Große Namen garantieren keine Spitzenleistungen - wie derzeit beim HSV. Vor 50 Jahren sah das in Hamburg noch ganz anders aus.

Internationale Topspieler Ze Roberto, Mladen Petric, Ruud van Nistelrooy, Paolo Guerrero, Collin Benjamin usw., usw.! Der Hamburger SV müsste eigentlich die Tabellenspitze der Bundesliga stürmen, doch an der Waterkant herrscht derzeit nur ein laues Lüftchen.

Der HSV heißt auch Hamburger Streit-Verein und Trainer Armin Veh steht nach den dürftigen Leistungen seiner hochdotierten Spieler zur Disposition.

Internationale Klasse und hohes Gehalt bedeuten nicht unbedingt Spitzenklasse. Die verkörperte der HSV vor 50 Jahren mit einer Amateur-Mannschaft. Unter dem Hamburger Trainer Günther Mahlmann kamen zu Freundschaftsspielen gegen den FC Santos mit Legende Pele an einem Mittwochnachmittag 75.000 begeisterte Menschen ins Volkspark-Stadion.

[image id="f382157a-6489-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Die Spieler waren noch ein Begriff, als Zehnjähriger ließ ich mir Autogramme von den Stars wie Uwe Seeler, Jürgen Werner, Linksfuß und Sänger Charly Dörfel, Dieter Seeler, Horst Schnoor, Gerd Krug, Jürgen Kurbjuhn, Bernd Dörfel, "Hammer" Peter Wulf und Klaus Stürmer zusenden.

Welch erstklassige Europacup-Spiele bot der HSV als Landesmeister 1960 bis 1961 gegen die Young Boys Bern, den FC Burnley, als Charly Dörfel ein sensationelles Tor mit dem Außenrist gelang, und vor allem gegen die hoch bezahlten spanischen Vollprofis des FC Barcelona.

Das Hinspiel ging nach Klasseleistungen von Horst Schnoor im Tor mit 0:1 verloren. Im Rückspiel führte der HSV bis zur 90. Minute mit 2:0 durch Tore von Peter Wulf und Uwe Seeler.

Doch dann geschah für die vielen HSV-Fans das Unfassbare: Die HSV-Abwehr mit den Intellektuellen Gerd Krug und Jürgen Werner spielte in der eigenen Hälfte auf Zeit, vertändelte den Ball an die Spanier und Sandor Kocsis köpfte neun Sekunden vor Schluss per Kopf zum 2:1 ein. Uwe Seeler wutentbrannt zu seiner Abwehr: "Das habt ihr nun von eurem scheiß Intelligenzfußball!"

Der HSV verlor das Entscheidungsspiel gegen Barca mit 0:1 und verpasste dadurch das Finale. Später sah "Uns Uwe" das nicht mehr ganz so eng und war stolz auf das Erreichte.

Schließlich waren es damals nur Hamburger Jungs, die unter ihrem Coach Mahlmann für den grandiosen Erfolg sorgte. Und wenn er heute an die vielen Legionäre im Team denkt, sagt Seeler: "Wir hatten damals nur einen Ausländer im Team. Das war Jürgen Kurbjuhn - und der kam aus Buxtehude."

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel