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Im Existenzkampf: Stuttgarts Christian Gentner (r.) und Nürnbergs Juri Judt © imago

Im Teil eins des Rückrunden-Checks sagen SPORT1 und Huub Stevens Stuttgart den Klassenerhalt voraus - und Nürnberg Probleme.

Von Martin Hoffmann und Daniel Rathjen

München - Ob es der VfL Wolfsburg ist oder der SV Werder Bremen:

Gleich mehrere Klubs mit hohen Ansprüchen befinden sich nach einer verkorksten Hinrunde in Abstiegsnähe statt um das internationale Geschäft zu kämpfen.

Bei keinem der etablierten Vereine ist die Gefahr des Absturzes in Liga zwei aber so akut wie beim VfB Stuttgart (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Gleich zwei Trainer haben die Schwaben schon verschlissen - und der dritte wird wegen seiner Vorgeschichte bei Hamburg und Leverkusen mit Skepsis beäugt.

"Nicht mehr fünf vor zwölf"

"Es ist nicht mehr fünf vor zwölf ist, sondern schon ein Schritt darüber hinaus", meinte Bruno Labbadia schon bei seinem Dienstantritt.

Wird dem VfB am Ende der Spielzeit die Stunde schlagen? SPORT1 sucht im ersten Teil des Rückrunden-Checks der 18 Bundesligisten nach der Antwort.

Gemeinsam mit SPORT1-Kolumnist Huub Stevens geht der Blick zunächst auf die Stuttgarter und die anderen Mannschaften, die gegen den Abstieg kämpfen.

VfB Stuttgart:

Die Last als Heilsbringer beim Tabellen-Siebzehnten (12 Punkte) muss Labbadia quasi alleine schultern.

Als Winter-Neuzugang steht bisher nur der japanische Stürmer Shinji Okazaki fest. Der ist aber eher ein Perspektiv-Transfer, wegen des Asien-Cups verpasste er die Vorbereitung und fehlt auch in den ersten Spielen.

Die Hoffnung ruht vor allem darauf, dass Labbadia den Spielern mit seinem bekannt straffen Trainings-Regiment Beine macht und das verschüttete Potenzial des Kaders ausgräbt.

Ein Rückschlag ist die Verletzung von Mittelfeld-Youngster Mamadou Bah, der mit einem Innenbandriss sechs Wochen pausieren muss.

Das sagt Huub Stevens: "Stuttgart wird sich fangen und am Ende retten."

Das sagt die SPORT1-Redaktion: Labbadia gelingt die Rettungs-Mission: Der VfB muss lange zittern, klettert aber noch auf Platz 15.

[kaltura id="0_br4uniq6" class="full_size" title="Gladbach verteidigt Titel"]

Borussia Mönchengladbach:

Zehn Punkte aus 17 Spielen, fünf Punkte Rückstand allein zum Relegationsplatz, 47 Gegentore: Die Gladbacher brauchen einen enormen Kraftakt, um sich noch zu retten.

Die schwächste Abwehr der Liga sollen drei Männer rissfester machen: Die Neuzugänge Martin Stranzl (ehemals bei 1860 und Stuttgart) und Havard Nordtveit (2009/10 bei Nürnberg) zum einen. Zum anderen Rückkehrer Dante, der sich nach überstandenem Innenbandanriss dem Comeback nähert.

Eine Hiobsbotschaft ist dagegen die erneute Verletzung von Roel Brouwers (Innenband-OP).

Vorne soll Mike Hanke Besserung bringen. Der ehemalige Hannoveraner macht den neuen Teamkollegen bei SPORT1 auch gleich Mut: "Ich hätte den Schritt nicht gemacht, wenn ich das Gefühl gehabt hätte, dass wir mit Gladbach absteigen."

Die Gladbacher Bosse haben übrigens eine Abstiegsklausel in die Verträge eingefügt, wonach sich das Gehalt der Profis in der Zweiten Liga halbieren würde.

Das sagt Huub Stevens: "Bei Gladbach sehe ich schwarz. Vorne mangelt es an Durchschlagskraft. Und ob Hanke einschlägt, muss man erst noch abwarten."

Das sagt die SPORT1-Redaktion: Die Neuen müssen sich erst integrieren, das kostet Zeit. Die hat der Verein nicht. Es geht nach unten.

1. FC Köln:

Ein missratener Saisonstart hat Trainer Zvonimir Soldo und Manager Michael Meier den Job gekostet, runter von Platz 16 sollen die Geißböcke vier Neue holen:

Der ehemalige Bayern-Keeper Michael Rensing, Linksverteidiger Christian Eichner, der japanische Nationalspieler Tomoaki Makino und der polnische Mittelfeldmann Slawomir Peszko.

Für Aufbruchsstimmung sorgt in Köln auch der neue Sportdirektor Volker Finke und die Ernennung von Lukas Podolski zum Kapitän.

Wobei die auch einen unerwünschten Effekt hatte: Vorgänger Youssef Mohamad kokettiert aus Ärger über seine Absetzung mit einem Abgang zu einem arabischen Klub.

Das sagt Huub Stevens: "Es sieht zwar schlecht für Köln aus, aber ich räume dem FC trotzdem gute Chancen ein. Peszko ist ein sehr guter Griff. Die Geißböcke schaffen es."

Das sagt die SPORT1-Redaktion: Es wurde an Schrauben gedreht. Ob es die richtigen waren, muss sich zeigen. Mit dem möglichen Ruck durch die Veränderungen springt mindestens der Relegationsplatz heraus.

FC St. Pauli:

Nicht nur die Wett-Affäre um Ex-Paulianer Rene Schnitzler drückt beim Kiezklub auf die Stimmung: Nur vier Punkte in den vergangenen neun Spielen haben den Aufsteiger auf Platz 15 abrutschen lassen.

Trotzdem sah Trainer Holger Stanislawski keinen Grund für Aktionismus: Kein Winter-Transfer, auch nicht im Sturm - obwohl der mit 16 Toren der harmloseste der Liga ist.

"Ich habe Zutrauen in meine Mannschaft, dass der Knoten in der Rückrunde platzen wird", meint der Coach in der "Welt".

Das sagt Huub Stevens: "Für St. Pauli sieht es ziemlich dunkel aus. Ich würde auf Abstieg tippen."

Das sagt die SPORT1-Redaktion: Für alle war von Anfang klar, dass es um den Klassenerhalt geht. Spielstil und Teamgeist in allen Ehren, aber vorne sind die Defizite zu offensichtlich. Es sieht wahrlich nicht gut aus.

1. FC Nürnberg:

Der Club flirtete in der Hinrunde zeitweise mit den internationalen Plätzen, fiel zuletzt aber als Elfter mit 22 Punkten auf den Boden der Tatsachen zurück.

Für den Abstiegskampf ist die Ausgangslage aber gut, selbst prominente Klubs wie Wolfsburg und Bremen hat das Team von Dieter Hecking noch hinter sich.

Ein 1:0-Sieg im Test gegen den türkischen Meister Bursaspor und ein möglicher Leih-Deal mit dem Wolfsburger Sturmtalent Nassim Ben Khalifa sind weitere gute Zeichen.

Weniger hoffnungsfroh stimmt die Verletzung von Mittelfeld-Regisseur Ilkay Gündogan, der den Rückrunden-Start mit einer Mittelfuß-Blessur verpasst.

Das sagt Huub Stevens: "Der Club wird Probleme bekommen. Dort sehe ich einige Defizite. Er ist mein dritter Absteiger."

Das sagt die SPORT1-Redaktion: Nürnberg hat Qualität, einen abstiegskampferfahrenen Trainer und den größten Vorsprung. Das müsste reichen.

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