vergrößernverkleinern
Volker Finke war von 1991 bis 2007 ununterbrochen Trainer des SC Freiburg © getty

Für Volker Finke hat der Klassenerhalt mit dem FC zunächst Priorität. Langfristig will er das Potenzial des FC besser ausschöpfen.

Köln - Das Szenario war etwas ungewöhnlich, passte aber zur derzeitigen Lebenssituation von Volker Finke.

Mittels einer Telefonschalte sprach der Fußball-Visionär und -Konzeptionist aus dem über 9000 Kilometer entfernten Tokio mit einer Reihe Journalisten über seinen zukünftigen Job als Sportdirektor beim 1. FC Köln. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Guten Abend", sagte er zu den Medienvertretern, die sich am Geißbockheim zusammengefunden haben. Schließlich war es in Tokio ja schon 20 Uhr.

Beim 1. FC Köln war viel passiert an diesem Dienstag. Mit dem derzeit vereinslosen früheren Bayern-Profi Michael Rensing hat der FC einen neuen Torwart unter Vertrag genommen .

Inwiefern Finke bereits an dieser Personal-Entscheidung beteiligt war, wurde nicht bekannt.

Trainer Frank Schaefer äußerte jedoch gegenüber SPORT1, dass man schon "mehrere Telefonate" geführt habe.

Gut denkbar also, dass Finke an dem Transfer 316092 (DIASHOW: Bundesliga-Wechselbörse) bereits mitwirkte.

Freiburger Modell in Köln undenkbar

In seiner zum Teil äußerst erfolgreichen Tätigkeit beim SC Freiburg, den er zwischen 1991 und 2007 zweimal in den UEFA-Cup geführt hatte, kalkulierte der Fußball-Lehrer immer wieder einen Abstieg ein, schließlich seien die erfolgreichen Spieler wie Jens Todt, Jörg Heinrich oder Rodolfo Cardoso weitergezogen, um großes Geld zu verdienen.

Finke weiß, dass dieses Denkmodell in Köln nach zwölf harten Jahren mit vier Abstiegen undenkbar ist.

"Daran gibt es keinen Zweifel: Der Erhalt der Erstliga-Zugehörigkeit hat absolute Priorität", sagte der 62-Jährige. Finke ist derzeit noch beim japanischen Großklub Urawa Red Diamonds tätig und wird seinen Posten am 1. Februar 2011 antreten.

Kölns Trainer Frank Schaefer und bescheinigte Finke eine gute Arbeit, über weitere Verstärkungen wurde bereits gesprochen.

Japaner im Anmarsch?

"Ich spreche mit Schaefer darüber, welche zwei oder drei Spieler man im Januar holen kann und wer eine echte Hilfe sein könnte", sagte Finke.

Ein Spieler aus Japan "wäre keine Überraschung", auch ausgeliehene Spieler wären eine Option. So zum Beispiel Wilfried Sanou, der von Schaefer vielleicht eine zweite Chance erhalten solle.

Bis zu seinem Dienstantritt wolle Finke aber noch sein Netzwerk erweitern und den Asien-Cup im Januar noch vor Ort beobachten. Im Februar werde er dann seinen Umzug von Freiburg nach Köln vorantreiben.

"Ab dem 1. März will ich dann jeden Morgen in Köln aufwachen."

Vorfreude auf die "Fußballstadt"

Und dann kann er einer reizvollen Aufgabe nachgehen. Vor dreieinhalb Wochen wurde Finke von den Kölner Verantwortlichen, "überraschend" wie er fand, kontaktiert und daran erinnert, dass dieser Kontakt ja schon vor zwei Jahren schon einmal bestanden habe.

Die Entscheidung zugunsten von Köln fiel aus zweierlei Gründen: Köln sei eine "Fußballstadt" und die Aufgabe "konzeptionell" eine Herausforderung.

"Ich habe im kleinen Kreis in Freiburg schon immer gesagt, dass man mit unserer Mannschaft in Köln spielen müsste. Ich habe das Gefühl, dass man in den vergangenen 20 Jahren das Potenzial nicht voll ausgeschöpft hat", sagte er.

"Habe Spaß am Konzeptionellen"

Und Finke will "Leitplanken" setzen, nach den ersten "100 Tagen im Amt" sei dies möglich.

"Ich habe Spaß am Konzeptionellen. Darin habe ich auch Stärken. Die Gespräche haben mir gezeigt, dass der Klub nach Orientierung sucht, und zwar nicht nur von Ergebnis zu Ergebnis, sondern über die laufende Saison hinaus", sagte Finke, den dieser Willen der Kölner zu der Überzeugung gebracht hat, einen Zweieinhalbjahresvertrag zu unterschreiben.

"Ich will die Dinge so gestalten, dass sie nicht wie ein Sternschnuppe auftauchen und dann wieder verschwinden", so Finke.

Offene Kommunikation hinter "verschlossenen Türen"

Finke fordert vor allem eine offene Kommunikation - "hinter verschlossenen Türen" mit den Verantwortlichen wie Präsident Wolfgang Overath.

"In der Summe ist eine Kommunikations- und Streitkultur wichtig, um Ideen voranzutreiben. Es muss zur Normalität gehören, wenn man unterschiedlicher Auffassung ist", sagte Finke.

Alleine das ist in Köln eine Herausforderung.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel