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Leighton Baines kam 2007 von Wigan Athletic zum FC Everton © imago

Wunschkandidat Leighton Baines zieht es nicht weg von Everton und Mutters Tee - womit sich der FCB offenbar abgefunden hat.

Von Martin Hoffmann

München - Beim FC Bayern hat man wohl gedacht, bei Leighton Baines laufe die Sache wie üblich:

Schritt eins: Die Bayern sagen, dass sie ihn haben wollen. Schritt zwei: Klub und Spieler zieren sich.

Schritt drei: Die Bayern gehen an ihr Festgeldkonto. Schritt vier: Der Spieler kommt.

Doch immer deutlicher zeichnet sich ab: Der Rekordmeister ist beim Linksverteidiger des FC Everton an den Falschen geraten - und muss sich anderweitig umsehen.

Intern auf Abstand

Eben noch hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge scheinbar unbeirrt weiter mit Baines geflirtet - obwohl Baines wie Everton erklärt hatten, nicht an einem Transfer interessiert zu sein.

"Er ist ein guter Spieler, der in seiner Art und seinem Auftreten ein bisschen an Bixente Lizarazu erinnert. Er ist klein, drahtig, schnell, aggressiv, hat technische Fähigkeiten nach vorne", hielt Rummenige im "kicker" fest: "Alle bei uns sind von ihm überzeugt.?

Doch laut "Bild" haben die Bayern intern Abstand von dem 26-Jährigen genommen.

Sie hätten nach Gesprächen festgestellt, dass ihm "der Mut fehle, sich der Herausforderung im Ausland zu stellen".

Nicht genug Mumm?

Nicht genug Mumm für Bayern? Eine Frage der Perspektive.

Fest steht allerdings: Der Rekordmeister, der laut "Süddeutscher Zeitung" schon "fast fix" mit Baines gerechnet hatte, hat bei der Rechnung wohl einen entscheidenden Punkt nicht bedacht:

Dass Leighton Baines ein etwas anderer Fußballprofi ist.

[kaltura id="0_d168qw7z" class="full_size" title="Van Gaal l sst Bayern zappeln"]

Ein Merseyside-Milieuspieler

Ein Milieuspieler, der nicht von den üblichen Karriere-Erwägungen getrieben ist und bei Englands Tabellen-Elftem glücklich ist.

Baines ist ein Arbeiter-Sohn aus dem 40.000-Seelen-Städtchen Kirkby in der Merseyside-Region, Everton der Klub seiner Kindheit.

Er ist verwurzelt in der Region, hat dort Familie, Ehefrau und zwei Kinder. Seine Verbundenheit betont er immer wieder - ohne Scheu vor für anderen peinlichen Bekenntnissen.

"Ein bisschen ein Muttersöhnchen"

"Ich bin ein bisschen ein Muttersöhnchen", bekannte er einmal freimütig: "Ich verbringe viel Zeit dort. Ich werde wirklich umsorgt, bekomme meinen Tee gekocht und alles."

Und auch zu einer gewissen Furcht vor Veränderungen bekennt sich Baines. Als Zehnjähriger brauchte er Monate, um sich zu seinem ersten Vereinsspiel durchzuringen: Er hatte Angst vor den fremden Mitspielern und Zuschauern.

Es hieß im Sommer gar, dass er aus Angst vor Heimweh nicht an der WM in Südafrika teilgenommen hätte - was laut Baines aber eine Medien-Ente war.

Wie Seeler und Dietz

Klar ist dagegen seine Ansage zum Thema Vereinswechsel: "Ich habe mich im Sommer an den Verein gebunden und habe nicht die Absicht ihn zu verlassen. Ich befasse mich erst gar nicht mit anderen Dingen."

Bis 2015 hat er sich an den Klub gebunden - obwohl Everton ein klammer Mittelklasseklub ohne sichtbare Perspektive nach oben ist.

Aber es ist Baines' Wohlfühlklub, bei dem er sich häuslich eingerichtet hat.

Wie es Lukas Podolski in Köln getan hat, Uwe Seeler einst in Hamburg, Bernhard Dietz in Duisburg - und wie es sich die Schalker von Manuel Neuer wünschen.

Folgen für Fall Gustavo

Dass die Bayern bei Baines auf Granit beißen, dürfte auch Folgen für das Thema Luiz Gustavo haben.

Der kann nämlich nicht nur Mark van Bommels Nachfolge im defensiven Mittelfeld übernehmen, sondern auch als Linksverteidiger aushelfen.

Nach Baines' Absage dürften sich die Bayern nun umso intensiver um den Hoffenheimer bemühen.

Und Ralf Rangnick wird vielleicht überlegen, sich bei Baines' Mutter nach guten Tee-Rezepten zu erkundigen.

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