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Ein 43-jährige Verdächtiger ist wohl ein Transportunternehmer aus dem Raum Karlsruhe. Er muss sich im Dezember vor einem Gericht in Heidelberg verantworten. Der Gegenstand der Erpressung ist unbekannt
Geld ist Macht: Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp hat kein Mandat im Verein © imago

Hoffenheims Mäzen gerät zunehmend in die Kritik. Teile der Branche sehen die 50+1-Regel verletzt. Die DFL nimmt sich des Falls an.

Von Maik Rosner

München - Das Lob war Dietmar Hopp sicher. Allerdings nur vom Verhandlungspartner Karl-Heinz Rummenigge.

Als "absolut zuverlässigen, seriösen und angenehmen Menschen", der der Bundesliga gut tue, hatte Bayerns Vorstandsvorsitzender Hoffenheims Mäzen geadelt.

Doch der Transfer von Luiz Gustavo nach München und Hopps Macht als Geldgeber ohne Amt sorgen anderswo für Kritik.

Jetzt prüft die Deutsche Fußball Liga den Fall.

"Die DFL steht in dieser Angelegenheit in Kontakt mit der Geschäftsführung von 1899 Hoffenheim. Die Geschäftsführung hat uns zugesagt, den Ablauf des Transfers entsprechend zu dokumentieren", hieß es in einem Schreiben des Ligaverbandes.

Ein Warnschuss. Doch ob er Konsequenzen nach sich zieht, ist fraglich.

Hopp rechtfertigt sich

Der 70 Jahre alte Software-Milliardär rechtfertigte sich am Dienstag aus dem fernen Florida.

"Der Transfer des Spielers Luiz Gustavo erfolgte in absolutem Einklang mit den Bestimmungen der 50+1-Regelung. Als Gesellschafter und Sprecher des Beirates war ich in den Verhandlungen nur deshalb dabei, weil die Bayern-Führung darum gebeten hat", sagte Hopp der "Welt" (Mittwochausgabe).

Seine offensichtliche Entscheidungsgewalt ohne Mandat im Verein berührt jedoch zumindest die 50+1-Regel.

Möglicherweise kommt die DFL auch zu der Ansicht, dass Hopp als Geldgeber zu viel Macht besitzt und die Regel verletzt.

Kritik von Kind und Magath

Die Branche sieht das Hoffenheimer Modell ohnehin kritisch.

Schalkes Trainermanager Felix Magath sagte im Fall Gustavo beispielsweise, es könne nicht sein, dass ein Spieler ohne das Wissen des Coaches verkauft werde.

Hopp hatte den Transfer mit Manager Ernst Tanner abgewickelt.

Den Argwohn einiger Bundesliga-Konkurrenten gegenüber dem Modell Hopp verdeutlichte Martin Kind.

Ungleiche Maßstäbe

"Die Rechte und Entscheidungsprozesse in Hoffenheim sind wohl anders organisiert, als es die Regel vorschreibt", sagte der Präsident von Hannovers 96.

Der Hörgeräte-Hersteller kämpft seit Jahren vergeblich gegen die Regel, da die meisten Klubs diese befürworten.

Kind will jedoch Investoren in die Bundesliga locken.

Dass anderswo praktiziert wird, was für seinen Klub verboten ist, sagt Kind deutlich:

"Überall, wo ein Klub mit dem Rücken zur Wand steht oder wo es ein Modell wie Hoffenheim gibt, wird es immer Umgehungstatbestände geben."

Die Branche begehrt auf

Dass Hopps Geld und auch seine Entscheidungen aus dem Kreisligisten vom Dorf einen gutklassigen Bundesligaklub geformt haben, ist unstrittig.

Bisher wurde das als Sondermodell geduldet.

Doch weil beim Verkauf Gustavos nun offensichtlich wurde, wie sehr Hopp ins operative Geschäft eingreift, wird der Ton rauer.

Die Branche begehrt auf.

Wer entscheidet?

Die Handhabe der DFL ist allerdings eingeschränkt. Zwar muss laut 50+1-Regel der Verein die Stimmenmehrheit gegenüber Geldgebern behalten.

Doch die können die Beschränkung natürlich kreativ beugen. Und wer die Entscheidungen trifft, ist zuweilen nicht so einfach nachweisbar.

Rummenigges logisches Lob

Eindeutig scheint allerdings der Fall Gustavo verlaufen zu sein.

Hopp und Tanner verhandelten hinter dem Rücken des inzwischen abgesetzten Trainers Ralf Rangnick mit den Bayern.

Dass Rummenigge das gefiel und er Hopp lobte, ist nicht verwunderlich. Denn Rangnick wollte den Transfer unbedingt verhindern.

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