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Nuri Sahin debütierte am 6. August 2005 in Wolfsburg für den BVB in der Bundesliga © imago

Im Interview spricht Nuri Sahin über die Rückrunde, die "Glatzen-Drohung" seines Chefs und seine Rolle als Führungsspieler.

Von Martin Hoffmann

München - Nuri Sahin ist der Spieler der Hinrunde - und das in mehrfacher Hinsicht.

Mit 120 Punkten grüßt der 22-Jährige nicht nur beim SPORT1-Bundesliga-Manager als punktbester Profi von ganz oben.

Auch bei einer Umfrage des "kicker" unter 286 Bundesliga-Spielern sicherte sich der 22-Jährige mit 32,6 Prozent aller Stimmen den ersten Platz.

Auf den Lorbeeren der Hinrunde will sich der türkische Nationalspieler, der in der Hinrunde sechs Treffer erzielte und elf vorbereitete, aber nicht ausruhen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Im SPORT1-Interview spricht er über die "Glatzen-Drohung" seines Klubchefs, die Vorteile der Winterpause und seine Rolle als Führungsspieler.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

SPORT1: Herr Sahin, fänden Sie sich eigentlich auch mit Glatze schön?

Nuri Sahin: Bitte?

SPORT1: Ihr Präsident Reinhard Rauball hat im SPORT1-Doppelpass angedroht, jedem, der von der Meisterschaft spricht, persönlich die Haare abzurasieren.

Sahin: Davon hatte ich noch gar nicht gehört. Aber sagen wir es so: Ich habe lieber Haare auf dem Kopf als keine.

SPORT1: Reden wir also nicht über die Meisterschaft, sondern über Sie: Sie sind für SPORT1 der Spieler der Hinrunde - ebenso für die Ihre Spielerkollegen aus der Bundesliga? Was bedeutet Ihnen das?

Sahin: Das ist Anerkennung von höchster Stelle. Es freut mich natürlich sehr, spornt aber vor allem an, weiter hart zu arbeiten und das zu bestätigen. Wir wollen eine gute Rückrunde hinlegen - und weiter so spielen, wie es uns in der Hinrunde gelungen ist. Beim Auftakt in Leverkusen geht es darum, die Weichen in die entsprechende Richtung zu stellen.

[kaltura id="0_h21e8h7u" class="full_size" title="Volle Konzentration auf Leverkusen"]

SPORT1: Keine Befürchtung, dass die Winterpause Ihr Team aus dem Lauf reißt?

Sahin: Nein, ich denke eher, dass die Pause gut ist - vor allem auch für den Kopf. Es tut gut, auch mal ein paar Tage nicht an Fußball zu denken. Und unsere gute Vorbereitung sorgt dann schon dafür, dass wir wieder in den Rhythmus kommen.

SPORT1: Sie konnten zuletzt keine Sportseite aufschlagen, in denen Ihr Team nicht in den Himmel gelobt wird. Ist es da nicht schwer, das mit dem vielbeschworenen "Nicht-Abheben" hinzukriegen?

Sahin: Nein, denn es gibt einfach keinen Grund dazu. Wir haben eine gute Hinrunde gespielt, aber eben nicht mehr. Wir wissen, dass wir weiter hart arbeiten müssen. Und egal, was in den Medien steht, ob positiv oder negativ, wird bei uns nicht überbewertet.

SPORT1: Dortmund hat in der Hinrunde beinahe das jüngste Team der Bundesliga-Historie - und dominiert wie selten ein Team zuvor? Wie geht das, fragt sich der Außenstehende?

Sahin: Klar, wir sind eine junge Mannschaft. Aber das heißt nicht, dass wir keine Erfahrung haben.

SPORT1: Sie haben aber nicht - sieht man von Roman Weidenfeller ab - den typischen Haudegen um die 30 mit zehn Jahren Profi-Erfahrung. Brauchen Sie so einen Spieler nicht? (316092DIASHOWS: Die Bundesliga-Wechselbörse)

Sahin: Klar, kann jede Mannschaft so einen Spieler gebrauchen. Aber auch eine junge Mannschaft wie unsere hat ihre Spieler, die mehrere Jahre in der Bundesliga gespielt haben - da kann man auch von Erfahrung sprechen. Und zu diesen Spielern gehöre ja unter anderem auch ich.

SPORT1: Dadurch und durch Ihre Position fällt Ihnen auf dem Platz eine Führungsrolle zu. Wie definieren Sie die für sich?

Sahin: Das ist ein Thema, über das ich eigentlich nicht so viel reden will. Ich will da einfach meine Arbeit auf dem Platz erledigen und nicht in den Medien. Ob man es Führungsrolle nennt oder nicht: Ich weiß, ich habe auf meiner Position eine wichtige Rolle - und der versuche ich gerecht zu werden. Ganz einfach.

SPORT1: So, wie Sie darüber reden, erinnert das an die Analyse von Oliver Bierhoff darüber, wie die heutige Spielergeneration tickt: "Ich mache meinen Teil gut, und wenn der andere ihn nicht gut macht, dann ist das sein Ding. Früher hätte der eine Spieler dem anderen die Ohren langgezogen."

Sahin: Ich weiß nicht, ob das so für alle gilt. Aber ich bin tatsächlich kein Ohrenlangzieher, dafür bin ich einfach nicht der Typ. Ich will das aber auch nicht schlechtreden: Es gibt Spieler, die können das - und es ist in bestimmten Situationen auch hilfreich. Aber ich will auf die Weise keine Autorität ausüben, sondern wenn, dann über das, was ich auf dem Platz durch mein Spiel tue.

SPORT1: Wie wären Ihre Empfindungen, wenn Sie am Ende der Saison Zweiter oder Dritter würden?

Sahin: Das ist eine Frage, die sich jetzt einfach noch nicht stellt. Bis dahin sind noch viele Spiele und es wird viel Zeit ins Land gehen. So weit denke ich nicht.

SPORT1: Sie haben einen Vertrag bis 2013 an Dortmund, mehrere Leistungsträger und Trainer Jürgen Klopp haben sich eben erst langfristig gebunden. Was versprechen Sie sich davon, dass das derzeitige Erfolgsteam noch einige Jahre zusammenbleibt?

Sahin: Auch hier: Leider kann man nicht in die Zukunft blicken - und schon gar nicht so weit. Im Fußball kann es sehr schnell gehen, entsprechend vorsichtig muss man mit Erwartungen sein, die man schürt. Aber auf jeden Fall ist es gut, dass Jürgen Klopp diese Mannschaft noch lange trainieren wird. Er ist ein Glücksfall.

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