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Bruno Labbadia trainierte in der Bundesliga bereits Bayer Leverkusen und den HSV © getty

Bei SPORT1 spricht der neue VfB-Trainer Bruno Labbadia über Stuttgarts Chancen gegen die Bayern und seine Trainerentwicklung.

Von Mathias Frohnapfel

München - Der Start hätte besser nicht ausfallen können:

5:1 schlug der VfB im ersten Spiel unter der Leitung von Trainer Bruno am Donnerstag in der Europa League Labbadia Odense BK.

Und doch besteht die Gefahr, dass die Stuttgarter mit einem ziemlich schlechten Gefühl in die Winterpause gehen.

Zweimal geht es binnen vier Tagen gegen die Startruppe des FC Bayern, zuerst in der Bundesliga (ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER), dann am Mittwoch im DFB-Pokal (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER).

Könne man sich eben nicht aussuchen, sagt Labbadia zum heftigen Aufgalopp und spricht zudem im SPORT1-Interview über seine Entwicklung als Trainer, die Mannschaftsführung und sein wichtigstes Ziel mit dem VfB.

SPORT1: Herr Labbadia, wir wollen Sie ja nicht ärgern, aber in seinem wöchentlichen Bundesliga-Tipp bei SPORT1 hat Olaf Thon vorausgesagt: VfB Stuttgart - Bayern München 1:4. Was halten Sie davon?

Bruno Labbadia: Wenn er nach den Fakten geht, kann ich verstehen, dass er 1:4 tippt - wir stehen an vorletzter Stelle. Bayern München steht zwar noch nicht da, wo sie normalerweise stehen wollen, aber der FC Bayern ist der Top-Verein in Deutschland.

SPORT1: Dabei lief es beim FC Bayern in der Hinrunde nicht immer rund.

Labbadia: Sie haben den besten Kader, haben gerade in den letzten Wochen guten Fußball gespielt und das hat unsere Mannschaft nicht getan.

SPORT1: Werden Sie die Punkte also freiwillig herschenken?

Labbadia: Es ist nichts Außergewöhnliches, dass der FC Bayern der klare Favorit gegen uns ist. Deswegen müssen wir eben mehr investieren, mehr tun und sehr konzentriert arbeiten, damit wir überhaupt eine Chance haben gegen den FC Bayern.

SPORT1: Sie sind als Spieler mit dem FCB Meister geworden. Ist das Bayern-Spiel deshalb eine besonders schöne Aufgabe oder hätten Sie sich einen anderen Gegner zum Auftakt gewünscht?

Labbadia: Klar hätte ich gerne zum Anfang einen Gegner auf Augenhöhe. Der FC Bayern ist sicher nicht auf unserer Augenhöhe in unserer momentanen Verfassung.

[kaltura id="0_1yuu7ww0" class="full_size" title="Gomez Stuttgart steigt nicht ab"]

SPORT1: Auch im Pokal muss der VfB gegen die Münchner ran. Mit Leverkusen haben Sie ja die Bayern damals rausgeworfen. Wollen Sie so etwas wie der personifizierte FCB-Pokalschreck werden?

Labbadia: Der Pokal ist für mich - so blöd das klingt - in ganz weiter Ferne. Wir legen unser Hauptaugenmerk ganz klar auf die Bundesliga. Wenn das Spiel dann vorbei ist, werden wir uns auf das Pokalspiel konzentrieren.

SPORT1: Manche Trainer sagen, wenn wir zehn Mal gegen die Bayern spielen, gewinnen wir ein oder zwei Mal. Wie schätzen Sie denn die beiden kommenden Partien ein?

Labbadia: Natürlich geht man immer mit Optimismus da rein, aber halt nicht blauäugig. Wir werden das Spiel jedoch vorher nicht schon im Kopf abschenken. Und wir wollen ganz klar unsere kleine Chance gegen den FC Bayern nutzen.

SPORT1: Nervt es Sie eigentlich, dass Sie schon vor Ihren ersten Spielen mit dem VfB von vielen Seiten in Frage gestellt wurden?

Labbadia: Es wird Ihnen auffallen, dass da nie etwas Fachliches kommt. Damit hätte ich dann ein Problem. Jeder, der sich dieses Geschäft in Ruhe anschaut, kann sich ein klares Bild machen. Es kommt nicht von ungefähr, dass sich mit dem VfB der dritte große deutsche Klub, noch dazu einer, mit dem ich in der Vergangenheit wenig Berührung hatte, und auch ein Manager, mit dem ich bisher wenig Kontakt hatte, für mich entschieden haben.

SPORT1: Das VfB-Team gilt nicht als besonders diszipliniert. Wie haben Sie die Mannschaft bisher wahrgenommen?

Labbadia: Ich weiß nur, dass wir als Trainerteam von der ersten Minute an klar gesagt haben, was wir wollen. Es ist auch für die Spieler gut, wenn sie wissen: Das ist der Rahmen und in diesem kann ich mich frei bewegen.

SPORT1: Also, die straffen Zügel sind angesagt, oder?

Labbadia: Je nachdem wie der Erfolg ist, kann der Rahmen auch größer werden. Das ist etwas, was man sich erarbeiten muss. Ich denke, dass wir auch beobachten müssen, ob wir die Zügel anziehen müssen oder ob wir den Spielern mehr Freiraum geben können.

SPORT1: Über die Mischung aus Arbeit, Konzentration und Lockerheit haben Sie vermutlich in den letzten Monaten viel nachgedacht. Wie war für Sie diese Zeit ohne die ständige Anspannung im Trainer-Job?

Labbadia: Positiv, weil ich die Zeit für mich genutzt habe.

SPORT1: Bei Ihren früheren Stationen in Leverkusen und beim HSV lief es nicht immer optimal. Wie sehen Sie das im Rückblick?

Labbadia: Ich möchte jetzt eigentlich nicht mehr zurückblicken sondern nach vorne. Dennoch gab es sicher den einen oder anderen Grund, warum es nicht so gelaufen ist - das war komplett unterschiedlich. Sicherlich habe ich auch die Zeit genutzt, diese Dinge aufzuarbeiten und die entsprechenden Schlüsse daraus zu ziehen: Es gab viel Positives, aber auch Dinge, die ich vielleicht hätte anders machen können.

SPORT1: Was heißt das für die Zukunft?

Labbadia: Im Großen und Ganzen werde ich viele Dinge wieder so machen, aber eben auch Sachen verändern.

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