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Bernd Hoffmann ist seit 1. März 2003 Vorstandsboss beim Hamburger SV © getty

Der HSV-Präsident wird auf der Jahreshauptversammlung zum Rücktritt aufgefordert. Doch er besänftigt seine Kritiker.

München - Für Bernd Hoffmann wird es ungemütlich.

Der Vorstandschef des Hamburger SV musste auf der Mitgliederversammlung des Bundesligisten eine schwere Schlappe einstecken.

In Ex-Präsident Jürgen Hunke feiert ausgerechnet sein größter Gegner nach zwei Jahren Abstinenz ein Comeback im Aufsichtsrat des Klubs, dazu zogen zwei weitere ausgesprochene Hoffmann-Kritiker in das Kontrollgremium des Vereins ein.

Die Verlängerung des zum Jahresende auslaufenden Vertrages von Hoffmann ist damit keinesfalls mehr ein Selbstgänger. (VEREINSSEITE: Alles zu HSV)

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

Vier "Neue" im Aufsichtsrat

Neben Hunke zog auch der Politikjournalist Manfred Ertel bereits nach dem ersten Durchgang in den Aufsichtsrat ein. Ertel erhielt mit 1168 die meisten Stimmen vor Hunke (1086).

Dazu kam im zweiten Durchgang in Diplomvolkswirt Hans-Ulrich Klüver (704) ein weiterer Kandidat, der ausdrücklich von der einflussreichen und Hoffmann-kritischen Fangruppe "Chosen Few" unterstützt wurde.

Vierter "Neue" im Aufsichtrat ist der ehemalige Stadionsprecher Marek Erhardt (908).

Hoffmann kämpferisch

"Wir haben jetzt ein Ergebnis, dass die Stimmungslage im Verein aus den letzten zwei Jahren widerspiegelt", sagte Hoffmann: "Wir alle haben jetzt eine große Verantwortung dafür, diesen Herausforderungen auch gerecht zu werden."

Hoffmann gab sich in seiner Rede nach der Wahl kämpferisch: "Wir alle müssen 2011 einen besseren Job machen - und das fängt bei mir an."

Auch die kurzfristig zum Sitzungsbeginn verkündete Vertragsverlängerung von Nationalspieler Dennis Aogo konnte das Blatt für Hoffmann nicht mehr wenden.

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Die Aufsichtsräte und Hoffmann mussten sich heftige Vorwürfe anhören. (316092Diashow: Mögliche Winter-Transfers in der Bundesliga)

Entlastung für Aufsichtsrat

"Treten Sie zurück, Herr Hoffmann", forderte ein Fan am Pult.

Andere Redner kritisierten insbesondere die zwölf Mitglieder im Kontrollgremium des Vereins: "Der Aufsichtsrat hat viel Vertrauen verloren."

Dennoch wurde der Aufsichtsrat mehrheitlich entlastet.

21 Kandidaten für vier Posten

Nicht weniger als als 21 Kandidaten standen zur Wahl.

Somit zog sich ein Wahlmarathon über den Tag hin, erst nach mehr als acht Stunden war der erste Wahlgang beendet.

Klar war, dass der bisherige Ratsvorsitzende Horst Becker zukünftig nicht mehr als Chef des Gremiums zur Verfügung steht.

20 Millionen Euro an Raten

Unstrittig ist die gesunde wirtschaftliche Bilanz des Klubs, der in der vergangenen Saison mit 154 Millionen Euro den zweithöchsten Umsatz seiner Geschichte gemacht hat.

Es blieb dabei ein Gewinn von 283.000 Euro übrig sowie ein Vereinsvermögen von 27 Millionen Euro.

Der Klub muss allerdings in den kommenden zwei Jahren 20 Millionen Euro Raten für Spielertransfers zahlen.

Unterstützung für Hoffmann

"Eine Krise kann ich nicht erkennen", sagte der einflussreiche, ehemalige HSV-Präsident Dr. Peter Krohn in seiner Grundsatzrede und unterstützte damit im Wesentlichen die Politik von Hoffmann und den Räten.

Der wies erneut auf die schwierige wirtschaftliche Situation der Liga hin: "Wir stehen im Wettbewerb mit Vereinen wie Hoffenheim, Leverkusen und Wolfsburg, die andere wirtschaftliche Möglichkeiten haben als wir."

Lange Schlangen am Eingang

Die Sitzung begann mit einer Verspätung von 30 Minuten. Vor der Einlasskontrolle gab es lange Schlangen, seit Jahren war der Andrang nicht mehr so groß.

Rund 2800 Fans waren zur Mittagszeit schließlich anwesend.

Gespannte Lage

Die Atmosphäre war zunächst gespannt.

Das sportlich unbefriedigende Jahr 2010 mit dem Verpassen des internationalen Wettbewerbs und nur Platz neun nach der Hinrunde trug zur Unzufriedenheit vieler Mitglieder bei.

Aber auch die missglückte und teilweise peinliche Sportchefsuche sowie die Diskussionen um das umstrittene Investorenmodell mit Milliardär Klaus-Michael Kühne erhitzte die Gemüter.

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