vergrößernverkleinern
Mike Hanke spielte zwölfmal für die deutsche Nationalmannschaft © imago

Mike Hanke ist die neue Sturmhoffung des Tabellenletzten Gladbach. Im SPORT1-Interview spricht er über die Chancen im Abstiegskampf.

Von Christian Paschwitz

München - Vom Ergänzungsspieler zum Hoffnungsträger: Mike Hanke nimmt in Mönchengladbach einen neuen Anlauf.

In Hannover kam der Stümer nicht über die Rolle des Reservisten hinaus. Zwei Jokertore gelangen dem 27-Jährigen in der Hinrunde für 96, eines davon gegen die Borussia.

Das machte den Tabellenletzten offenbar auf den Ex-Nationalspieler aufmerksam, in der Winterpause wechselte Hanke an den Niederrhein und soll dem Traditionsklub helfen, den Abstieg zu vermeiden.(VEREINSSEITE: Alles zur Borussia)

Im SPORT1-Interview spricht er über den Abstiegskampf mit Gladbach, Angebote aus dem Ausland, seine Rasenallergie und die Zeit in Hannover.(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

SPORT1: Wie sind Ihre ersten Eindrücke nach Ihrer Ankunft bei der Borussia?

Mike Hanke: Ich wurde hier sehr herzlich aufgenommen. Ich habe einen guten Eindruck - gerade auch von der Mannschaft. Die Vorbereitungsspiele waren auch gut. Beim 0:0 gegen Wolfsburg haben wir das Augenmerk auf die Kompaktheit und Geschlossenheit im Mittelfeld gelegt. Wir wollten wenige Chancen zulassen, das hat auch ganz gut geklappt.

SPORT1: Hat man Sie in den letzten Tagen damit aufgezogen, dass Ihr letzter Treffer in der Bundesliga ausgerechnet gegen Gladbach war?

Hanke: Nein. Damals wusste doch keiner, dass ich zu Gladbach gehe. Hätte ich das gewusst, hätte ich das Ding vielleicht nicht reingemacht. Aber das kann man nicht mehr ändern. Wir sollten auch nicht mehr so viel in die Vergangenheit schauen. Wir haben jetzt eine große Aufgabe vor der Brust und müssen jedes Spiel als Endspiel sehen. Und das fängt in Nürnberg an.

[kaltura id="0_br4uniq6" class="full_size" title="Gladbach holt den Wintercup"]

SPORT1: Noch mal nachgehakt: Hat man dennoch den Gedanken im Kopf, dass ihr Tor für Hannover zum 1:1 gegen Gladbach eine entscheidende Rolle im Kampf um den Klassenerhalt spielen könnte?

Hanke: Wie schon gesagt: Da denke ich überhaupt nicht mehr dran. Wir gehen jetzt die nächsten Wochen richtig hart ran, und ich bin fest davon überzeugt, dass wir die Klasse halten.

SPORT1: Sie kennen den Abstiegskampf wie kaum ein Zweiter: Erst in Wolfsburg und dann auch in Hannover haben Sie es miterlebt. Gibt so eine Erfahrung innerlich auch ein bisschen Selbstbestätigung nach dem Motto: "Die wissen schon, warum sie mich geholt haben, weil man mit mir nicht absteigen kann?"

Hanke: Ich denke nicht, dass mich die Verantwortlichen deswegen geholt haben. Ich glaube, dass sie einfach meine Qualitäten schätzen, die gerade im Strafraum liegen. Aber sicherlich bin ich auch erfahren im Abstiegskampf und damit möchte ich Gladbach helfen.

SPORT1: Es gibt aber auch immer wieder Kritiker, die Ihnen vorwerfen, dass Sie sich bei Ihren letzten beiden Stationen keinen Stammplatz erarbeiten konnten und nicht den gewünschten Erfolg hatten. Was entgegnen Sie denen?

Hanke: Kritiker gibt es ja überall, aber in Hannover habe ich in den ersten beiden Jahren meinen Stammplatz gehabt. Dann wechseln halt die Trainer, das Spielsystem ändert sich oder der Trainer steht auf andere Stürmer-Typen ? so war es jetzt auch bei Mirko Slomka. Ich weiß, was ich kann. Ich denke, dass mich Michael Frontzeck nicht umsonst geholt hat.

SPORT1: Mit etwas zeitlichem Abstand betrachtet: In Hannover waren Sie lange außen vor, haben sich dann über die Joker-Rolle wieder herangekämpft und zum Schluss sah es so aus, als ob Sie es geschafft hätten. Schließlich kam doch die Trennung. Warum? (316092Diashow: Wechselbörse Bundesliga)

Hanke: Ich glaube, dass ich zu gut für die Bank bin, aber anscheinend war ich nicht gut genug für Startelf von Hannover. Ich habe mit Mirko Slomka ein offenes Gespräch geführt. Er hat mir gesagt, dass er mit zwei schnellen Stürmern spielen will. Daraufhin habe ich ihm mitgeteilt, dass ich mich nach einem neuen Verein umsehen werde. Und er meinte: "Mach das, das ist sicherlich gut für dich." Ich hatte dann verschiedene Angebote ? auch aus dem Ausland.

SPORT1: Aber das Ausland war nie ein Thema?

Hanke: Doch, sicherlich. Aber dann kam Gladbach, wenn auch relativ spät. Ich hatte schließlich mit meinem Berater, Michael Frontzeck und Max Eberl ein sehr gutes Gespräch. Ich denke einfach, dass Gladbach durch seine vielen Fans und seine Tradition ein super geiler Verein ist, der in die Bundesliga gehört. Da habe ich richtig Lust drauf. Mein Ziel ist es, vorneweg zu marschieren und eine Führungsrolle zu übernehmen.

SPORT1: Noch mal kurz zurück zu Hannover: Was nehmen Sie aus Ihrer Zeit bei 96 mit?

Hanke: Ich habe sehr schöne Zeiten in Wolfsburg und Hannover erlebt. Bloß weil ich den Verein wechsle, muss nicht alles schlecht sein. Eigentlich nehme ich nur das Positive mit.

SPORT1: Wie sehen Sie die Konkurrenzsituation im Gladbacher-Sturm? Gibt es die Sorge, dass wieder nur die Joker-Rolle bleibt?

Hanke: In jedem Verein gibt es diese Konkurrenzsituationen. Davon lebt das Geschäft - und das ist auch gut so. Für mich ist einfach wichtig, dass ich hier die Chance bekomme, zu spielen und dass der Trainer auf mich setzt. Das war in Hannover nicht mehr so der Fall. Jetzt habe ich eine neue Chance und kann mich neu beweisen.

SPORT1: Sie sind kürzlich in dem Sinne zitiert worden, dass Gladbach auch gegen Bayern oder Dortmund eine Chance hat. Gemessen an dem Tabellenstand sind das sehr forsche Töne. Welches Potenzial hat Gladbach?

Hanke: Jeder kann jeden schlagen. Warum sollten wir also nicht auch gegen Dortmund, Bayern oder Hamburg bestehen können?

SPORT1: Wie machen Sie das mit Ihrer Rasenallergie?

Hanke: Da wird auch übertrieben. Wenn der Rasen frisch geschnitten ist, tränt mir halt mal das Auge oder die Haut juckt, aber wenn ich dann duschen gehe, ist alles wieder gut.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel