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Reinhard Rauball ist mit der Entscheidung Bremens nicht einverstanden
Reinhard Rauball ist Präsident der DFL und von Borussia Dortmund © getty

DFL-Präsident Rauball spricht bei SPORT1 über den Stellenwert der Liga, Hopps Einfluss bei 1899 und übt Kritk an der WM-Vergabe.

Von Andreas Kloo

München - Der Stellenwert der Bundesliga im Vergleich zu den anderen europäischen Ligen wächst.

In der Fünfjahreswertung der UEFA haben die deutschen Vereine die Italiener bereits von Platz drei verdrängt.

"Ich denke, wir werden 2012/13 einen Champions-League-Platz dazu bekommen", sagt DFL-Präsident Reinhard Rauball im SPORT1-Interview und betont:

"Wir sind selbstbewusst genug, um danach auch die Spanier anzugreifen, die im nächsten Jahr eines ihrer besten Jahre verlieren werden."

Zudem spricht Rauball über den Einfluss von Mäzen Dietmar Hopp bei 1899 Hoffenheim, den Wettskandal und erläutert seine Kritik an der WM-Vergabe nach Katar 320256(DIASHOW: Die Bilder der WM-Vergabe) .

SPORT1: Herr Rauball, Sie haben die von FIFA-Präsident Sepp Blatter geforderte Verlegung der WM 2022 in Katar in den Winter kritisiert. Was stört Sie daran?

Reinhard Rauball: Wenn diese Winter-WM überhaupt kommen soll, bedarf das einer sehr langen Vorlaufszeit, um den internationalen Terminkalender umzustellen. Was ich nicht verstehen kann, ist, dass die FIFA mit diesem Vorschlag erst nach der Vergabe kommt. Da stellt sich ernsthaft die Frage, wie gründlich dieses Vergabeverfahren durchgeführt worden ist. Denn das hätte man dann schon zur Auflage machen müssen.

SPORT1: Das heißt, Sie sind gegen eine Verschiebung?

Rauball: Es darf im Interesse der Sportler keine Denkverbote, aber auch keine Schnellschüsse geben. Denn bei 50 Grad zu spielen, ist ein schlechter Scherz. Deshalb würde ich es begrüßen, wenn sich die FIFA das nächste Mal mit den fünf großen Ligen in Europa zusammensetzt, bevor sie eine solche aus meiner Sicht falsche Entscheidung trifft.

SPORT1: Ein anderes Thema ist derzeit der Wettskandal. Da scheint die Bundesliga gerade noch dran vorbeigekommen zu sein, oder?

Rauball: Von einem Bundesliga-Skandal zu sprechen, ist unangebracht. Es wurde - bei dem, was wir derzeit über die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum wissen - bisher noch kein einziger Spieler aus der ersten Liga überführt, ein Spiel manipuliert zu haben.

[kaltura id="0_hz5pgoxf" class="full_size" title="Rauball Haben die richtigen Schrauben gedreht "]

SPORT1: Aber es gab Kontakte zwischen Wettmafia und Spielern, wie der ehemalige St. Pauli-Profi Rene Schnitzler zugegeben hat.

Rauball: Das Thema ist natürlich alles andere als erfreulich. Wir werden selbstverständlich die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen unterstützen. Parallel haben wir auch im "Fall Schnitzler" die verdächtigen Spiele noch einmal überprüfen lassen und dabei keine Auffälligkeiten festgestellt. Abgesehen davon hat der entsprechende Spieler des FC St. Pauli an drei der fünf Spiele, die er manipulieren sollte, gar nicht teilgenommen und wurde im vierten Spiel erst in der 75. Minute eingesetzt.

SPORT1: Auch die 50+1-Regel bleibt nach dem Verkauf von Luiz Gustavo an den FC Bayern in der Diskussion. War die Einflussnahme von Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp aus Ihrer Sicht noch zulässig?

Rauball: Das Eingreifen von Hopp wurde kritisch gesehen. Die DFL als Hüterin des Lizenzierungsverfahrens hat 1899 Hoffenheim angeschrieben und gebeten, die Vorgänge schriftlich dokumentiert zu bekommen. Ich will der DFL nicht vorgreifen. Aber nach meinem bisherigen Erkenntnisstand liegt kein Verstoß vor, weil Hopp nicht allein entschieden hat, sondern als Gesellschafter mit seinen 49 Prozent, aber in Einklang mit den 51 Prozent, die der "e.V." hat. Entschieden und unterschrieben haben das die beiden Geschäftsführer und das ist formal aus meiner Sicht so in Ordnung.

SPORT1: Bewegt man sich da nicht in einer Grauzone? Kann man zu starke Einflussnahme in Zukunft überhaupt verhindern?

Rauball: Die größten Einflussmöglichkeiten hat der "e.V.". Er ist mit drei Personen im Gremium vertreten. Bei Hoffenheim haben wir das große Problem, dass Hopp nicht nur der Gesellschafter ist, sondern auch der große Finanzier. Die Erlöse für die Transfers von Carlos Eduardo und Luiz Gustavo fließen aber, wie versichert wurde, in die Konten von 1899 Hoffenheim.

SPORT1: In diesem Jahr steht die Verlängerung der TV-Verträge auf dem Programm. Ist das ein entscheidender Faktor, um in Europa auch an England vorbeiziehen zu können?

Rauball: Wir haben derzeit einen Abschluss mit einem jährlichen Durchschnittserlös von 412 Millionen Euro. Die Engländer haben sicherlich mehr, aber die haben auch einen anderen Fernsehmarkt: Es gibt dort fast zehn Millionen Kunden, der englische Pay-TV-Partner macht einen Umsatz von sechs Milliarden Euro und einen Gewinn von einer Milliarde Euro. Diese eine Milliarde Euro Gewinn wird bei uns derzeit noch nicht einmal im Umsatz erreicht.

SPORT1: Gibt es dennoch Möglichkeiten, um einen größeren Erlös zu erzielen?

Rauball: Wo wir weiterkommen können, ist die Auslandsvermarktung. Von sechs Mannschaften haben vier international die K.o.-Runde erreicht. Ich denke, wir werden 2012/13 einen Champions-League-Platz dazu bekommen. Wir sind selbstbewusst genug, um danach auch die Spanier anzugreifen, die im nächsten Jahr eines ihrer besten Jahre verlieren werden.

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