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Dortmund hat in der aktuellen Bundesligasaison nur zwei Spiele verloren © getty

Die Saison-Hinrunde lief für das Team von Jürgen Klopp nahezu ideal. Doch die zweite Halbserie birgt diverse Gefahren.

Von Olaf Mehlhose und Barnabas Szöcs

München - Der Vorsprung Dortmunds auf den Rest der Liga hat fast etwas Beängstigendes.

Zehn Punkte trennen das Team von Jürgen Klopp von den direkten Verfolgern aus Mainz und Leverkusen, der Meister aus München muss sogar 14 Zähler auf die Borussia aufholen (DATENCENTER: Bundesliga).

Sollte der Herbstmeister in der Rückrunde nahtlos an die bravourösen Leistungen aus der Hinserie anknüpfen, wird ihm die siebte Meisterschaft der Vereinsgeschichte kaum zu nehmen sein.

Doch die atemberaubende "Bergtour" der Hinrunde könnte 2011 zur steinigen Angelegenheit werden.

Der frühere BVB-Spieler Harry Decheiver orakelt im "Algemeen Dagblad": "Es wird noch spannend werden."

Und er erklärt seine Einschätzung: "Ich sage nicht, dass die Dortmunder völlig einbrechen, aber sie werden einige Punkte verspielen."

SPORT1 nennt fünf Punkte, die Borussias Meisterträume noch entscheidend stoppen könnten.

Überheblichkeit

Dass die Dortmunder Spieler abheben, ist nicht zu erwarten. Während der gesamten Vorrunde betete die Mannschaft den von der Führung vorgegebenen Tenor herunter, dass es noch zu früh sei, um von der Meisterschaft zu sprechen.

"Wenn wir vier Spieltage vor Schluss sieben Punkte Vorsprung hätten, könnten wir intern gerne darüber reden, ob wir unsere Diktion ändern. Aber das wäre nur ein Medienspiel. Seitdem wir keine konkreten Ziele mehr formulieren, haben wir Erfolg", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke den "Ruhr Nachrichten".

Einzig der derzeit verletzte Kapitän Sebastian Kehl wagte sich etwas aus der Deckung.

"Trotz der gebotenen Vorsicht würde es schon komisch wirken, wenn ich in Anbetracht der aktuellen Tabellensituation behaupten würde, dass wir kein Titelaspirant sind", sagte Kehl der "Welt am Sonntag".

Doch die Spieler bleiben am Boden, es scheint als hätte "Psychologe" Klopp seine Hausaufgaben gemacht. "Für uns beginnt die Saison wieder am Punkt null", sagte Mohamed Zidan.

Müdigkeit und Hammer-Auftaktprogramm

In den ersten vier Spielen entscheidet sich, wohin der Weg der Schwarz-Gelben führt:

Dem Auftakt gegen die drittplatzierten Leverkusener folgen Spiele gegen den VfB Stuttgart und VfL Wolfsburg - Mannschaften, für die in den ersten Rückrunden-Spielen bereits einiges auf dem Spiel steht. Auch Erzrivale Schalke 04 hat in Dortmund sicher nichts zu verschenken.

Spannend wird auch zu sehen sein, wie sich das extrem laufintensive Spiel auf die Physis der BVB-Spieler auswirken wird.

Sahin hegt in dieser Beziehung keine Sorgen, will keine "Anzeichen für einen Einbruch" erkennen. Selbst bei der jüngsten Niederlage in Frankfurt sei das Team nicht "körperlich platt" gewesen.

Der frühere BVB-Spieler Decheiver sieht das anders. "Dortmund spielt über seine Verhältnisse", stellt er fest und fügt an: "Ich habe den Eindruck, sie sind nicht so gut, wie es aussieht."

Störfeuer der Gegner

Bisher hielten sich fast alle Vereine mit Kampfansagen in Richtung Dortmund zurück. Lediglich Bayern-Kapitän Mark van Bommel wagte es, die BVB-Harmonie zu stören.

Der Niederländer hatte selbstbewusst verkündet, dass der Rückstand auf den BVB eigentlich nur noch elf Punkte betrage. Das Heimspiel des Meisters in der Rückrunde gegen Dortmund müsse man schließlich schon als Sieg für München verbuchen.

"Was diese verbalen Scharmützel angeht, tun wir gut daran, uns gar nicht darauf einzulassen. Sie sind arrogant und verdienen es nicht, beantwortet zu werden", konterte Watzke.

Dennoch: Im Saison-Endspurt wird es aber mit Sicherheit weitere Attacken der Konkurrenz geben.

Klopp will sich nicht beirren lassen: "Wir haben unseren eigenen Weg gefunden und werden unsere Rückrunde spielen - und keine Vorsprünge verteidigen. Uns interessiert kein Punktabstand."

Auch der frühere BVB-Trainer Thomas Doll ist zuversichtlich, dass das Team auf Kurs bleibt. "Jeder weiß, was er zu tun hat. Ich hoffe, dass sie in der Rückrunde cool bleiben", sagte er gegenüber SPORT1.

Verlockungen durch andere Vereine

Durch ihre Vorstellungen in der Bundesliga haben sich die Dortmunder in ganz Europa ins Gespräch gebracht. Und auch nach Erfolgstrainer und Motivator Jürgen Klopp lecken sich scheinbar einige Top-Klubs die Finger.

Es kursiert das Gerücht, dass Klopp den erfolglosen Kollegen Roy Hodgson beim FC Liverpool spätestens im Sommer ablösen soll.

Watzke wollte dem aber keine Bedeutung beimessen. "Da kann man nur drüber lachen. Jürgen ist mein Freund und hat einen Vertrag bis 2014. Den würde er nie brechen! Egal, was kommt", sagte der Geschäftsführer der "Bild".

Auch was die Spieler angeht, gibt sich Watzke kompromisslos.

"Wir werden im Winter keinen Spieler abgeben - Punkt. Es ist auch nicht angedacht, im Sommer jemanden zu verkaufen", sagte der Geschäftsführer.

Verletzungen und Asien-Cup

Verletzungen konnte der BVB in dieser Spielzeit bisher glänzend kompensieren. Die Dortmunder hoffen, dass dies auch künftig so bleibt.

Dagegen, dass die Dortmunder Entdeckung der Saison, Shinji Kagawa, dem BVB in den kommenden Wochen fehlen wird, ändert das nichts.

Der Japaner nimmt mit der Nationalmannschaft seines Landes am Asien-Cup teil und wird vermutlich erst zum Revierderby gegen Schalke 04 (4. Februar) wieder zur Verfügung stehen.

Bis dahin muss das Team das Fehlen seines wichtigen Kreativspielers und Torschützen (acht Liga-Treffer) bewältigen, ohne Punkte liegen zu lassen.

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