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Thomas Schaaf und Klaus Allofs leiten seit über zehn Jahren die Geschicke in Bremen © getty

Die Verpflichtung von Denni Avdic ist bei Werder Vorbote eines Sparkurses. Die Vorbereitung wird von Problemen begleitet.

Von Martin Hoffmann

München - "Avdic ist kein Mann der großen Worte", lautete eine Überschrift nach der Vorstellung des neuesten Stürmers von Werder Bremen.

Was eine höfliche Umschreibung dafür war, dass das, was der schwedische Jung-Nationalspieler beim Trainingslager in Belek zu sagen hatte, nicht übermäßig spannend war.

"Ich schieße gerne Tore", ließ der 22-Jährige wissen, "gute Filme" möge er auch. Und: "Ich glaube an mich."

Nun wäre es auch eine Überraschung gewesen, hätte sich Werder einen Stürmer geangelt, der sich zu Selbstzweifeln bekennt, das Toreschießen igitt-igitt findet und sich lieber schlechte Filme anschaut.

Vorbote einer Zeitenwende

Doch ganz so gewöhnlich, wie sie schien, war Avdics Vorstellung letztlich doch nicht: Sie ist nämlich Vorbote einer Zeitenwende.

Und die Devise der neuen Bremer Zeit ist - gezwungenermaßen - Bescheidenheit.

Die verkorkste Hinrunde und die Aussicht auf die erste Saison ohne internationales Geschäft seit zehn Jahren nötigen Werder, die Ansprüche herunterzuschrauben.

Bewusst kleine Lösung

Erster Ausdruck dieser Entwicklung ist die Verpflichtung von Avdic, der entgegen erster Deutungen von außen, nicht als gleichwertiger Ersatz für Hugo Almeida gesehen wird.

"Wir haben ihn nicht als Retter verpflichtet", erklärte Manager Klaus Allofs: "Er ist nicht derjenige, der uns allein da unten rausschießen soll."

Ganz bewusst habe man für den abgewanderten Portugiesen einen jungen Spieler mit eher mittelfristiger Perspektive geholt, der vor allem billiger ist als Almeida.

Weitere Schnitte folgen

"Wir haben die Gelegenheit auch genutzt, Hugo abzugeben, weil es wirtschaftlich Sinn macht", gab Allofs zu. Rund eine Million Euro Gehalt spart Werder ein, wie es heißt.

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Ein Schnitt, auf den im Sommer weitere folgen werden. Das Bremer Modell, auf Transfer-Investitionen und eine Refinanzierung durch Champions-League-Millionen zu setzen, funktioniert nicht mehr.

"Wir müssen sehen, dass wir unser Budget für die Gehälter herunterfahren", kündigt Allofs an: "Dem werden auch andere Dinge untergeordnet."

Zwist wegen Naldo

Abmildern kann den Spardruck nur noch ein Kraftakt in der Rückrunde, der die Hanseaten von Platz 14 aus noch in die Europa League rettet.

Doch der Versuch, das Team hierfür zu präparieren, wird von alten und neuen Verletzungs-Sorgen behindert.

Vor allem das Thema Naldo beschäftigt die Bremer Verantwortlichen. Der Abwehrmann wollte sich gegen den Willen des Klubs nach Brasilien begeben, um seine Knieverletzung vom Arzt der Nationalelf behandeln zu lassen.

"Hätten es nicht unterstützt"

"Wir hätten es toleriert, aber nicht unterstützt", meinte Allofs hierzu im "kicker". Denn: Klubarzt Götz Dimanski hätte einen solchen Eingriff "kontraproduktiv" gefunden - wobei er die Zustimmung der prominenten Kollegen Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Ulrich Boenisch hat.

Werder konnte Naldo schließlich überzeugen, Dimanskis Rat zu folgen.

Trotzdem rechnet der Klub in dieser Spielzeit nicht mehr mit dem Verteidiger: "Bei der bisherigen Entwicklung wäre es ein kleines Wunder, wenn er in der Rückrunde noch einmal spielen würde", so Allofs.

"Ich glaube an die Qualität, die wir haben"

Geduld muss Werder auch in den Fällen Wesley (Sehnenriss) und Sebastian Boenisch (Knie-OP) haben, die in naher Zukunft noch nicht zurückerwartet werden.

Zum Unmut von Trainer Thomas Schaaf: "Wir hatten gehofft, dass wir mit der gesamten Mannschaft die Vorbereitung auf die Rückrunde bestreiten können." Trotzdem verbreitet er in Belek positive Botschaften:

"Die Mannschaft will das hinbekommen. Sie zeigt Willen und Ehrgeiz zu beweisen, dass sie es besser kann."

Schaaf wenig erfreut

Der Coach ist bemüht, einen guten Eindruck von seiner Mannschaft nach außen zu tragen. Eher entgegen läuft dem eine Episode, von der die "Syker Kreiszeitung" berichtet.

Claudio Pizarro, Torsten Frings, Per Mertesacker, Clemens Fritz und Marko Arnautovic, wollten sich den 500 Meter langen Weg vom Trainingsplatz zum Hotel offenbar nicht zu Fuß antun.

Deshalb sprang das Quintett kurzerhand auf einen von Allofs gesteuerten Golfwagen. Schaafs Reaktion soll wenig erfreut gewesen sein.

Nun muss man die launige Randnotiz nicht zwanghaft als Zeichen von Faulheit und Einstellungsschwäche deuten.

Sicher ist aber: Für die erhoffte Rückrunden-Aufholjagd steht kein Golfwagen zur Verfügung.

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