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Jürgen Klopp (M.) ist seit Sommer 2008 Trainer von Borussia Dortmund © imago

Dortmund schwächelt am Hinrundenende. Während die Konkurrenz Morgenluft wittern dürfte, ist Trainer Klopp als Psychologe gefragt.

Von Christian Stüwe

München - Jürgen Klopp ist ein Mann mit Prinzipien.

Obwohl seine Mannschaft die Bundesliga bislang in beeindruckender Weise dominierte, vermied es der Erfolgstrainer konsequent, von der möglichen Meisterschaft zu sprechen.326521(DIASHOW: Der 17. Spieltag)

Als der sensationelle Lauf der Dortmunder in Frankfurt erste Schrammen erhielt, legte der 43-Jährige mit ähnlicher Konsequenz wie er bislang das böse "M-Wort" vermied, demonstrativ Optimismus an den Tag.

"Wir können Niederlagen akzeptieren, wenn wir sie uns selbst eingebrockt haben. Es gab noch nie eine Mannschaft in dem Alter, die so viele Punkte hatte", sagte Klopp.

Keine Frage: Genauso wie System dahinter steckt, nicht von der Meisterschaft zu sprechen, versucht der Coach nun seine Youngster stark zu reden.

Motivation auf der Weihnachtsfeier

Wenige Stunden nach Abpfiff in der Bankenmetropole versammelte sich die Mannschaft zur Weihnachtsfeier im Dortmunder Hotel "Lennhof".

Die Stimmung war zunächst gedrückt, doch Klopp sorgte für gute Laune. "Wer immer noch schlecht drauf ist, der hat mir die ganze Vorrunde nicht zugehört", erklärte der Trainer.

Er sei doch "mit dem Klammerbeutel gepudert", wenn er die gute Hinrunde nicht erkennen würde, sagte Klopp, bevor er seine Spieler für zwei Wochen in den Urlaub schickte.

"Es gehört zu meinem Job, dafür zu sorgen, dass die Jungs in der richtigen Stimmungslage sind", verkündete der Trainer, der offenbar doch ein wenig um die mentale Verfassung seiner Überflieger besorgt war.

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Der Herbstmeister zeigt Schwächen

In der Wirtschaftswelt gibt es ein geflügeltes Wort, das besagt, dass der erste Eindruck zählt und der letzte Eindruck bleibt.

Und irgendwie scheint der Spruch die aktuelle Situation bei Borussia Dortmund ziemlich genau zu beschreiben.

Der BVB wurde souverän Herbstmeister, die junge Truppe sammelte die meisten Bundesliga-Punkte im Jahr 2010 und spielte zusammen mit Mainz den schönsten Fußball.

Doch ausgerechnet in den letzten beiden Spielen vor der Weihnachtspause zeigten die Schwarz-Gelben erstmals seit langem wieder Schwächen.

Konkurrenz wittert Morgenluft

Sowohl bei der 0:1-Niederlage in Frankfurt wie auch beim 2:2 in Sevilla, das das Aus in der Europa League bedeutete, wich der Offensiv-Zauber einer gewissen Schwere und Mattheit.

Nun könnte zumindest bis zum Rückrundenauftakt gegen Leverkusen diskutiert werden, ob der Herbstmeister in eine Krise stürzt.

Die Konkurrenz dürfte wieder Morgenluft wittern.

Nicht die besten Vorraussetzungen für eine ungestörte Vorbereitung auf die Rückrunde.

Zorc und Weidenfeller sprechen von Müdigkeit

Sportdirektor Michael Zorc sprach zwar von der "besten Halbserie der Vereinsgeschichte", räumte aber auch unumwunden ein, dass es gut sei, "dass die Mannschaft nun eine Pause bekommt, sich ein bisschen erholen kann".

Die Niederlage in Frankfurt habe Spuren hinterlassen. "Auch wenn wir 43 Punkte auf dem Konto haben, ärgert man sich natürlich darüber", sagte Zorc im Interview mit den "Ruhr Nachrichten".

Auch Torwart Roman Weidenfeller hatte eine gewisse Müdigkeit - "auch im Kopf" - vor allem bei den jungen Spielern ausgemacht.

Worte, die die Konkurrenz gerne hören wird.

Klopp als Psychologe gefragt

Trainer Klopp dürfte in den nächsten Wochen vor allem als Psychologe gefragt sein.

Zwar beträgt der Vorsprung auf die Verfolger Mainz und Leverkusen noch immer komfortable zehn Punkte, Rekordmeister Bayern ist sogar stolze 14 Punkte entfernt.

Doch sollten die Dortmunder in Leverkusen, dass dem BVB am ersten Spieltag der Hinrunde eine Heimniederlage beigebracht hatte, keinen guten Start in die Rückrunde erwischen, wird die Jagd eröffnet.

"Wir wollen ab Mitte Januar wieder guten Fußball spielen. Das ist der Plan", kündigte Klopp an: "Und ich glaube, dass uns dies auch gelingt."

Sollte die junge Mannschaft tatsächlich unbeeindruckt von dem Makel der letzten Niederlage in die Rückserie starten und die Liga ähnlich fulminant wie in der Hinrunde dominieren, wäre dies auch Klopps Meisterstück.

Obwohl das ein Wort ist, dass er gar nicht gerne hört.

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