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Martin Harnik wechselte vor der Saison von Fortuna Düsseldorf zum VfB Stuttgart © imago

Nach der Klatsche gegen die Bayern spricht Martin Harnik bei SPORT1 über die Misere. Die Fans sind aufgebracht. Labbadia hofft.

Von Tobias Hlusiak und Mathias Frohnapfel

München - Kommt ein neuer Trainer, greift nach branchenüblicher Handhabe ein kurioser Effekt: Die Mannschaft spielt plötzlich wie befreit und punktet ? zumindest kurzfristig.

Beim VfB Stuttgart ist nach dem Liga-Debüt von Bruno Labbadia das Gegenteil der Fall. Die 3:5-Abreibung vor heimischer Kulisse beschloss eine Hinrunde von desaströsem Ausmaß.

"Das ist natürlich eine absolute Scheißsituation", nimmt der zweifache Torschütze Martin Harnik kein Blatt vor den Mund. "Für uns, für die Fans und den ganzen Verein."

"Es war brutal"

Der defensive Offenbarungseid gegen kaltschnäuzige Münchner war ein Spiegelbild der ersten Saisonhälfte.

"Es war brutal, wie unsere Fehler bestraft wurden und welche Fehler wir gemacht haben", klagte Harnik gegenüber SPORT1. "Da ist es schwer, Worte zu finden."

Dass das arg gescholtene Team nach 0:3-Pausenrückstand nicht vollends auseinanderbrach und die zweite Hälfte gar mit 3:2 für sich entschied, wertete Labbadia als positives Signal.

Fan-Aufstand gegen den Vorstand

"Wir haben gezeigt, dass wir Innen noch nicht kaputt sind", sagte der Trainer.

Für die aufgebrachten Anhänger allerdings ein schwacher Trost. Schon zur Halbzeit schallten Schmähgesänge durch die Mercedes-Benz-Arena. Nach der Partie forderten gut 300 Fans vor dem Business Center lautstark die Demission des Vorstandes.

"Die Fans waren die gesamte Spielzeit hinter uns. Natürlich treffen sie die Gegentore genauso wie uns", meinte Harnik.

"Sie haben uns aber super unterstützt und uns nie aufgegeben. Wir haben auch nicht aufgegeben. Dass sie nach der Niederlage gefrustet sind, ist völlig normal."

Parallelen zur "Causa Babbel"

Die Situation rund um den VfB hat den Status "gefrustet" allerdings längst überschritten.

Angst und Verunsicherung prägen das Verhalten von Spielern und Verantwortlichen.

Cacau und Co. schlug nach Spielende aus der Untertürkheimer-Kurve teilweise blanker Hass entgegen.

Man fühlt sich um ein Jahr zurückversetzt. Damals fand eine Hetzjagd gegen Teamchef Markus Babbel ihren Höhepunkt in Morddrohungen gegen den heutigen Berliner Coach und zog schließlich dessen Entlassung nach sich.

Nächste Chance gegen Bayern

Bruno Labbadia braucht dringend Siege, um etwas Druck aus dem Kessel zu nehmen. Am besten schon am kommenden Mittwoch, wenn es zur Revanche gegen den FC Bayern kommt.

Ein Erfolg im Achtelfinale des DFB-Pokals würde kurz vor Weihnachten für vorübergehende Ruhe sorgen."Wir müssen jetzt einfach versuchen, das Jahr gut abzuschließen mit dem Einzug in die nächste Runde", fordert Harnik.

"Wir werden es schaffen"

"Wir können die Fans nur mit Leistung auf unsere Seite bekommen", weiß auch Christian Gentner, der herausstellt, dass man "schließlich keine Amateurmannschaft" sei und durchaus Chancen besitze.

Bei einer Niederlage droht den Schwaben, die ohnehin auf dem vorletzten Platz überwintern, der totale Absturz.

"Ich weiß um die Schwere der Aufgabe", versichert der Trainer."Allerdings bin ich bereit, bis zum letzten Tag um den Klassenerhalt zu kämpfen. Ich glaube fest daran, dass wir es schaffen."

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