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Bernd Hoffmann ist seit 1. März 2003 Vorstandsboss beim Hamburger SV © imago

Nach dem Wahlerfolg der Hoffmann-Kritiker muss sich zeigen, ob eine Zusammenarbeit im Aufsichtsrat überhaupt möglich ist.

Hamburg - "Die innere Zerrissenheit blockiert den HSV!"

Schauspieler Marek Erhardt wird sich an seiner eigenen Aussage bei der Vorstellungsrunde messen lassen müssen.

Der ehemalige Stadionsprecher gehört seit Sonntag dem Aufsichtsrat beim Hamburger SV an, er war einer der großen Gewinner der Mitgliederversammlung des Bundesliga-Dinos am Sonntag.

Vorstandschef Bernd Hoffmann war der Verlierer. Vier Räte wurden gewählt, vier Hoffmann-Kritiker kamen durch: Es wird ungemütlich für den HSV-Chef, die Zeit der Alleingänge ist vorbei. Sonntag schlug die Stunde der Opposition (VEREINSSEITE: Alles zum HSV).

Acht Stunden und 50 Minuten dauerte die Rede- und Wahlschlacht, die längste der Klubgeschichte. Sie wurde ein Musterbeispiel für die Möglichkeiten der Mehrheitsbeschaffung in einer Demokratie.

Die Fangruppe "Chosen Few" hatte drei Wahlvorschläge gemacht und ihre Anhänger mobilisiert, die offenbar ein Großteil der bis zu 2813 anwesenden Mitglieder ausmachten (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News).

Veh hängt an Hoffmann

Alle ihre Kandidaten hatten sich als Hoffmann-Opponenten dargestellt, alle kamen neben Erhardt (908 Stimmen) durch: Politik-Journalist Manfred Ertel (1168), Ex-Präsident Jürgen Hunke (1086) und der Volkswirt Hans-Ulrich Klüver (704).

Acht von zwölf Stimmen im Aufsichtsrat brauchen Hoffmann und Marketing-Chefin Katja Kraus, damit ihre zum Jahresende auslaufenden Verträge verlängert werden.

Trainer Armin Veh hat dies bereits als Grundlage für seine eigene Vertragsverlängerung genannt. Aber das ist nun keinesfalls mehr sicher.

[kaltura id="0_d8poyo52" class="full_size" title="Gegenwind f r Hoffmann"]

"Neee....", erklärte Hunke nach seiner Wahl auf die Frage, ob er zur Zeit einem neuen Vertrag für Hoffmann zustimmen würde, "aber ich habe ja nur eine Stimme."

Hoffmann gab sich nach der Wahl so kämpferisch wie lange nicht mehr in der Öffentlichkeit.

Der Mann hat offenbar noch Spaß an seinem Job und er scheint dafür sogar bereit, den umstrittenen Sportchef Bastian Reinhardt wieder zu opfern, den viele Mitglieder als Berufsanfänger nicht ernst nehmen.

Sehnsucht nach Kompetenz

"Ich kann Sportmanagement, wir brauchen aber daneben dringend absolute Kompetenz im Sport", sagte Hoffmann nach der Wahl. In einem Interview mit der "Welt am Sonntag" schien er auch schon von Reinhardt abzurücken: "Der HSV braucht eine klare sportliche Strategie und entsprechendes Personal."

Sportliche Kompetenz jedoch wurde nicht in den Aufsichtsrat gewählt. Dabei war genau dies eine der zentralen Forderungen vieler Mitglieder angesichts des Übergewichts an Wirtschaftsfachleuten dort.

In dem ehemaligen Volleyball-Bundestrainer Olaf Kortmann und Ex-Profi Carsten Kober gab es auch zwei "sportliche" Kandidaten, sie waren aber chancenlos bei der "Kaderwahl" der "Chosen Few".

"Hoffmann wird sich ändern"

"Diese Wahl zeigt, dass die Mitglieder die Faxen dicke haben, dass sich niemand mehr um sie gekümmert hat", sagte Ertel und sendete zugleich Friedenssignale aus:

"Hoffmann muss mich nicht fürchten. Mit 80, 85 Prozent seiner Entscheidungen war ich einverstanden." Hunke forderte jedoch: "Hoffmann wird sich ändern und wird es auch tun."

Der Klubchef weiß, dass er auf die Gruppe der Kritiker im Aufsichtsrat, zu denen zusätzlich noch ein von Fans delegiertes Mitglied gehört, zugehen und damit Fronten aufweichen muss.

Damit hat er wie ein Politiker sofort begonnen, schon in der Versammlung sagte er zu, dass es Deals wie das umstrittene Investorenmodell mit dem Milliardär Klaus-Michael Kühne an den Mitgliedern vorbei nicht mehr geben wird: "Wir alle müssen 2011 einen besseren Job machen, das fängt bei mir an."

Dafür erhielt dann sogar er Applaus.

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