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Mittelfeldmann Luiz Gustavo wechselt für 15 Millionen Euro zum FC Bayern München © getty

Er kam aus Brasiliens Zweiter Liga und galt als Rüpel. Doch Bayern hat gute Gründe, 15 Millionen Euro für Luiz Gustavo auszugeben.

Von Martin Hoffmann

München - Pindamonhangaba heißt der Ort, in dem Luiz Gustavo geboren wurde. Clube de Regatas Brasil der brasilianische Zweitliga-Klub, bei dem er früher spielte.

Kein Wunder, dass da kaum jemand Notiz nahm, als im Sommer 2007 sein Wechsel zu Zweitliga-Aufsteiger Hoffenheim vermeldet wurde.

Dreieinhalb Jahre später bringt er den FC Bayern dazu, 15 Millionen Euro für ihn auszugeben. Laut "kicker"-Informationen soll die Ablöse erfolgsabhänging von dieser Saison gar noch auf 20 Millionen Euro steigen können.

Und Trainer Ralf Rangnick verließ wegen der Personalie 1899 im Zorn.

Das alles für einen Jungprofi von 23 Jahren, der weder ein Länder- noch ein Europapokalspiel auf dem Konto hat. Und der dem breiten Publikum bisher vor allem dadurch auffiel, dass er in seinen ersten 34 Bundesliga-Spielen vier Mal vom Platz flog.

Einer der "Besten der Welt"

Doch die Münchner geben dieses Geld aus für einen Mann aus, der sich zu einem der Besten der Bundesliga auf seiner Position entwickelt hat.

Mehr noch, wenn man auf das Urteil der Ex-Teamkollegen Sejad Salihovic und Tobias Weis vertraut. Für sie gehört Gustavo schon jetzt "zu den besten defensiven Mittelfeldspielern der Welt".

Eine Entwicklung, die erstaunlich, aber eben auch nicht zufällig ist.

Eine ideale Mischung

Luiz Gustavo vereint den Instinkt des brasilianischen Straßenfußballers mit den Vorzügen der Ausbildung auf einem Fußball-Internat.

Mit elf Jahren wurde er von einem Talentscout für die Talentschmiede von Flamengo Rio de Janeiro entdeckt.

Später kam er zu Corinthians Alagoano, einem Klub, der in Brasilien einen guten Ruf als Veredler und Drehscheibe junger Talente zwischen 15 und 22 hat. Der Mittelfeld-Künstler Deco war dort einst ebenso aktiv wie Real Madrids Pepe.

Gut investierte Million

Eine Million Euro investierte Hoffenheim 2008 nach einjähriger Leihe in Gustavo.

Kleines Geld, das sich als besser angelegt erwies als die weit größeren Beträge, die 1899 in Fehlschläge wie Wellington und Franco Zuculini steckte.

Binnen weniger Wochen wurde Gustavo zum Stammspieler und zur tragenden Figur des Hoffenheimer Durchmarschs vom Unterhaus zur Herbstmeisterschaft 2008.

[kaltura id="0_iudury2c" class="full_size" title="Rangnick erkl rt seinen Abschied"]

Vielseitiger Eroberer

Gustavo trat dabei nicht so ins Rampenlicht wie Vedad Ibisevic, Demba Ba und Co. Aber sein Wirken war genauso wertvoll - und erwies sich auch letztlich als nachhaltiger.

Der Brasilianer füllte die Schlüsselfunktion im System Rangnick auf: Das Heranholen und Erobern der Bälle im Mittelfeld - und das schnelle Verteilen.

Dazu ist er defensiv überall einsetzbar - auch auf der Linksverteidiger-Position, auf der Bayern nun keinen Handlungsbedarf mehr sieht.

Ball- und Passsicherheit, Übersicht, Einsatzwille und Zweikampfhärte ergänzen seinen Qualitätenkatalog.

Gegen ihn spielen "tut weh"

"Luiz ist eine Maschine", meint Teamkollege Demba Ba über Gustavos Robustheit: Gegen ihn zu spielen, "das tut weh".

Viele Sperren und einen Ruf als Treter und Rüpel hat sich Gustavo in seiner Anfangszeit mit seiner Spielweise eingehandelt. Doch nach bald einem Jahr ohne Platzverweis ist dieser Makel getilgt.

"In dem Bereich habe ich dazugelernt, dass ich ruhiger in die Defensivaktionen gehen muss, ohne dabei weniger entschlossen zu sein", meint er rückblickend.

Rangnick sah seine Platzverweis-Serie aber auch als Folge von "Übereifer" beim Versuch, den Klub nach dem märchenhaften Herbst von 2008 wieder "auf den richtigen Weg zu bringen".

Sportwagen, aber keine Egotrips

Es war die Zeit, in der die Herbstmeister-Elf abstürzte und das funktionierende Kollektiv zu einem größeren Teil in zerstörerische Einzelinteressen zerfiel.

Anders als Teamkollegen wie Carlos Eduardo oder Demba Ba blieb Gustavo aber ein zuverlässiger Fixpunkt, der nicht durch Egotrips auffiel.

Dabei ist Gustavo auch kein Asket: Außerhalb des Platzes gönnt er sich edle Kleidung, funkelnden Schmuck und teure Sportwagen.

Auf dem Rasen aber spielt Gustavo so, dass ihm niemand einen Strick daraus dreht. Es wirkt aufrichtig, wenn er erklärt: "Ich stelle mich voll und ganz in den Dienst der Mannschaft, nur das zählt."

"Er muss sich an van Gaal gewöhnen"

Die Bayern wissen um all diese Stärken.

"Er ist multifunktional und kann uns verbessern", sagte Trainer Louis van Gaal.

Allerdings müsse sich der 23-Jährige auch noch an den FC Bayern "anpassen - und er muss sich an Louis van Gaal gewöhnen", fügte der Niederländer mit einem Schmunzeln an.

Wie Jorginho und Ze Roberto

In München fügt sich der Gustavo-Deal in die Reihe der Verpflichtungen von Brasilianern, die anderswo bewiesen haben, dass sie vom Fußballerischen wie von der Einstellung her "Bundesliga können".

So lief es bei Jorginho, Paulo Sergio, Giovane Elber, bei Lucio und bei Ze Roberto.

Letztere beiden nennt Gustavo "meine sportlichen Vorbilder". Die Bayern werden es mit Freude vernommen haben.

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