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Stehen bei den Supporters in der Kritik: Vorstands-Boss Hoffmann und Katja Kraus © imago

Die mächtigen Supporters begehren gegen Bernd Hoffmann auf. HSV-Ikone Uwe Seeler mahnt gegenüber Sport1.de zur Besonnenheit.

Von Tobias Schneider

Hamburg - Sportlich und wirtschaftlich stand der HSV selten so gut da.

Fünf Mal qualifizierten sich die Hamburger in den vergangenen sechs Jahren für das internationale Geschäft. Seit der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann im Februar 2003 das Ruder übernommen hat, hat sich der Umsatz auf 138 Millionen mehr als verdoppelt.

Vom Image der grauen Maus ist nicht viel geblieben, in der Bundesliga hat sich der HSV unter den Top-Teams etabliert.

Supporters begehren auf

Trotz dieser blendenden Bilanz hat es Hoffmann dieser Tage aber nicht leicht.

Ein Teil der Supporters, mit 45.000 Mitgliedern größte Abteilung innerhalb des Vereins, begehrt gegen den 45-Jährigen auf und drängt in den Aufsichtsrat.

Am 25. Januar stehen die Wahlen zum Aufsichtsgremium an, aber die Gegner des ungeliebten "Kapitalisten" bringen sich bereits in Stellung.

Seeler mahnt zu Gesprächen

Uwe Seeler mahnt gegenüber Sport1.de zu Ruhe und Besonnenheit:

"Es ist toll, wenn man Fans hat, die sich aktiv mit einbringen. Aber es kann prinzipiell nicht sein, dass die Fans den HSV auch regieren wollen", sagt das HSV-Idol: "Wir haben keinen Grund, irgendwelche Änderungen vorzunehmen. Der HSV braucht Ruhe und keine Unruhe."

"HSV vor Zerreißprobe"

Horst Becker, Chef des Aufsichtsrats, schlägt im "Hamburger Abendblatt" Alarm:

"Der Verein steht vor einer Zerreißprobe. Für mich sieht das alles nach einer geplanten Aktion aus. Es scheint so zu sein, dass man vier, fünf oder sechs Leute unterstützen will. Man könnte zu dem Schluss kommen, dass bestimmte Ziele verfolgt werden."

Das vermeintliche Ziel der Supporters ist die Kontrolle im Aufsichtsgremium zu übernehmen. Ergattern die Unterstützer sechs Plätze, könnten sie jede noch so nichtige Entscheidung des Vorstands torpedieren.

Der Hintergedanke: Zermürbt von den Grabenkämpfen würden Hoffmann und seine Vertraute Katja Kraus beim HSV (die tabelle) die Flinte ins Korn werfen.

Fan-Belange im Hintergrund

Doch woher kommt die Abneigung gegen Hoffmann? Der 45-Jährige, früher Chef des Sportrechtevermarkters Sportfive, wird seit Amtsantritt von einem Teil der Basis misstrauisch beäugt.

Zu kommerziell sei Hoffmanns Arbeit ausgerichtet, sein Führungsstil zu autoritär und die Belange der Fans stünden zu sehr im Hintergrund.

Dabei ist Hoffmann der maßgebliche Architekt des hanseatischen Aufschwungs.

"Die Zeichen der Zeit"

Bislang werden aber hauptsächlich im Hintergrund die Strippen gezogen, öffentliche Supporter-Kritik an Hoffmann ist selten zu vernehmen.

"Uns liegt das Wohl des Vereins am Herzen, das kann man uns nicht absprechen. Dass, sobald Leute mit wirtschaftlicher Kompetenz antreten, die gleichzeitig Fans sind, die Welt untergeht, ist unsachlich und unrichtig", rechtfertigt sich Johannes Liebnau, der sich am 25. Januar als einer der Supporters-Vertreter zur Wahl stellen wird.

Ex-Präsident Jürgen Hunke, Mitglied im Aufsichtsrat, macht keinen Hehl aus seiner Einstellung:

"Junge Mitglieder sind die Vereinsbosse von morgen. Das sind die Zeichen der Zeit. Es gibt viele Leute, die eine engere Kontrolle haben wollen. Im Aufsichtsrat geht es um die mittelfristige Existenz des HSV, während der Vorstand nur den kurzfristigen Erfolg sieht."

Diplomatische Worte, die dennoch ein klarer Affront gegen Vorstands-Boss Hoffmann sind.

Appell an Mitglieder

"Man kann nur hoffen, dass sich viele Mitglieder einfinden, die diesen Umbruch nicht wollen - und ihre Stimme abgeben", hofft dagegen Horst Becker, ein enger Wegbegleiter Hoffmanns.

Der Verein hat zumindest vorgesorgt und die Wahl am 25. Januar in die Hamburger Messehallen verlegt.

Dort gibt es 7.000 Sitzplätze. Im eigentlich für die Mitgliederversammlung vorgesehen CCH ständen nur gut die Hälfte bereit.

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