vergrößernverkleinern
Michael Rensing wurde mit Bayern München vier Mal Deutscher Meister - zuletzt 2010 © getty

Seit Juli war Michael Rensing auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber. Jetzt spielt der Keeper in Köln - aber nur auf Probe.

Köln - Aus der Arbeitslosigkeit direkt in den Abstiegskampf: Doch für Michael Rensing birgt die Unterschrift unter den Vertrag beim 1. FC Köln die große Chance auf das Comeback im Rampenlicht der Bundesliga.

Der 26-Jährige spielte einst beim FC Bayern München und wurde als größtes deutsches Talent zwischen den Pfosten gehandelt.

Zuletzt drohte er in der Versenkung zu verschwinden. Doch jetzt scheint für Rensing die Zeit der Ungewissheit und Selbstzweifel vorbei zu sein.

"Ich bin überzeugt, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Es ist für mich eine riesige Herausforderung", sagte Rensing, nachdem er einen Halbjahres-Vertrag bis zum 30. Juni 2011 unterzeichnet hatte.

Trainer stellt Kontakt zum FC her

Der Kontakt zu den "Geißböcken" kam laut Rensing über seinen Trainer Daniel Weber zustande, der sich gut mit Kölns Trainer Frank Schaefer versteht.

Vereinzelt war auch spekuliert worden, dass der neue Sportdirektor Volker Finke den Deal eingefädelt hätte.

Rensing spielt auf Probe

Weil die sportliche Zukunft des aktuellen Tabellensechzehnten noch ungeklärt ist, wollen die Verantwortlichen Verstärkungen in der Winterpause grundsätzlich nur bis zum Saisonende binden (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Rensing spielt quasi auf Probe. Das ist eine große Chance für ihn selbst, sollte er eine starke Rückrunde spielen, aber auch ein Risiko für die Kölner, sollten finanziell potentere Klubs auf den einstigen U-21-Nationalspieler aufmerksam werden.

Der 1,90 m lange Keeper stand auf der Wunschliste für die Nachfolge von Faryd Mondragon, der in die amerikanische Major League Soccer wechselt, ganz oben.

Angesichts der zahlreichen Eskapaden, die den Aufenthalt des Kolumbianers in Köln begleiteten, dürfte ihm dort kaum jemand eine Träne nachweinen.

Das Aus unter Klinsmann

Rensing ist aus anderem Holz geschnitzt: diszipliniert, talentiert und ehrgeizig. Dennoch liest sich seine Vita nicht rund, seit er im Februar 2004 bei den Münchner Profis debütierte.

Nach sechs Jahren weist seine Statistik 53 Einsätze in der Bundesliga, aber auch neun in der Champions League für die Bayern auf.

Als er unter Jürgen Klinsmann aus dem Schatten von Oliver Kahn nach dessen Karriereende trat und zur unumstrittenen Nummer eins ausgerufen wurde, endete seine Zeit bereits nach der 1:5-Niederlage am 4. April 2009 (26. Spieltag) beim späteren Meister VfL Wolfsburg.

Im anschließenden Gastspiel in der Königsklasse beim FC Barcelona (0:4) stand Jörg Butt im Bayern-Tor. Auch Trainer Louis van Gaal gab Rensing nach seinem Dienstantritt eine Chance - jedoch nur bis zum 4. Spieltag.

"Meine Leistung war okay"

Nach einigen Unsicherheiten fand sich Rensing erneut auf der Bank wieder. Der Niederländer setzte - und setzt bis heute - ebenfalls auf Butt.

Noch immer sind viele Experten von Rensings Qualitäten überzeugt. "Jede Kleinigkeit wurde so bewertet, wie es wahrscheinlich noch nie bei einem Spieler auf diesem Planeten der Fall gewesen ist", sagte Rensing.

Und weiter: "Ich glaube, dass meine Leistung in der Bundesliga okay war. Ich kann mich an keinen großen Fehler außer zwei Bällen zu Beginn der letzten Saison, vielleicht an einige kleine Unsicherheiten erinnern."

Sein Wunsch nach einem Engagement im Ausland erfüllte sich nicht. Es gab viele Anfragen, aber nichts Konkretes.

Entscheidung gegen England

Ernsthaftes Interesse zeigte vor Wochen Leicester City aus der englischen Premier League, doch Rensing sagte ab.

"Ich brenne drauf, wieder zu spielen und wollte unbedingt wieder zurück ins Geschäft. Die Voraussetzungen dafür hier in Köln sind optimal", verriet Rensing auf der Homepage der "Geißböcke".

"Die tollen Fans, die schöne Stadt und die Tradition des Vereins. Das alles hat den Ausschlag für den FC gegeben", untermauerte der 26-Jährige seine Aussage.

Nun will er den Kampf um den Klassenerhalt nutzten, um auch die letzten Zweifler zu überzeugen.

Vom VfR Garching ins Kölner Tor

Fit gehalten hat er sich bislang beim sechstklassigen VfR Garching. "Außerdem habe ich Leichtathletikübungen mit Stabhochspringer Tim Lobinger gemacht. Ich bin topfit!", verriet der im Emsland geborene Torhüter.

Nun freut sich Rensing auf seinen ersten Arbeitstag am 2. Januar in Köln. Dafür wird er sich in Belek an der türkischen Riviera auf den Abstiegskampf vorbereiten.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel