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Bernd Hoffmann ist seit 2003 Vorstandsvorsitzender des Hamburger SV © getty

Mitgliederversammlung beim HSV: Hoffmann wird attackiert, Veh steht auf der Kippe. Nur um Seeler herrscht Einigkeit.

Hamburg - Ab 9.00 Uhr ist Einlass, um 11.00 Uhr soll die Mitgliederversammlung beim Hamburger SV beginnen. Eins steht jetzt schon fest: Der Sonntag wird lang. (VEREINSSEITE: Alles zu HSV)

Da werden die Messer gewetzt, emotionale Reden gehalten, der Vorstand und der Aufsichtsrat heftig attackiert - und am Ende wird der HSV möglicherweise mittelfristig ohne den bisherigen Vorstandschef Bernd Hoffmannn und ohne Trainer Armin Veh vor einer ungewissen Zukunft stehen.

Selten wurde einer Vereinsversammlung des Traditionsklubs mit mehr Spannung entgegengesehen. Ausgang: völlig offen. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

"Wutbürger" machen mobil

HSV-"Wutbürger" machen mobil gegen Bernd Hoffmann, dessen Vertrag zum Jahresende ausläuft.

Das enttäuschende Abschneiden in dieser Saison, das Verfehlen der sportlichen Ziele jeweils kurz vor einem Triumph in den letzten Jahren, die Titellosigkeit seit 1987 haben für tiefen Frust gesorgt.

Die insgesamt glänzende Entwicklung unter Hoffmann seit sieben Jahren zählt da gar nichts mehr. "Hoffmann raus" skandierten die Fans nach den letzten Heimspielen.

Klein attackiert HSV-Boss

Der 47-Jährige sieht sich mittlerweile massiver Kritik ehemaliger HSV-Granden gegenüber.

Populismus überall. Bei einer Radio-Diskussion am Donnerstag warf der ehemalige HSV-Präsident Wolfgang Klein Hoffmann vor, "keine Ahnung vom Fußballsport" zu haben: "Sie haben viele Fehlentscheidungen getroffen, unter denen der HSV heute leidet", warf Klein seinem Nachfolger vor.

"Bravo" schallte es lautstark aus dem Publikum - ein klarer Stimmungsindikator.

Vier neue Mitglieder

Der neue Aufsichtsrat des Vereins muss im Frühjahr über die Verlängerung von Hoffmanns Vertrag entscheiden.

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Vier der zwölf Mitglieder des Gremiums sind am Sonntag neu zu wählen, nicht weniger als 21 Kandidaten haben sich beworben.

Nach der Wahl wird gezählt, wie das neue Gremium zusammengesetzt ist: Pro Hoffmann, kontra Hoffmann.

Hoffmann will bleiben

Der HSV-Chef erklärt eindeutig, dass er "bis zur Rente" bleiben möchte. "Es kommt aber auch auf die Rahmenbedingungen an."

Sein heftig kritisiertes Investorenmodell mit dem Milliardär Klaus-Michael Kühne ist praktisch beendet. Raten-Finanzierung von Spielern führte zu Verbindlichkeiten von 20 Millionen Euro für die kommenden Jahre. Er wird also gut argumentieren müssen. (316092Diashow: Mögliche Winter-Transfers in der Bundesliga)

"So etwas ist gängige Praxis in der Liga", rechtfertigte sich der Klubchef, "hätten wir einen Titel gewonnen, würde darüber niemand reden."

Farce um Beiersdorfer

Der Aufsichtsrat hat diesen Transaktionen zugestimmt, das trägt zum miserablen Eindruck bei, den das Gremium in den letzten Jahren gemacht hat.

Indiskretionen haben den langjährigen Vorsitzenden Horst Becker zum Amtsverzicht bewogen, die Suche nach einem Nachfolger für Sportchef Dietmar Beiersdorfer geriet zur Farce. Aber auch dafür wird Hoffmann verantwortlich gemacht.

"Der Aufsichtsrat wurde von Hoffmann dominiert", sagte Ex-Präsident Jürgen Hunke, der auch wieder einen Platz im Gremium anstrebt.

Auch Veh in der kritik

Die Schlammschlacht um Posten wird verbissen geführt. Die Kandidaten biedern sich an. So degradierte der zur Wiederwahl stehende Aufsichrat Peter Becker Sportchef Bastian Reinhardt zu einem Azubi.

Der ebenfalls zur Wiederwahl stehende Ronald Wulff kritisierte am Donnerstag öffentlich Trainer Armin Veh: "Diesen Trainer würde ich nicht stützen."

Da ist es kein Wunder, dass Veh seine Vertragsverlängerung ebenfalls indirekt vom Ausgang der Mitgliederversammlung abhängig macht: "Bevor ich über meine Zukunft entscheide, will ich wissen, wer meine Vorgesetzten sind", sagte Veh, "ich brauche Planungssicherheit und Perspektive."

Veh besitzt beim HSV einen Vertrag bis 2012 mit einer Option auf Kündigung nach dieser Spielzeit.

Einigkeit nur um Seeler

Gespräche über eine Fortsetzung über das Ende dieser Saison hinaus waren am Dienstag nach Weihnachten abgebrochen worden.

Der Coach machte deutlich, dass er gerne in Hamburg bleiben möchte, ihn stört jedoch die Unruhe im Umfeld: "Die ersten Kandidaten für den Aufsichtsrat haben mich schon kritisiert, obwohl sie noch nie mit mir gesprochen haben."

Einmütigkeit wird es bei der Versammlung - wenn überhaupt - wohl nur in einem Punkt geben: Vereinsidol Uwe Seeler soll Ehrenpräsident werden.

Diesen Antrag hat das Mitglied Heinrich Höper gestellt. Seeler habe aufgrund seiner Persönlichkeit den HSV und die Stadt mit einer Leidenschaft, Kompetenz und Korrektheit vertreten, die ihresgleichen suche.

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