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Andreas Beck wechselte 2008 aus Stuttgart nach Hoffenheim © getty

Im Gespräch mit SPORT1 spricht Hoffenheims Kapitän Andreas Beck über die chaotische Winterpause und gibt Ziele für die Rückserie aus.

Von Christian Stüwe

München - Die Winterpause sollte eine Zeit der Erholung sein - normalerweise.

In Hoffenheim werden sie in diesem Jahr froh sein, wenn endlich wieder Fußball gespielt wird.

In Sachen Erholung war in den 26 Tagen fußballloser Zeit bei der TSG nicht viel geboten.

Trainer Rangnick weg - ebenso Luiz Gustavo. Demba Ba vor dem Absprung.

Dazu Gerüchte um finanzielle Ungereimtheiten. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

"Enger zusammenrücken"

Vor dem Rückrundenstart gegen Werder Bremen (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) erklärt Kapitän Andreas Beck im Gespräch mit SPORT1, wie es in Hoffenheim trotzdem weitergehen soll.

"Wir müssen noch enger zusammenrücken", gibt der ehemalige Stuttgarter als Maxime aus.

Der Verteidiger spricht auch über den neuen Trainer Marco Pezzaiuoli, den Bärendienst eines Stürmers und seine persönlichen Ziele.

SPORT1: Aktuell sorgen Meldungen über Finanzprobleme in Hoffenheim für Aufsehen. Hat Sie das überrascht?

Andreas Beck: Man bekommt das über die Presse mit. Aber es ist schwer, dazu Stellung zu beziehen. Das operative Geschäft ist eine Sache der Geschäftsführung. Die Verantwortlichen haben diese Dinge voll im Griff.

SPORT1: Nach der recht erfolgreichen Hinrunde gab es zuletzt viel Unruhe. Ralf Rangnick ist nicht mehr Trainer, Luiz Gustavo ist zu den Bayern gewechselt. Demba Ba will weg und wird nicht mehr zum Einsatz kommen. Inwiefern hat das die Vorbereitung auf die Rückrunde gestört?

Beck: Zum Beginn des neuen Jahres war das ein Paukenschlag nach dem anderen. Mit vielen Veränderungen auch für die Mannschaft. Es waren turbulente Tage, aber wir haben im Trainingslager gut gearbeitet. Uns war bewusst, dass wir in dieser schweren Phase noch enger für den Verein zusammenrücken müssen. Ich bin positiv gestimmt.

SPORT1: Bedauern Sie es, dass Ralf Rangnick nicht mehr Trainer ist?

Beck: Im ersten Moment waren wir natürlich alle sehr überrascht und ein Stück weit geschockt. Aber im Fußball stehen oft Veränderungen an und da gehören auch solche Dinge dazu. Für uns geht es nun darum, mit dem neuen Trainerstab und der veränderten Mannschaft diese Dinge in positive Energie umzuwandeln. Es hilft ja nichts, das nächste Bundesligaspiel steht schon vor der Tür. Ralf Rangnick hat in Hoffenheim eine Ära geprägt und den Verein nach oben geführt. Viele von uns sind ihm sehr dankbar, für die Basis, die er ihnen hier in Hoffenheim geboten hat.

[kaltura id="0_06dk2s1z" class="full_size" title="Hoffenheim und sein M zen"]

SPORT1: Inwiefern unterscheidet sich die Trainingsarbeit mit dem neuen Coach Marco Pezzaiuoli?

Beck: Es ist schwer, die beiden zu vergleichen. Marco Pezzaiuoli macht bisher einen sehr guten Eindruck. Fachlich ist er ein absoluter Topmann. Ich denke, wir haben die ersten Einheiten und das Trainingslager sehr gut absolviert. Er sagt uns ganz genau, was er von uns erwartet. Gut ist, dass er von der Philosophie darauf aufbaut, was wir in den letzten Jahren gemacht haben. Die Spielausrichtung ist eine ähnliche. Trotzdem gibt es Feinheiten, die seine Handschrift ausmachen und die er uns in den letzten Wochen mitgeteilt hat.

