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Rangnick trainierte vor Hoffenheim die Bundesligisten Stuttgart, 96 und S04 © getty

Rangnicks Aus kam weniger plötzlich, als es scheint. Details zeigen den langen Erosionsprozess zwischen dem Trainer und Mäzen Hopp.

Von Maik Rosner und Christian Paschwitz

München - Von einem Kracher an Neujahr war die Rede, als die Trennung von Trainer Ralf Rangnick bei 1899 Hoffenheim durchsickerte.

Doch der sofortige Wechsel des Brasilianers Luiz Gustavo zu Bayern München war nur noch der letzte Anstoß, der nach viereinhalb Jahren zum Ende des Projekts in Sinsheim führte.

"Extrem heftige" Mail

Wie jetzt bekannt wurde, schrieb Rangnick Mäzen Hopp schon vor Weihnachten eine E-Mail. "Ich habe nur sachlich, persönlich und ehrlich meine Meinung gesagt", erklärte Rangnick dazu nun der "Bild".

Hopp, den die Mail im Urlaub in Florida erreichte, fasste den Tonfall des Schreibens ganz anders auf: "Das war richtig heftig. Extrem heftig."

Der endgültige Bruch war da nur noch eine Frage der Zeit, er kam so zuverlässig wie die Raketen an Silvester. Mit Knalleffekt.

"Jetzt erstmal durchschnaufen"

Rangnick will die Trennung nun sacken lassen.

"Er wird jetzt erstmal durchschnaufen und nicht gleich das nächste Traineramt annehmen", sagte sein Berater Oliver Mintzlaff am Montag gegenüber SPORT1.

Auffassungen zu unterschiedlich

Die Details der sich anbahnenden Trennung von Rangnick und die Umstände des geschätzt 15 Millionen Euro schweren Gustavo-Transfers nach München belegen das tiefe Zerwürfnis in Hoffenheim.

Der einstige Projektleiter Rangnick war längst isoliert, immer deutlicher traten die unterschiedlichen Auffassungen über die zukünftige Ausrichtung des Vereins zu Tage.

Rangnick wollte den Klub in der nationalen Spitze etablieren, Hopp bezeichnete 1899 als eher kleinen Ausbildungsverein.

Erste Risse bereits im Sommer

"Der einzigartige Erfolg des Durchmarsches in die Bundesliga bleibt mit Rangnick verbunden", sagt Hopp zwar.

Doch nachdem der Trainer mit Hilfe der Millionen von Hopp den Dorfklub binnen zwei Jahren von der Regionalliga zur Herbstmeisterschaft in der Bundesliga geführt hatte, traten allmählich die ersten Risse zu Tage.

[kaltura id="0_bjxsvpk9" class="full_size" title="Respekt f r Rangnick"]

Wohin die Reise geht, zeigte sich bereits beim Verkauf von Carlos Eduardo im Sommer.

Verhandlungen hinter Rangnicks Rücken

Zu kitten waren die zunehmenden Irritationen nun nicht mehr, nachdem der Mäzen, Manager Ernst Tanner und Gustavos Berater hinter Rangnicks Rücken mit Bayerns Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Christian Nerlinger in einem Hotel am Münchner Flughafen über den Transfer verhandelten und ihn an Neujahr fixierten.

"Es ist wohl einzigartig, dass so ein Spieler ohne das Wissen des Trainers verkauft wird", sagte Rangnick enttäuscht.

Kollegen wie Schalkes Felix Magath können Rangnicks Verdruss verstehen.

"Konsequent und völlig richtig"

"Das ist konsequent und völlig richtig", sagte Magath gegenüber SPORT1. Es könne ja nicht sein, dass der Trainer nicht über den Verkauf seines wichtigsten Spielers informiert werde.

Magath ging da noch davon aus, dass sich Rangnick zum Schlussstrich entschieden hatte. Genauso wie 1899-Torwart Tom Starke: "Ich bin überrascht, dass er das so durchzieht."

Doch das war offenbar nicht der Fall. Hopp soll das Ende beschlossen haben.

Dubioser Brief

Das besagte Geheimtreffen am Flughafen fand bereits am 19. Dezember statt. Zwei Tage später soll Tanner Rangnick einen Brief vorgelegt haben. Inhalt: Das Versprechen, Gustavo werde im Winter nicht verkauft.

Hopp und Tanner unterschrieben das Papier genauso wie Rangnick. Nur Gustavo interveniert. Er will unbedingt zu den Bayern. Bei Hopp findet er Gehör: "Ich war mir dann auch nicht mehr sicher, ob Gustavo bei uns jemals wieder der Alte werden würde."

Entscheidung vor Silvester

Tags darauf erfährt Rangnick vom Treffen am Münchner Flughafen und schreibt die laut Hopp "extrem heftige" Mail. Darin habe der Trainer den Sinn einer weiteren Zusammenarbeit in Frage gestellt.

Am 30. Dezember, nach weiterem Mailaustausch, "habe ich ihm mitgeteilt, dass es besser ist, sich zu trennen", sagt Hopp.

Rangnick soll an Silvester per SMS noch zurückgeschrieben haben, als es in Florida 2 Uhr morgens war: "Dietmar, wenn du schon wach bist, melde dich."

Gustavo-Verkauf "fatales Signal"

Gegen 16 Uhr ruft Hopp zurück und teilt Rangnick mit, dass seine Zeit in Hoffenheim abgelaufen ist. Zuvor hatte der Mäzen mit Tanner Gustavos Transfer zu den Bayern abgesegnet und im Gegenzug David Alabas Ausleihe ausgehandelt.

Ein "fatales Signal" erkennt der ehemalige Trainer im Verkauf Gustavos.

Neue Ära mit Pezzaiuoli?

Nun soll Rangnicks bisheriger Assistent Marco Pezzaiuoli eine neue Ära in Hoffenheim einleiten.

Pezzaiuoli, als DFB-Trainer 2009 U17-Europameister, soll nun den eingeschlagenen Kurs zum Ausbildungsverein leiten.

Ein neues Projekt, zu dem Rangnick nicht mehr passte. Eine "Edelsymbiose" sei es einst gewesen, hat der 52-Jährige gesagt.

Nun erfuhr er während einer Autofahrt kurioserweise von Alabas Berater, dass Gustavos Wechsel zu den Bayern perfekt sei.

"Daraus habe ich meine Schlüsse gezogen. Es war das letzte Signal für mich, dass ich hier nicht mehr richtig bin", sagte Rangnick.

Rummenigge lobt Hopp

Da hatte Hopp längst sein Aus beschlossen.

Über den sagte Rummenigge übrigens: "Ein absolut zuverlässiger, seriöser und angenehmer Mensch mit klaren Vorstellungen. Solche Leute tun der Bundesliga gut."

Rangnick dürfte das nach seinem Aus wohl anders sehen.

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