Mit seinem Rücktritt beweist der Coach Konsequenz. Aber Rangnick ist an der vorzeitigen Trennung auch nicht ganz unschuldig.

Natürlich kann man Ralf Rangnicks Abgang in Hoffenheim auch als konsequent und insofern als charakterlich prinzipientreu interpretieren.

Immer wieder schließlich war der 52-Jährige bei den Kraichgauern mit Dietmar Hopp aneinander geraten - und warf deshalb nicht ganz überraschend hin.

Und von dem Klub-Mäzen nun über die Verhandlungen zum Bayern-Transfer von Luiz Gustavo nicht mal informiert worden zu sein, musste Rangnick verständlicherweise als Affront seiner Person gegenüber verstehen.

Gleichwohl dürfte auch Rangnick seinen Teil zum großen Bruch beigetragen haben.

Zu sehr passt die Trennung ins Bild und ist typisch, wenn man sich Rangnicks vorherige Trainer-Stationen ansieht, bei denen letztlich doch immer wieder die Unverträglichkeit der eigenen Ansprüche und Erwartungen mit denen der Klub-Spitze zutage trat.

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Auf Schalke etwa wurde der Coach nie warm mit dem damaligen Manager Rudi Assauer:

Und Rangnick gab sich am Ende mehr oder weniger selbst den Laufpass, als er völlig überraschend ankündigte, seinen auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern, um sich dann in der Fan-Kurve bei einer "Ehrenrunde" demonstrativ feiern zu lassen und die Vereinsbosse damit brüskierte.

Auch zuvor in Hannover harmonierte Rangnick nie wirklich mit Klubchef und Unternehmer Martin Kind - und wurde bei 96 nicht allein wegen Abstiegssorgen entlassen, sondern auch wegen mancher Transfer-Zoffs.

In Hoffenheim nun wollte Rangnick genauso wenig akzeptieren, dass ihm die Wirtschaftlichkeit des Klubs in seinem sportlichen Handeln Grenzen setzt.

Für einen ehrgeizigen Fußball-Lehrer zwar eine nachvollziehbare Sichtweise. Die jedoch entlarvt einmal mehr, wie schwer Rangnick sich im Kern mit Autoritäten und Vorgesetzten tut.

Sein künftiger Arbeitgeber dürfte das bei einer Verpflichtung im Hinterkopf haben - und Rangnick in den kommenden Tagen vielleicht merken, dass er nun den Ruf des starrsinnigen Eigenbrötlers weg hat, der mit dem Kopf durch die Wand geht.

Dass er ein guter Trainer ist, hat er (bei 1899 und in Ulm) nicht zuletzt damit bewiesen, gleich zweimal mit einem Verein von der Dritten Liga bis in die Bundesliga durchmarschiert zu sein.

Rangnick muss sich aber hinterfragen, inwieweit er mit seinem Verhalten am Ende nicht bei jedem Bundesligisten auf Granit beißt.

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