SPORT1: Also ist nicht damit zu rechnen, dass die Mannschaft komplett anders auftreten wird?

Beck: Die Grundtendenz geht immer noch in die gleiche Richtung. Hoffenheim hat eine Spielphilosophie, die Marco Pezzaiuoli weiter verfeinern möchte. Was uns stark gemacht hat, wollen wir weiter ausbauen. Ich denke aber schon, dass wir ein Stück weit anders auftreten werden, weil der Trainer eine andere Handschrift hat.

SPORT1: Wie beurteilen Sie das Verhalten von Demba Ba?

Beck: Ich und auch die Mannschaft finden es sehr schade, wie sich das entwickelt hat. Er ist sportlich ein Riesenverlust für die Mannschaft. Aber wir müssen uns jetzt mit den Spielern beschäftigen, die da sind. Er ist leider nicht mehr da. Zum allem weiterem wurde schon viel geschrieben und viel gesagt.

SPORT1: Haben Sie noch Kontakt zu ihm?

Beck: Ich habe keinen Kontakt zu ihm.

SPORT1: Sie haben schon gesagt, dass die Mannschaft enger zusammenrücken muss. Reicht das, um die Abgänge von Luiz Gustavo und Demba Ba zu kompensieren?

Beck: Eins-zu-eins kompensieren kann man Luiz Gustavo Ba derzeit nicht. Aber ich denke im Kollektiv und in der Geschlossenheit der Mannschaft müssen wir das machen. Aber das sind Spieler, die unglaublich wertvoll für uns waren. Aber wir werden uns schon was einfallen lassen.

SPORT1: Denken Sie, dass noch neue Spieler dazukommen?

Beck: Die Aussagen, die man hört, deuten darauf hin. Ich gehe fest davon aus, dass uns noch der eine oder andere Spieler verstärken wird. Aber es macht keinen Sinn, Namen zu kommentieren.

SPORT1: Es sind nur wenige Punkte bis zu den internationalen Plätzen. Ist das ein Ziel?

Beck: Ich denke, wir haben in der Vorrunde gezeigt, zu was wir in der Lage sind. Hätten wir nicht so viele Punkte in den Schlussminuten verloren, würden in der Tabelle auch noch besser dastehen. Aber jetzt von Zielen zum Saisonende zu sprechen ist hypothetisch. Wir müssen erstmal sehen, wie wir in die Rückrunde starten. Wie wir nach den Abgängen aufgestellt sind. Das macht die ganze Ausgangslage natürlich schwieriger für uns. Es ist wichtig, die Spiele mit Energie anzugehen und auch gewinnen zu wollen. Aber jetzt das internationale Geschäft als Muss anzugeben, wäre nach den Veränderungen in der Winterpause der falsche Weg.

SPORT1: Der erste Gegner ist Werder. Wie schätzen Sie die Bremer ein?

Beck: Werder Bremen war in den letzten Jahren immer ein sehr starker Gegner. Ein sehr spielstarker Gegner. Trotzdem wollen wir auch dieses Spiel gewinnen. Bremen hatte eine schwere Hinrunde, aber in der Rückrunde sind die Vorzeichen neu. Gerade wenn der Gegner ein bisschen angeschlagen ist, ist er oft am gefährlichsten.

SPORT1: Was sind Ihre persönlichen Ziele für die Rückrunde?

Beck: Das Wichtigste ist, gesund zu bleiben. Es war gut, dass ich in jedem Pflichtspiel von der ersten bis zur letzten Minute gespielt habe. Mit Hoffenheim wollen wir weiter erfolgreich sein und es gerade den Leuten zeigen, die jetzt nicht mehr mit uns rechnen. Und es ist immer ein Ziel von mir, in der Nationalmannschaft zu spielen. Die Europameisterschaft ist definitiv ein Ziel von mir.

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