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Erster Auftritt in Katar: Gustavo erhielt bei Bayern einen Vertrag bis 2015 © getty

Der Zugang aus Hoffenheim geht seine Herausforderung voller Vorfreude an. Für den Brasilianer erfüllt sich bei Bayern ein Traum.

Von Maik Rosner und Christian Ortlepp

Doha/München - Kaum war Luiz Gustavo im Trainingslager der Bayern eingetroffen, dröhnte ihm schon Louis van Gaals Stimme in den Ohren.

Mit lautstarken Anweisungen bekam der 23-Jährige in Doha rasch einen Intensivkurs in fordernder Fürsorge des Trainers.

Ein bisschen durchschnaufen musste der Brasilianer nach seiner ersten Einheit bei seinem neuen Verein schon.

Doch das bedingungslos erfolgsorientierte und deshalb zuweilen raue Klima bei den Münchnern ist ganz nach dem Geschmack des titelhungrigen Gustavo.

"Als Junge habe ich nur den FC Bayern in Brasilien im Fernsehen gesehen. Das ist mein Traumverein", sagte Gustavo bei seinem ersten Auftritt vor der Presse in Katar.

Er habe immer davon geträumt, bei einem solch großen Klub zu spielen.

"Alles, was ich wollte, habe ich jetzt. Besser konnte es nicht laufen", sagte Gustavo. Er lächelte vergnügt.

"Wir müssen groß denken"

Doch das stimmt nicht ganz. Titel fehlen ihm noch zu seinem großen Glück.

Und die sollen schon in dieser Saison folgen. Im DFB-Pokal und vielleicht der Champions League. Oder in der Meisterschaft.

Trotz 14 Punkten Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund haben die Bayern die erfolgreiche Titelverteidigung ja noch nicht abgehakt (DATENCENTER: Bundesliga).

Wegen Rückkehrer Arjen Robben. Aber auch wegen Gustavo, einziger echter Zugang der Winterpause.

"Wir müssen groß denken", verkündete Gustavo, schon ganz in der Bayern-Diktion.

[kaltura id="0_wbb442ru" class="full_size" title="Das erste Training von Luiz Gustavo"]

Die Vorschusslorbeeren sind jedenfalls mindestens so gewaltig wie der rasante Aufstieg Gustavos von einem Provinzkicker aus der zweiten brasilianischen Liga zum deutschen Vorzeigeverein.

"Ein angenehmer Mensch"

"Er ist ein angenehmer Mensch. Mit einer Siegermentalität, der weiß, was es bedeutet, bei Bayern München zu spielen", sagte Sportdirektor Christian Nerlinger in der Medienrunde mit SPORT1.

Informationen über seinen Charakter und seine Persönlichkeit habe man eingeholt, bevor man die rund 15 Millionen Euro Ablöse in die vermutlich dünnsten Beine der Liga investierte (PORTRÄT: Luiz Gustavo: Sportwagen-Fan, Teamplayer, Super-Eroberer).

"Er übertrifft das noch", lobte Nerlinger. "Hohe Grundschnelligkeit, gutes Zweikampfverhalten, Vielseitigkeit", hat der Sportdirektor bei dem Defensivallrounder beobachtet: "Er bringt alles mit, um bei Bayern München Stammspieler zu werden."

Auf drei Positionen überzeugt

Auf drei verschiedenen Positionen habe man ihn beobachtet, auf allen habe er überzeugt.

Viel mehr Lob geht eigentlich nicht. Bei Nerlinger schon: "Ich bin mir sicher, dass er uns auch kurzfristig helfen wird."

Eingeplant ist er nach dem bisherigen Stand der Dinge zunächst als Linksverteidiger. Er kann aber auch Innenverteidiger spielen, am liebsten aber bringt er seine Fähigkeiten im defensiven Mittelfeld vor der Abwehr ein. Forderungen stellt er im Moment nicht.

Idealtypus für van Gaal

Ein Idealtypus für van Gaal. Im Stile von Schachfiguren verschiebt der Niederländer seine Profis gerne je nach Bedarf.

Und da Kapitän Mark van Bommel aller Voraussicht nach bis zum Sommer bleiben wird, wird der Trainer Gustavo zunächst wohl hinten links in der Viererkette einbauen.

Dort spielten zuletzt vor allem Diego Contento und Danijel Pranjic mit wechselndem Erfolg.

Vorbilder Lucio und Ze Roberto

An ihnen orientiert sich der Schlaks mit den dünnen Beinen nicht, sondern an seinen Landsleuten Lucio und Ze Roberto. Seine Vorbilder.

Der eine spielte bei den Bayern Innenverteidiger, der andere im defensiven Mittelfeld. Und beide in der Nationalmannschaft.

"Ich bin Brasilianer. Für jeden Brasilianer ist die Selecao ein Traum", sagte Gustavo. Er darf auf eine baldige Berufung hoffen, vielleicht wird aber auch die deutsche Nationalelf ein Thema.

Auch das würde ihn freuen, sagte er: "Ich bin seit vier Jahren in Deutschland. Mir gefällt die Mentalität sehr."

Läufer statt Dame

Gustavo, die angenehme und vielseitige Schachfigur. Bei dem Strategiespiel werden der Dame diese Eigenschaften zugesprochen.

Sie ist die stärkste Waffe. Doch so weit wollte selbst Nerlinger nicht gehen.

Gustavos vorgezeichneter Weg bei den Bayern von hinten links diagonal in die Defensivzentrale passt ohnehin besser zu einer anderen Figur, die seine Vorzüge praktischerweise schon im Namen trägt: der Läufer.

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