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Martin Demichelis wechselte 2003 von River Plate Buenos Aires zum FC Bayern © imago

Martin Demichelis verlässt die Bayern. In Malaga sucht er das Vertrauen eines Ex-Coachs. Anfragen aus der Bundesliga lehnte er ab.

Von Martin Hoffmann

München - Die Namen Giovane Elber, Mehmet Scholl, Thorsten Fink, Alexander Zickler standen noch auf der Kaderliste des FC Bayern, als Martin Demichelis dorthin kam.

Ein Teenie-Talent namens Bastian Schweinsteiger war gerade dabei, sich in der Mannschaft zu etablieren.

Andere Zukunftshoffnungen wie Christian Lell und Michael Rensing wurden mit ersten Einsätzen vorsichtig an das Team herangeführt.

Demichelis hat seit seinem Debütjahr 2003 zahllose Bayern-Karrieren durchstarten und enden sehen. Nun endet seine eigene.

Leverkusen und Hamburg interessiert

Der Argentinier wechselt nach sieben für ihn "unvergesslichen" Jahren zum spanischen Abstiegskandidaten FC Malaga. "Ich hätte schon vor einem halben Jahr gehen sollen", erklärte Demichelis seinen Wechsel in der "Bild". (301503Diashow: Bayerns Planspiele)

Aus der Bundesliga seien Bayer Leverkusen und der Hamburger SV an ihm interessiert gewesen verriet er weiter, machte aber klar:

"Ich hätte nie in der Bundesliga wechseln können, weil ich Fan der Bayern bin und bleibe."

Viele Titel, viele Irritationen

Vier Meisterschaften, vier Pokalsiege, ein Champions-League-Finale und fünf verschiedenen Trainern hat er in München erlebt. Zu seinen besten Zeiten war der Argentinier noch vor Lucio der beste Abwehrmann des Teams.

Ein robuster, kopfballstarker Pfeiler, mit Übersicht und sicherem Stellungsspiel.

Vor und nach diesen Zeiten aber war der seit kurzem 30 Jahre alte Demichelis aber auch eine ständige Zielscheibe der Kritik. Und ein Quell der Irritation, auf dem Platz wie außerhalb.

[kaltura id="0_d168qw7z" class="full_size" title="Van Gaal l sst Bayern zappeln"]

Seelen-Schläge und Nahtoderfahrungen

Und immer, wenn Demichelis abseits des Rasens für Aufregung sorgte, ging es um verletzten Stolz ? und seine berühmt-berüchtigt große Sensibilität. Für seine Probleme fand er immer nur die ganz großen Worte.

"Bei einem Fehlpass bricht die Welt für mich zusammen", sagte er einmal. Eine verweigerte Freigabe für das Olympia-Turnier 2008 war "ein gewaltiger Schlag für meine Seele".

Als er 2006 nicht im WM-Aufgebot seines Heimatlands stand, fühlte er sich gar "fast tot".

Ein schwieriges Leben

Demichelis' Hang zur melodramatischen Überhöhung fußballerischer Rückschläge mutet für die meisten Außenstehenden seltsam an.

Aber er erklärt sich womöglich durch sein Bewusstsein, wie viel Segen ihm sein Dasein als Profikicker in einem ansonsten schwierigen Leben gebracht hat.

Demichelis' Mutter starb an Krebs, ehe er erwachsen wurde. Sein Vater verlor seine berufliche Existenz in den Wirren der lang anhaltenden argentinischen Wirtschaftsturbulenzen.

Selbstbehauptung als Antrieb

Das Aufwachsen in dem krisengeplagten Land prägte Demichelis.

"Unser Spiel ist ein Spiegelbild unseres Lebens dort", sagte er einmal der "Süddeutschen Zeitung": "In Deutschland habe ich noch nie Leute gesehen, die sich auf der Straße schlagen - in Argentinien passiert das täglich."

So versteht Demichelis das Fußballerdasein auch als Weg der Selbstbehauptung und - auch das ist üblich in seiner Heimat - als emotionalen Halt.

"Ich fühle mich als Sohn des Vereins", hielt er einmal fest.

Liebesentzug für "Pannen-Micho"

Entsprechend hart traf ihn, dass ihm die Selbstbehauptung zuletzt nicht mehr gelang ? und der als Vater empfundene Verein ihm die Liebe entzog.

Nach abnehmenden Leistungen und zunehmenden Leichtsinnsfehlern verlor er zu Beginn der Saison seinen Stammplatz.

Seine Reaktion: Er weigerte sich, sich beim Auftaktspiel gegen Wolfsburg auf die Bank zu setzen - und verspielte so endgültig seinen Kredit bei Coach Louis van Gaal.

Vertrauen vom Ex-Trainer

Sein Aus bei Bayern hatte er da praktisch schon besiegelt.

"Ich bin sensibel und mich hat die Situation auf der Bank mitgenommen, enttäuscht", berichtete er in der "Bild". Zum Abschied gab er Trainer van Gaal die Hand, große Worte fielen ausnahmsweise nicht

In Spanien soll das Micho-Melodram nun ein Ende haben. "In Malaga ist Manuel Pellegrini Trainer. Ich wurde 2002 mit ihm bei River Plate Meister. Es herrscht viel Vertrauen zwischen uns."

Das Vertrauen, das in München zum Schluss gefehlt hat.

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