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Ivica Olic kam in dieser Saison nur auf sechs Ligaeinsätze © imago

Knorpelschaden - die Diagnose ist hart. Bei SPORT1 spricht Bayern-Stürmer Ivica Olic über Frust und schlimme Schmerzen.

Von Daniel Rathjen

München - Trikot hoch, Bauchmuskeln raus.

In der vorigen Saison feierte Ivica Olic seine zahlreichen Tore oft mit seinem beachtlichen Sixpack.

Es war auch ein Zeichen der Stärke.

Jetzt leidet der Kroate unter einer Verletzung, die für etliche Fußballer schon das Karriereende bedeutet hat: Knorpel- und Außenmeniskusschaden.

Anfang November wurde er bei Spezialist Richard Steadman in den USA operiert. Dieser verordnete ihm acht Monate Pause. Diese Saison kommt der Kroate definitiv nicht zurück 301503(DIASHOW: Bayerns Planspiele).

"Wenn ich mit Fahrrad fahren anfangen kann, ist das schon ein Sieg", lächelt Olic gequält.

Die Laune der Frohnatur ist getrübt. Im SPORT1-Interview spricht der 31-Jährige über seine Langeweile und schlimme Schmerzen.

SPORT1: Herr Olic, können Sie noch lachen?

Ivica Olic: "Nun ja, es fällt mir manchmal schwer. Die acht Monate Pause sind sehr hart. Aber ich schaue positiv in die Zukunft. Egal wie schwierig es wird, ich versuche das alles durchzuziehen und hoffe, dass ich es schaffe."

SPORT1: Sie bleiben Optimist...

Olic: "Es war schon schwer für mich. Das ist keine Verletzung, die nach ein, zwei Wochen wieder verheilt ist. Aber ich freue mich, dass ich schon sechs Wochen Reha hinter mir habe und dass ich weniger Schmerzen habe. Das ist auch gut."

SPORT1: Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?

Olic: "Ich kann nicht viel machen. Acht Stunden pro Tag soll ich mein Bein in eine Bewegungsschiene stecken, zum Beugen und Strecken. Das ist langweilig und kostet sehr viel Zeit. Meistens mache ich das so von 15 bis 19 Uhr, danach ein bisschen Pause und dann weiter."

SPORT1: Das hört sich nach Horror für jemanden mit Ihrem Bewegungsdrang an...

Olic: "Ich habe auch versucht, mit der Maschine am Bein zu schlafen, aber das hat nicht funktioniert. Ich bin verrückt geworden, weil ich mich nicht umdrehen konnte."

SPORT1: Für viele kam die Verletzung überraschend. Für Sie auch?

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Olic: "Nein, nicht wirklich. Mehr als zweieinhalb Monate habe ich schon ständig Knieschmerzen gehabt. Ich habe unter Schmerzen trainiert und gespielt. Mal ging es besser, dann wieder nicht. Wir haben versucht, es konservativ zu behandeln und ich habe gedacht: Irgendwann wird es schon besser. Aber das wurde es nicht."

SPORT1: Wie waren die Tage vor der OP?

Olic: "Ganz schlimm. Da konnte ich nach dem Training nicht einmal mehr normal gehen. Und da habe ich gesehen, dass es nicht mehr ging. Es ist jetzt ein Stück Erleichterung, dass die Aussicht auf weniger Schmerzen da ist."

SPORT1: Stand Ihre Karriere auf dem Spiel?

Olic: "Natürlich hatte ich Angst um meine Karriere! Es gab keine andere Wahl als die Operation. Der Arzt hat zu mir gesagt: Entweder wir operieren oder du spielst nie wieder Fußball. Da musste ich nicht lange überlegen."

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SPORT1: Sie sind bei Spezialist Richard Steadman in Behandlung. Wie ist Ihr Eindruck von ihm?

Olic: "Der Mann ist unglaublich. Er ist alt, ich glaube 72 Jahre alt, sehr nett und er nimmt sich viel Zeit - nicht nur für mich, weil ich Profi bin - auch für andere. In seiner Praxis herrscht eine lockere Atmosphäre. Und er hat viel Erfahrung: Wenn er sagt, dass ich nach acht Monaten wieder Fußball spielen kann, dann glaube ich ihm das."

SPORT1: Wie ist Ihr Kontakt zu Louis van Gaal?

Olic: "Gut. Ich habe mit ihm in den Tagen vor der OP gesprochen. Er hat mir volle Unterstützung gegeben. Er hat mich täglich im Training gesehen und natürlich auch gemerkt, dass ich Probleme hatte."

SPORT1: Wenn du verletzt bist, bist du allein, heißt es oft. Fühlen Sie sich von der Mannschaft isoliert?

Olic: "Ich habe noch nicht das Gefühl, dass ich den Kontakt verloren habe. Ich bin jeden Tag an der Säbener Straße und treffe den einen oder anderen." 301503(DIASHOW: Bayerns Planspiele)

SPORT1: Wie haben Sie die Hinrunde erlebt?

Olic: "Es tat weh, nicht mithelfen zu können. Ich versuche, nicht viel darüber nachzudenken. Das frustriert mich sonst nur."

SPORT1: Gibt Ihnen Ihre Familie zusätzliche Kraft?

Olic: "Kraft? Im Moment herrscht viel Stress. Wir haben jetzt vier Kinder - eigentlich müsste ich im Haushalt mithelfen, da fehle ich auch. Aber ich kann ja nicht. Mittlerweile haben die Kinder das auch verstanden, sie haben immerhin viel Spaß mit meinen Krücken (lacht)."

SPORT1: Was tun Sie gegen Langeweile?

Olic: "Ich liege in meiner Schiene, schaue Fußball im Fernsehen und versuche zu lesen. Das ist für ein, zwei Wochen kein Problem. Aber ich fürchte bald wird es zu einem."

SPORT1: Was glauben Sie ist für den FC Bayern noch drin in dieser Saison?

Olic: "Ich habe mir jedes Spiel angeschaut. Wir müssen nun versuchen, uns auf uns zu konzentrieren. Nach ein paar Tagen Ruhe an Weihnachten und einer guten Vorbereitung, brauchen wir eine gute Serie. Dann ist alles möglich - in der Liga und in der Champions League (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)."

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