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Dr. Rüdiger Degwert (r.) hat nicht nur Luca Toni, sondern auch Kevin Kuranyi behandelt © imago

Einstandsfeier beim Deutschen Rekordmeister: Bayern Münchens Neuer arbeitet neben dem Rasen - und hat einen Doktortitel.

Von Christian Paschwitz

München - Wieder mal eine Neuerung beim FC Bayern: Dr. Rüdiger Degwert hatte eingeladen ins ServiceCenter an der Säbener Straße, um sich der Öffentlichkeit vorzustellen.

Er tat das als Nachfolger von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der nach 31 Dienstjahren aufgehört hatte.

Großer Bahnhof also im gelb-maritimen Medizinischen Zentrum mit Schwerpunkt Orthopädie.

Ende einer Ära

Luca Toni scherzte sogleich mit einem Skelett. Vor allem aber wollten der Torjäger und seine Teamkollegen Tim Borowski, Miroslav Klose und Michael Rensing dem neuen Bayern-Doc in dessen neuer Praxis ihre Aufwartung machen.

Auch Manager Uli Hoeneß, Coach Jürgen Klinsmann, Torwarttrainer Walter Junghans und Teammanager Christian Nerlinger überbrachten gute Wünsche.

Vielleicht taten sie's in dem Wissen, wie bedeutsam ein gelungener Start doch sein kann. Und wie schwer obendrein, große Vorgänger-Fußstapfen auszufüllen. Degwert, der Mann nach "Mull", dieser alterslosen Koryphäe der Sportmedizin.

Viel Respekt für den Vorgänger

Ein Neubeginn also - und ein bisschen zumindest vergleichbar mit den Bayern zum Saisonstart, als Jürgen Klinsmann für Ottmar Hitzfeld kam. Diesem Double-Gewinner, diesem Champions-League-Sieger von 2001.

Der 49-jährige Degwert äußerte Respekt vor seiner "neuen und großen Herausforderung" und hat auch kein Problem damit, dass mancher Spieler künftig lieber weiter seinen 17 Jahre älteren Vorgänger aufsuchen wird.

"Ein solches Vertrauensverhältnis muss eben wachsen", sagt er zurückhaltend.

Fünf Pflichtspielsiege am Stück

Bloß keine Schnellschüsse riskieren und unnötig den noch geringen Kredit verspielen. Das sagt einer, obwohl er die Bayern schon seit Anfang 2007 als Teamarzt betreut.

Während Klinsmann als Bundesliga-Trainer-Novize wesentlich forscher und reformfreudiger daherkam - und dabei den Fehler beging, den zweiten Schritt vor den ersten zu machen.

Lange blieb Klinsmann ("Wir wollen jeden Spieler jeden Tag besser machen") Zählbares schuldig. Dann ließ er statt innovativ wieder wie unter Hitzfeld spielen, und es kam die Wende mit fünf Pflichtspielsiegen am Stück.

Zurück auf Los

Bastian Schweinsteiger (Spielerporträt) drückt das gegenüber Sport1.de so aus: "Das Bayern-Gen ist wieder da. Wir gewinnen nun die Spiele wieder hintereinander." Mehr noch: "Wir sind wieder geil und heiß drauf, die Spiele zu gewinnen."

Klinsmanns offensive und vertikale Spielphilosophie musste da erst mal hinten anstehen: "Wir wollen das in den nächsten Spielen schon umsetzen, mit Pressing und so", meint Schweinsteiger, "aber erstmal mussten wir Sicherheit reinkriegen und die Punkte holen."

Zurück auf Los also - die Korrektur zeigte Wirkung. "Wir hatten ja auch was aufzuholen, waren nur Elfter", sagt Schweinsteiger (die aktuelle Tabelle).

Tabellenspitze im Blick

Inzwischen läuft "die Maschine. Jetzt müssen wir schauen, dass wir die Spiele noch eiskalter und souveräner gewinnen. Das gilt auch in Gladbach. Obwohl es dort sehr schwierig wird und immer Brisanz ist", sagt der 24-Jährige - und ergänzt: "Um nach ganz oben zu kommen, vielleicht auch schon am Wochenende."

Luca Toni sieht das ähnlich und verweist dabei auf das 2:1 auf Schalke: "Es war kein fabelhaftes Spiel, aber wir haben gezeigt, wer wir sind. Wichtig ist, dass man gewinnt. Auch wenn man nicht gut spielt."

Der Patient FC Bayern ist auf dem Weg der Besserung.

Blick auf die Trainingsplätze

In seinen Behandlungsräumen mit Blick auf die Trainingsplätze will Degwert ohne Eile Fuß fassen. Hoeneß zeigt sich schon allein vom Bau-Projekt begeistert: "Das war immer schon unser Wunsch, eine Praxis auf dem Vereinsgelände zu haben."

"Die Idee hatten wir schon vor der Verpflichtung von Jürgen Klinsmann. Jetzt konnten wir sie umsetzen", sagt er weiter.

Immerhin das eint den Mediziner Degwert mit dem Chefcoach.

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