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Jürgen Klinsmann (r) und Hans Meyer: Zwei Fußball-Philosophien prallen aufeinander © getty

Jürgen Klinsmann und Hans Meyer - zwei völlig verschiedene Typen. Ein Sport1.de-Trainercheck vorm Klassiker Gladbach - Bayern.

Von Julian Ignatowitsch

München - Borussia Mönchengladbach gegen Bayern München - ein Duell mit viel Tradition. Zunächst einmal.

Diesmal allerdings auch das Aufeinandertreffen zweier völlig unterschiedlicher Trainer-Typen.

Hier der zu steter Ironie neigende Übungsleiter-Fuchs Hans Meyer - schon in der früheren DDR erfolgreich und heute ältester Trainer der Liga.

Dort der meist gut aufgelegte Strahlemann Jürgen Klinsmann - Modernisierer und Initiator des deutschen WM-"Sommermärchens", in München erstmals Klub-Trainer.

Kurzum: Der Reformer gegen den alten Fahrensmann.

Sport1.de vergleicht beide Trainer vor dem Duell der beiden Traditionsklubs (Sa., ab 15 Uhr LIVE) und gibt einen tieferen Einblick.

Das Alter:

Während Meyer (zum Porträt) mit 66 Jahren aktuell der älteste Bundesliga-Trainer ist und damit zum "alten Eisen" gehört, zählt der 44-jährige Klinsmann (zum Porträt) zur jungen Garde unter den Fußball-Lehrern.

Immer wieder mal aufflammende Debatten, ob er zu betagt sei für den Trainerposten, will Meyer aber nicht hören: "Manche Politiker in den Politbüros waren früher auch 75 oder 80 Jahre alt und wurden irgendwo reingetragen, weil sie nicht mehr laufen konnten", meinte er kürzlich im DSF.

Und weiter: "Ein 72-jähriger Präsidentschaftskandidat (John McCain; Anm. der Red.), der entscheiden kann, ob 250.000 Menschen im Irak getötet werden - den fragt keiner, ob er zu alt dafür ist. Und um die 66 Jahre bei mir wird Theater gemacht ..."

Die Philosophie:

Klinsmann hat die Nationalmannschaft und den DFB modernisiert - und knöpft sich nun den FC Bayern vor. Immer wieder betont er die langfristige Komponente seiner Arbeit und spricht von "Leistungsoptimierung". Die Verwissenschaftlichung von Fußball, zugegebenermaßen.

"Es muss ein Umdenken geben", sagte Klinsmann im Interview mit Sport1.de. "Die Spieler müssen lernen, sich noch mehr mit ihrem Beruf zu beschäftigen. Sprachen werden immer wichtiger. Du musst mit dem Computer umgehen können."

Ein umfangreicher Trainerstab ist für Klinsmann im Jahr 2008 ebenso selbstverständlich wie systematische Fitnesskontrollen und detaillierte Scoutingarbeit.

Meyer gilt dagegen als ein Fußball-Lehrer vom alten Schlag. "Klinsmanns Übungen haben wir schon 1969 gemacht", äußerte er noch während dessen Tätigkeit als DFB-Coach.

"Das grundsätzliche Problem ist nicht die Athletik, sondern ein taktisches", analysiert Meyer und kritisiert die zunehmende "Verwissenschaftlichung im Fußball". Überhaupt werde der Einfluss der Trainer überschätzt. "Ich kenne wenige Trainer, die aus Scheiße Butter machen können", flachst er.

Das Image in der Öffentlichkeit:

Klinsmann gilt seit jeher als "Sonnyboy". Immer ein Lächeln auf den Lippen, ist er kaum in Rage zu bringen.

Sein Umgang mit den Medien ist höchst professionell. Durch die Verfilmung von "Deutschland - ein Sommermärchen" zur WM 2006 erlebten hunderttausende Fans den Trainer Klinsmann hautnah.

Verheiratet mit der US-Amerikanerin Debbie Chin, zeitweilig wohnhaft am Strand von Huntington Beach bei Los Angeles in Kalifornien, führt er ein sonnig-sauberes Vorzeigeleben. Zu den Bayern als Reformator gekommen, ist Klinsmann bei den eigenen Fans hingegen nicht überall gut gelitten.

Ganz anders der kauzige Meyer: Sein Umgang mit den Medien und der Öffentlichkeit ist von Sarkasmus und Spöttelei geprägt. Doch trotz seiner eigentümlichen Art erfreut er sich bei den Fans außerordentlicher Beliebtheit.

Legendär auch sein Satz: "Im Fußball baut man Dir schnell ein Denkmal, aber genauso schnell pinkelt man es an."

Klinsmann oder Meyer - spannende Frage, welcher Trainertyp am Samstag die Nase vorn hat.

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