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Gesprächsbedarf: Schiedsrichter Drees (r.) zeigte Robert Kovac am 12. Spieltag Rot © getty

Nachdem dem großen Schiedsrichter-Krach am Wochenende in der Bundesliga nähern sich die Streitparteien langsam wieder an.

Von Katrin Freiburghaus

München - Claudio Pizarro, Robert Kovac, Jens Lehmann und Jürgen Klopp - sie alle waren am vergangenen Bundesliga-Wochenende mächtig geladen.

Hoch her ging es dabei vor allem auf verbaler Ebene. Im Kreuzfeuer der Anfeindungen standen die Schiedsrichter.

Ein paar Tage nach dem Skandal-Wochenende haben sich die Gemüter beruhigt und die Liga geht auf Kuschelkurs zu ihren Unparteiischen.

Klopp entschuldigt sich

Den Anfang machte BVB-Coach Klopp, der sich bei Schiedsrichter Dr. Jochen Drees für seinen wütenden Monolog nach dem (1:2 in Hamburg) entschuldigte und Besserung gelobte.

"Es tut mir leid, was da jetzt entstanden ist. Mich wird in Zukunft niemand in der Nähe eines Schiedsrichters sehen", sagte Klopp der "Westfälischen Rundschau".

Der ehemalige Weltschiedsrichter Dr. Markus Merk hatte Klopps Ausraster als "schlimmes Bild der Intoleranz" kritisiert.

Allofs fordert mehr Respekt

Bremens Pizarro wurde für seine abschätzigen Bemerkungen über den Unparteiischen bei der Nullnummer in Bochum mit einer Geldstrafe belegt.

Im DSF warb Werders Sportdirektor Klaus Allofs um Verständnis für die Unzufriedenheit einiger Profis, bei denen die zum Teil sehr unterschiedliche Regelauslegung in der Liga zu Verunsicherung führe.

Allerdings stellte Allofs klar: "Das rechtfertigt nicht die Reaktion von Claudio Pizarro. So kann man sich nicht äußern, das darf man nicht machen."

Lehmann legt nach

Jens Lehmann hat seine Vorwürfe gegen die Schiedsrichter in der Bundesliga hingegen untermauert.

"Ebenso wie wir Spieler muss sich auch der Unparteiische der Kritik stellen. Wir brauchen tatsächlich Schiedsrichter, die lernen, dass sie zum Unterhaltungsgeschäft Fußball gehören, aber nicht die Hauptpersonen sind", sagte der Keeper des VfB Stuttgart (Spielerporträt) in der "Bild".

Es sei zwar richtig, Fouls, Schwalben oder Rudelbildung zu bestrafen, "aber bitte nicht jeden kleinen Zweikampf abpfeifen. Das zerstört den Spielfluss".

Meyer hat Verständnis

Bayern-Keeper Michael Rensing hingegen brach eine Lanze für die Schiedsrichter. "Es ist in vielen Situationen schwierig, in Sekundenbruchteilen über Karten oder Tore zu entscheiden. Da muss man die Schiedsrichter auch mal in Schutz nehmen", sagte er.

Auch Gladbach-Trainer Hans Meyer sprach den Bundesliga-Schiedsrichtern ein Kompliment aus: "Ich hab immer wieder Riesenrespekt vor den deutschen Schiedsrichter."

Allerdings schränkte er ein: "Und zwar immer genau dann, wenn ich nicht verantwortlich auf der Bank sitze. Wer da sitzt und die Verantwortung hat, kann nicht objektiv sein."

Zwanziger sieht Redebedarf

Verständnis für die emotionale Situation von Spielern und Trainern hat auch Theo Zwanziger.

"Es wird immer Reaktionen geben, die man in einem Mädchenpensionat nicht gewohnt ist", sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes. Auch Zwanziger mahnte aber zur Besonnenheit und stellte den Vorbildcharakter des Sports in den Vordergrund.

"Ich wünsche mir, dass Trainer und Spieler bei aller Emotion daran denken, wie das Verhalten ins Wohnzimmer von Kindern und Jugendlichen projiziert wird - da müssen wir miteinander reden", sagte er.

"Alle im selben Wasser"

Christoph Daum formulierte es etwas blumiger: "Wir sind zusammen auf einem Wasser. Zwar nicht in einem Boot, aber es sollte keiner zu viele Wellen machen, denn dann gehen wir nachher alle unter."

Der Kölner Trainer sprach sich ebenfalls für eine bessere Kommunikation aus ? nach dem Spiel wohlgemerkt. "Wir würden sehr gut daran tun, wenn wir miteinander und nicht in der Presse übereinander reden würden", sagte er.

Runder Tisch am Montag

Zum Reden besteht am 17. November bei einem "Runden Tisch" in München reichlich Gelegenheit.

Allofs sieht allein im gemütlichen Beisammensitzen aber noch keine Heilmittel für die zuletzt aufgeheizte Stimmung zwischen Klubs und Schiedsrichtern.

"Wir müssen aufeinander zugehen und sehen, dass wir im Umgang miteinander einen anderen Ton treffen", sagte er, "aber ich hoffe auch, dass man die Ergebnisse mal zügig umsetzt."

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