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Armin Kraaz ist seit Januar 2010 Leiter des Leistungszentrums von Eintracht Frankfurt © imago

Frankfurt setzt im Jugendbereich auf ein neues Leistungszentrum. Leiter Armin Kraaz hofft bereits auf einen Nationalspieler.

Von Christian Stüwe

München/Frankfurt - Im letzten Hinrunden-Spiel gegen Borussia Dortmund verbuchte Eintracht Frankfurt einen ganz wichtigen Sieg.

Kurz vor Schluss erzielte Theofanis Gekas den Siegtreffer gegen den Tabellenführer.

Die Flanke, die Martin Fenin weiterleitete, hatte Sebastian Jung geschlagen.

Es war nicht das erste Mal in dieser Saison, dass Jung auf sich aufmerksam machte.

Auf den 20-Jährigen sind die Frankfurter besonders stolz. Er stammt aus der Rhein-Main-Region und ist in der eigenen Jugend ausgebildet worden.

Genau wie Patrick Ochs, Marco Russ und Oka Nikolov, die ebenfalls am Riederwald das Fußballspielen lernten und zu den Leistungsträgern in Michael Skibbes Elf gehören.

Vor wenigen Wochen wurde an der altehrwürdigen Sportstätte ein neues Leistungszentrum eröffnet, um die Jugend künftig noch besser fördern zu können.

Erfolge trotz schwieriger Bedingungen

Zuvor waren die Zustände nicht sonderlich gut, wie Armin Kraaz, der das neue Leistungszentrum leitet, im Gespräch mit SPORT1 berichtet.

"Wir haben unter wirklich furchtbaren Bedingungen arbeiten müssen", erzählt er: "Die Tribüne war uralt, es waren nicht genügend Kabinen da, die Hygiene war nicht der Rede wert und wir hatten keine Sporthalle."

Angesichts dieser Schilderungen ist es fast schon verwunderlich, dass die U 17 im Sommer Deutscher Meister wurde und die C-Jugend im vergangenen Jahr den Süddeutschen Titel holte.

Doch nun erstrahlt der Riederwald, die Heimat der Eintracht, in neuem Glanz.

Leistungszentrum als "Quantensprung"

"Ausreichend Kabinen, Kraftraum, Sauna, physiotherapeutische Abteilung, ein Arztzimmer; eine große Dreifelderhalle, ein neuer Kunstrasen", zählt Kraaz die Errungenschaften des neuen Leistungszentrums auf.

"Es ist alles neu und für einen Erstligisten adäquat", sagt 45-Jährige, der bei der Eintracht vom Spieler bis zum Cheftrainer fast alle Posten schon mal inne hatte.

"Für uns intern ist das ein Quantensprung, der uns aber letztlich nur an die Konkurrenz heran führt", berichtet Kraaz.

Konkurrenz aus Hoffenheim

Auch um Jugendspieler wird längst mit harten Bandagen gekämpft, dass neue Leistungszentrum soll helfen, Talente zur Eintracht zu locken und sie dort längerfristig zu binden.

Im Umkreis der Bankenmetropole gibt es einige Erst- und Zweitligisten, die die Augen nach hoffnungsvollen Nachwuchskickern offen halten.

"Hoffenheim ist 120 Kilometer weg, die greifen auch in den südhessischen Bereich rein", berichtet Kraaz: "Aber mit Hoffenheim brauchen wir uns nicht zu messen, das sind ganz andere Etatzahlen, die dort zu Verfügung stehen."

Auch der VfB Stuttgart, Bayer Leverkusen oder Bayern München, die Kraaz als erfolgreichste Klubs im Jugendbereich einschätzt, würden den "dreifachen Etat" wie die Eintracht bewegen.

"Unsere Hausnummer, bei einer Etatgröße von rund zwei Millionen Euro, sind Vereine wie Mainz 05, der SC Freiburg, der 1. FC Nürnberg, Greuther Fürth oder 1860 München, die sich hauptsächlich in ihrer jeweiligen Region umschauen", erklärt der Jugendcoach.

Kein zweiter "Fall Marin" erwünscht

Das Jugendzentrum, das als eines von nur acht in Deutschland durch DFB und DFL mit drei Sternen zertifiziert wurde, gibt den Verantwortlichen nun neue Argumente an die Hand, um junge Kicker an den Main zu locken oder zum Bleiben zu bewegen.

In Zukunft soll es sich nicht wiederholen, dass die Eintracht einen ambitionierten Spieler wir Marko Marin ziehen lassen muss.

2005 wechselte der heute 21-Jährige nach Gladbach, was Kraaz immer noch ärgert.

"Es wird immer wieder mal kolportiert, dass wir ihn falsch eingeschätzt haben. Das ist falsch. Marko war in der C-Jugend schon Nationalspieler", erinnert sich Kraaz: "Wir wussten sehr wohl, dass er ein guter Spieler war. Die Eintracht war damals knapp dem Lizenzentzug entgangen und hatte kein Geld."

Man habe ihm den üblichen Fördervertrag angeboten, doch die Borussia bot wesentlich mehr Geld und vermittelte Marins Vater einen Job und "dann war er halt weg".

Kein Nationalspieler im neuen Jahrtausend

Wäre Marin geblieben, hätte die Eintracht vermutlich zwischenzeitlich mal wieder einen Nationalspieler abgestellt.

Doch so warten die Frankfurter seit 1999 darauf, einen Spieler zum DFB zu entsenden. Damals streifte sich Horst Heldt das andere Trikot mit dem Adler auf der Brust über.

Doch Hoffnung gibt es. Kürzlich bemerkte Joachim Löw, dass U-21-Nationalspieler Sebastian Jung "bei uns im Notizbuch steht".

Jung "stärker" als Schmelzer

Auch Kraaz traut Jung den Sprung zu. "Ich glaube, wenn er in der Hinrunde vielleicht in Mainz gespielt hätte und dort den gleichen Job gemacht hätte, wäre er mit Schürrle und Holtby nominiert worden. Oder mit den Dortmunder Kollegen", sagt Kraaz.

"Wenn man das letzte Heimspiel der Eintracht gegen Dortmund sieht, da war Jung auf der einen Seite und Schmelzer auf der anderen", führt Kraaz weiter aus: "Da war kein Unterschied, Jung war sogar stärker."

Und zumindest aus einem Grund sollte ganz Fußball-Deutschland die Daumen drücken, dass es wieder ein Frankfurter in die DFB-Elf schafft.

Frankfurter als gutes Omen

Denn bisher konnte Deutschland nur Weltmeister werden, wenn mindestens ein Eintracht-Spieler im Kader war.

Armin Kraaz sieht diesen Umstand aber nicht als Verpflichtung für sich und seine Mitarbeiter am neuen Frankfurter Jugendzentrum an.

"Das kann man auch andersrum sehen", sagt er augenzwinkernd: "Das ist auch eine Verpflichtung für den DFB, Frankfurter zu nominieren, um endlich mal wieder einen Titel zu holen."

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