

Wie neu der neue Trainer allerdings wirklich ist, wird sich erst nach dem Ende der ersten Mission erweisen.

Denn dann beginnt die Phase, in der sich der Erfolgstrainer auf seinen vorherigen Stationen in einen Problemtrainer wandelte.

Maßnahmen werden beäugt

Seine Maßnahmen werden schon jetzt genau beäugt.

Dass er einen bei vielen Klubs üblichen Acht-Stunden-Tag einführte mit zwei Trainingseinheiten, zwischenzeitlicher Physiotherapie und gemeinsamen Mahlzeiten, wäre unter anderen Umständen wohl keine Schlagzeile wert gewesen.

Beim VfB hoffen sie derweil, dass Labbadia fachlich der alte geblieben ist, menschlich aber dazugelernt hat.

Wichtig sei gewesen, dass der Trainer seine sechsmonatige Arbeitspause zum Reflektieren genutzt habe, sagte Sportdirektor Fredi Bobic.

Fehler der Vergangenheit

Labbadia hat einen Teil seiner Erkenntnisse bereits preisgegeben.

Geduldiger hätte man in Leverkusen sein müssen, zudem sei der Umzug ins Düsseldorfer Stadion nicht förderlich gewesen.

Er selbst hätte auf ein kritisches Interview verzichten müssen.

In Hamburg habe man "unheimliches Verletzungspech" gehabt.

Viel Selbstkritik klang da nicht durch, aber Labbadia räumte zumindest ein: "Ich behaupte nicht, dass ich mit sieben Jahren Trainererfahrung alles weiß."

Staudts Vergleich mit Magath

Beim VfB, der mit drei Trainern in einer Hinrunde für ein Bundesliga-Novum gesorgt hat, erwarte man von Labbadia schlicht "Erfolg", sagte Präsident Erwin Staudt im SPORT1-Interview.

Er wagte bereits einen hoffnungsvollen Vergleich: "Felix Magath hat zuvor auch nicht langfristig bei einem Verein gearbeitet, ehe er bei uns Erfolg hatte. Die damalige Vereinsführung hat aber an ihn und seine Methoden geglaubt."

Noch so eine Selbsterkenntnis. Vielleicht ist ein neuer Stil in Stuttgart nicht nur beim Trainer gefragt.

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