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Klaus Toppmöller führte 2002 Leverkusen ins Champions League-Finale © getty

Bayer ist Erster, Klaus Toppmöller und Reiner Calmund, Baumeister der Erfolgsstory 2002, analysieren Stärken und Schwächen.

Von Mathias Frohnapfel

München/Leverkusen - Mit seinem Team wäre er jetzt souveräner Tabellenführer.

30 Punkte hatte Klaus Toppmöller im November 2001 nach zwölf Spieltagen mit Bayer Leverkusen gesammelt, der aktuelle Spitzenreiter weist nur 25 Zähler auf.

Allerdings: Heute ist die Bayer-Elf Erster - so wie in der legendären Saison damals an zig Spieltagen.

Gegenüber Sport1.de lässt sich Toppmöller auf den Vergleich zur Spielrunde ein, als Bayer tausende Fußballerherzen eroberte und doch am Ende nur den Trostpreis als "Vizekusen" (Zweiter in Meisterschaft, Pokal und Champions League) erhaschte.

Der größte Unterschied aus Sicht des 57-Jährigen: "Das war damals eine Mannschaft, die schon gestanden und gefestigt war."

Der aktuellen Werkself mangle es noch an Kaltschnäuzigkeit. "So weit, dass sie Deutscher Meister werden, sind sie noch nicht." Zu jung und unerfahren, urteilt "Toppi", über die neuen Leverkusener.

Das beste Beispiel sei - na klar - die verspielte 3:0-Führung in Karlsruhe.

Begehrlichkeiten - spätestens ab Weihnachten

Doch trotz des bitteren Remis traut der Trainer den Bayer-Jungspunden problemlos einen Startplatz im internationalen Geschäft zu.

Zudem erkennt er eine auffällige Parallele zum eigenen Höhenflug mit Lucio, Michael Ballack, Bernd Schneider, Dimitar Berbatov und Co. Mit jedem Sieg, jeder Offensiv-Show wachsen die Begehrlichkeiten im Rekord-Tempo.

"Warten wir mal bis Weihnachten ab: Dann ist der ein oder andere Spieler Top-Thema bei einem anderen Verein, fangen wir bei Rene Adler an - da wird schon über Bayern spekuliert. Es geht weiter über Patrick Helmes, Michal Kadlec, Renato Augusto..."

Er selbst hat das Spiel mit dem großen Geld selbst miterlebt, als in jener irren Saison 2001/2002 jede Woche ein anderer Name gehandelt wurde. So umgarnte der FC Bayern nach allen Regeln der Flirtkunst Lucio und Ballack.

Und auch heute macht sich Toppmöller, der zuletzt Georgien coachte, keine Illusionen über die jungen Gipfelstürmer unter dem Bayer-Kreuz: Wenn ein "englischer oder ein spanischer Top-Verein" komme, sei kein Halten mehr.

Der Vorteil im Meister-Rennen

Natürlich hat der temperamentvolle Trainer damals die englischen Wochen verflucht, diesen Dreikampf aus Meisterschaft, Pokal und Champions League. Nicht wenige Experten sind felsenfest überzeugt, dass sonst heute auf der Meisterschale "2002: Bayer 04 Leverkusen" eingraviert wäre.

"Wir hatten nur 13, 14 richtig gute Spieler", stöhnt "Toppi".

Immerhin: Sechs Jahre später muss Bayer keine müden Beine und keine Reisenstrapazen des internationalen Fußballbetriebs mehr fürchten. Ein Riesenvorteil, meint Toppmöller.

Reiner Calmund bestätigt gegenüber Sport1.de diese Einschätzung. Denn: "Bei kleineren und jüngeren Kadern kann sich das positiv auswirken, man kann das ein oder andere Wehwehchen besser auskurieren."

Calmund: "Helmes ist ein Goldgriff"

Und der ehemalige Bayer-Manager erkennt noch einen weiteren Grund für den aktuellen Erfolg: die Transferpolitik.

Den Ex-Kölner Patrick Helmes nennt er einen "Goldgriff", zumal er in Leverkusen "wunderbar integriert" sei.

Dann schwärmt Calmund von Renato Augusto (das Spielerporträt).

Der Mittelfeldmann, kämpferisch und spielerisch mit höchsten Gaben gesegnet, spielt bislang eine beeindruckende Serie.

"Der ist ein Sonderfall, den hätten sie ja nie bekommen", berichtet Klaus Toppmöller über den 20-Jährigen von Flamengo Rio de Janeiro.

Der Grund: An dem fußballerischen Juwel seien schon Real Madrid und Barcelona dran gewesen. Doch nach einer schweren Verletzung habe die Geduld der Großklubs mit dem Brasilianer nicht ausgereicht.

"Bayer scoutet besserals der FCB"

Bayers Scoutingabteilung zog andere Schlüsse und hat jetzt einen Spieler, dessen Marktwert schon bald die im Sommer gezahlte Ablöse von sechs Millionen Euro kräftig überflügeln dürfte.

Für Toppmöller liegt Bayer im Südamerika-Scouting deutlich vorm Branchenprimus FC Bayern. Vor allem die jahrelange Erfahrung von Chefscout Norbert Ziegler erweise sich als ein mächtiges Pfund.

Und natürlich schätzen Toppmöller und Calmund die Arbeit von Neu-Trainer Bruno Labbadia.

Er habe "zusätzlichen Schwung" gebracht, lobt Calmund.

Und sein früherer Erfolgscoach erkennt noch eine Ähnlichkeit zu seiner eigenen Arbeit: "Klar prägt der Trainer den Stil. Selbst wenn alle gegen den Ball mitarbeiten müssen: Bruno Labbadia war Stürmer wie ich auch früher?"

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