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Dortmunds Lucas Barrios trauert seiner vergebenen Chance hinterher © getty

Die Niederlage in Frankfurt hinterlässt beim BVB Spuren. Die Leichtigkeit scheint dahin. Weidenfeller räumt Müdigkeit ein.

Von Christian Stüwe

München - Der Moment, in dem der Dortmunder Lauf ein Ende fand, lässt sich auf eine Zeitspanne von weniger als 100 Sekunden eingrenzen.

Knapp vier Minuten vor Schluss hatte BVB-Stürmer Lucas Barrios völlig unbedrängt den Siegtreffer gegen Frankfurt auf dem Fuß. Doch er zielte zu hoch, so dass der Ball nur die Latte streifte. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Fast im Gegenzug schlug dann Eintracht-Torjäger Theofanis Gekas zu und stellte mit seinem 14. Saisontreffer den 1:0-Endstand gegen Borussia Dortmund her.326521(DIASHOW: Der 17. Spieltag)

Während das Frankfurter Adler-Maskottchen Attila im allgemeinen Jubel nach dem Abpfiff stolz mit den Flügel schlug, waren die Überflieger der Hinrunde ziemlich am Boden.

Niederlage zum ungünstigen Zeitpunkt

"Das Problem ist, dass die Niederlage ganz am Ende kommt", ärgerte sich Marcel Schmelzer: "Jetzt müssen wir über die Winterpause damit leben."

Am ersten Spieltag hatten die Dortmunder gegen Leverkusen verloren, waren dann von Sieg zu Sieg geeilt und hatten die Liga in souveräner Weise dominiert.

Doch die Krönung zum besten Herbstmeister aller Zeiten verpassten sie durch die Niederlage ebenso wie den Rekord von neun Auswärtssiegen in Folge und den Vereinsrekord von acht Liga-Siegen am Stück.

Diese Dinge dürften die Dortmunder aber weniger beunruhigen, als die untrüglichen Indizien, dass der sensationelle Lauf eine Delle bekommen hat.

Offensive wirbelt nicht wie gewohnt

Schon am Mittwoch beim 2:2 in Sevilla, das das Aus in der Europa League bedeutete, wirbelte die Offensive der Borussen nicht wie gewohnt.

Auch gegen Frankfurt fehlten die zündenden Ideen im Angriff.

"Wir waren zu verspielt und haben immer noch den schönen Pass in den Sechzehner versucht, anstatt einfach mal abzuziehen", ärgerte sich Schmelzer.

"Wir haben unsere Chancen nicht genutzt und Frankfurt hat dann zugeschlagen", erklärt der enttäuschte Nuri Sahin.

Eine Hereingabe des 22-Jährigen senkte sich auf die Latte des von Ralf Fährmann gehüteten Tores. "Wenn man ein bisschen Glück hat, geht der rein. Aber das hatten wir heute nicht", sagte Sahin.

Klopp will "Demut nicht verlieren"

Ähnlich erging es Barrios, der den Matchball kurz vor Schluss in den letzten Wochen wahrscheinlich noch im Schlaf verwandelt hätte.

"Wen er den macht, gewinnen wir", analysierte Trainer Jürgen Klopp: "Aber wir sollten den Demut nicht verlieren."

In der Tat verlief die erste Hälfte der Saison für die Schwarz-Gelben weitaus besser als erwartet.

Die Dortmunder Youngster führen die Tabelle souverän an, haben die meisten Tore erzielt und die wenigsten kassiert und gelten als heißester Anwärter auf die Meisterschaft.

Doch ausgerechnet zum Abschluss zeigten die Borussen Schwäche, was die Konkurrenz wieder Morgenluft wittern lässt.

"Ziemlich müde, auch vom Kopf her"

Am ersten Spieltag nach der Winterpause geht es zum Verfolger nach Leverkusen, der den Westfalen die bis zum Samstag einzige Niederlage beigebracht hatte.

Spätestens dann wird sich zeigen, ob die Spiele in Sevilla und Frankfurt wirklich nur "Ausrutscher" waren, wie Torwart Roman Weidenfeller vermutete.

"Die Jungs sind alle ziemlich müde, auch vom Kopf her. Aber das wird im neuen Jahr wieder anders aussehen", versprach der Keeper.

Auf Klopp und seinen Trainerstab wartet nun in der Winterpause die Aufgabe, diese Müdigkeit zu vertreiben.

Eintracht so gut wie seit 17 Jahren nicht mehr

Für die Eintracht hingegen wendete sich die Hinrunde in der packenden Schlussphase zum Guten.

"Am Ende hat sich das Spiel auf diese eine Minute zugespitzt", erklärte Trainer Michael Skibbe: "Natürlich sind wir sehr zufrieden mit dem Sieg und den 26 Punkten, mit denen wir in die Winterpause gehen."

Seit 17 Jahren hatten die Hessen zu Weihnachten nicht mehr so viele Punkte auf dem Konto.

"Das fühlt sich super an. Jetzt zum Abschluss noch ein Sieg gegen Tabellenführer", freute sich Sebastian Jung: "Damit haben wir die starke Hinrunde gekrönt."

Und so war es am Ende ein Frankfurter Youngster, der den Satz aussprach, den die Dortmunder so gerne gesagt hätten.

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