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Ottmar Hitzfeld gewann mit dem FC Bayern 2001 die Champions League © getty

Der Ex-Coach gibt van Gaal Rückendeckung in der T-Frage. An den Titel glaubt er aber nicht. Farfans Verhalten sei eine "Sauerei".

Von Mathias Frohnapfel und Björn Seitner

München - Die obligatorische Stadionwurst, sprich Currywurst, durfte nicht fehlen.

Sie war der passende Leckerbissen zu einem Rundumschlag von Ottmar Hitzfeld vor dem Rückrundenstart in der Bundesliga.

Denn der frühere Bayern-Trainer analysierte ebenso scharf wie knapp in der Münchner Kultkneipe "Stadion an der Schleißheimer Straße" die Hoffnung auf Bayerns Aufholjagd, Dortmunder Meisterträume oder auch die Eskapaden des Schalker Jefferson Farfan.

"Van Gaal ist sehr mutig mit seinen Entscheidungen", griff Hitzfeld beim "Sky"-Pressetermin gleich das heißeste Thema auf - die Verbannung von Stammkeeper Jörg Butt auf die Bank zugunsten von Thomas Kraft.

"Kraft schafft das"

Der 22-Jährige startet mit der Expertise von null (!) Bundesligaspielen in das Abenteuer Rückrunde. Angst und Bange werden muss es den Bayern-Fans aus Hitzfelds Sicht aber nicht.

"Ich kann mit vorstellen, dass Kraft das schafft", sagte der Schweizer Nationalcoach.

Gegenüber SPORT1 gab er aber auch zu: "Es besteht schon eine gewisse Gefahr darin, dass es zu Probleme innerhalb des Teams kommt, wenn Leistungsträger wie Jörg Butt, die Verantwortung übernommen haben, nicht mehr im Team sind."

Schließlich müsse auch Kapitän Mark van Bommel nach der Verpflichtung des Hoffenheimers Luiz Gustavo um seinen Platz kämpfen.

Van Gaal habe nun jedenfalls ein "halbes Jahr Zeit zu sehen, wie Kraft dem Druck standhält". (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

Bayern hat viel Geld gespart

Sollte das Projekt gelingen, hat der "FC Bayern viel Geld gewonnen". Beziehungsweise viel gespart.

Nationaltorwart Manuel Neuer, der in vielen Augen als Topfavorit auf den Posten gilt, hätte die Bayern mehr als 20 Millionen Euro gekostet.

Viele Bedenken waren aus den eigenen Reihen zur Entscheidung van Gaals zu hören - die Rückendeckung durch Hitzfeld wird dem Bayern-Coach gut tun.

Vor dem Ambiente aus Wimpeln und Schals von Real Madrid bis zum VfL Osnabrück und einer Traumelf deutscher Nationalspieler verschiedener Epochen an der Decke des "Stadions" geriet Hitzfeld gar ins schwärmen.

Überschwängliches Lob

Dies schlug sich auch in seiner Meinung zu Kraft nieder.

"Er hat ein gutes Stellungsspiel, strahlt Ruhe aus und spielt sehr gut mit. Außerdem antizipiert er sehr gut die Steilvorlagen des Gegners", lobte der 62-Jährige den Youngster.

[kaltura id="0_lc3755ou" class="full_size" title="Hitzfeld lobt Kraft"]

Alles Attribute, die man von Neuer kennt. Doch auch Kraft habe "alle Qualitäten, um die Nummer eins bei Bayern zu werden".

Ein ähnlicher Versuch, einem jungen Torhüter eine Chance zu geben, ging mit Michael Rensing zu Beginn der Saison 2009/2010 aber gründlich daneben.

Van Gaal will kein Risiko eingehen

Kein Grund für Hitzfeld an der Entscheidung van Gaals zu zweifeln: "Man darf sich deshalb nicht dazu verleiten lassen, nie mehr dem jungen Torhüter die Chance zu geben."

Doch dass sich der FCB keine Patzer mehr erlauben kann, ist auch Trainer van Gaal bewusst: Die Entscheidung muss nicht von Dauer sein.

"Es kann auch passieren, dass Jörg wieder zurückkommt. Ich werde nicht zuviel Risiko gehen", warnte er.

Auch Ex-Keeper und "Sky"-Experte Jens Lehmann formulierte vorsichtig: "Man sagt, ein junger Torwart und eine junge Abwehr das funktioniert nicht, nur ein junger Keeper und eine gestandene Abwehr oder umgekehrt. Ich bin gespannt, wie das bei Bayern wird."

"Bayern wird nicht Meister"

14 Punkte beträgt der Rückstand der Münchner auf Spitzenreiter Borussia Dortmund.

Auch für Hitzfeld zu viel: "Ich glaube nicht, dass Bayern Meister wird."

Dass die Bayern, aktuell Tabellenplatz fünf, die internationalen Plätze verpassen, hält er allerdings für "unmöglich".

Kagawa-Transfer ein Sechser im Lotto

Um den Vorsprung noch zu verspielen müsste der BVB "schon sehr viel falsch machen".

In der Hinrunde haben die Schwarz-Gelben aber sehr viel richtig gemacht.

"Natürlich braucht man immer Glück bei den Transfers, aber man kann eben auch aus der Not eine Tugend machen. Wenn wenig Geld da ist, muss man auf junge Spieler setzen und junge Talente fördern, das ist Dortmund eindrucksvoll gelungen", erklärte Hitzfeld, der den Klub von 1991 bis 1997 trainierte.

Und weiter: "So ein Transfer wie Kagawa ist wie ein Sechser im Lotto, davon träumt jeder Klub, billig einen Spieler zu kaufen, der dann das 50-fache Wert ist."

BVB "erstaunlich reif"

Zum Liga-Start bei Bayer Leverkusen (Fr., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) fehlt der Japaner jedoch - er ist mit seiner Nationalmannschaft beim Asien-Cup im Einsatz.

Doch auch ohne Kagawa wirke das Team aus der Sicht von Lehmann "erstaunlich reif".

"Die müssen nicht an sich zweifeln - auch bei einer Niederlage in Leverkusen nicht", sagte der 41-Jährige.

"Sauerei" von Farfan

Zur Situation in Gelsenkirchen fiel Hitzfeld nur ein Wort ein: "Sauerei."

Dass Jefferson Farfan zu spät zum Trainingsstart kommt, verurteilt er aufs schärfste: "Als Trainer steht man im Regen. Ich habe das mit Giovane Elber erlebt und denke eine hohe Geldstrafe ist wichtig."

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