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Christian Gentner wurde mit dem VfB Stuttgart in der Saison 2006/2007 Deutscher Meister. © getty

Der VfB enttäuschte bisher vollends. Im SPORT1-Interview verrät Christian Gentner, wie der Abstieg vermieden werden soll.

Von Mathias Frohnapfel

München/Stuttgart - "So richtig Konstanz hatte keiner", kommentiert Christian Gentner lachend die Bowling-Leistung seines Teams im Trainingslager.

Weniger witzig: Eben jene ließen die Profis des VfB Stuttgart auch auf dem Fußball in den vergangenen Monaten gänzlich vermissen.

Platz 17 nach der Hinrunde ist die Quittung (DATENCENTER: Bundesliga).

MIt Coach Bruno Labbadia, nach Christian Gross und Jens Keller bereits der dritte Trainer in dieser Spielzeit, soll für den Europa-League-Teilnehmer in der Rückrunde nun alles besser werden (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News).

"Klar ist, dass wir die Saison nur positiv als komplettes Team beenden können und nicht in irgendwelchen Grüppchen", fordert VfB-Eigengewächs Gentner gegenüber SPORT1seine Mannschaftskollegen auf, ab sofort alles dem Erfolg des Kollektivs unterzuordnen.

Im SPORT1-Interview spricht Christian Gentner, fünffacher Nationalspieler, über die Gefahren des unerwarteten Abstiegskampfes, den kommenden Gegner Mainz 05 (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) und fordert eine Wiedervereinigung mit den Fans.

SPORT1: Herr Gentner, wie gut waren Sie im Bowlen?

Christian Gentner: Das konnte sich sehen lassen.

SPORT1: Ging es an dem Abend um das mittlerweile viel beschworene Teambuilding?

Gentner: Nein, das war nicht geplant. Wir haben erfahren, dass es im Hotel eine Bowlingbahn gab und das dann genutzt.

SPORT1: Wer hat sich besonders hervorgetan?

Gentner: Mauro Camoranesi war an einem Abend überragend, Matthieu Delpierre an einem anderen.

SPORT1: Es wurde zuletzt viel über die Cliquen im Team berichtet. Würde ein gemeinsam gemeisterter Abstiegskampf der Gruppe einen Schub geben?

Gentner: Natürlich, aber wir können uns jetzt nicht damit befassen, was wäre, wenn wir es geschafft haben. Klar ist aber, dass wir die Saison nur positiv als komplettes Team beenden können und nicht in irgendwelchen Grüppchen.

SPORT1: Sie sind mit dem VfB und Wolfsburg Meister geworden, wie schwer fällt es Ihnen, sich auf den Abstiegskampf einzustellen?

Gentner: Es fällt mir nicht schwer, auch wenn es natürlich etwas anderes ist. Man muss sich damit befassen, dass andere Dinge gefordert sind, als wenn man oben in der Tabelle steht. Wir haben eine Drucksituation, die nicht so angenehm ist verglichen mit der, wenn man oben steht und Ziele erreichen kann. Das ist jetzt anders.

SPORT1: Kann die Angst sehr viel verlieren zu können auch lähmen?

Gentner: Sicher kann das lähmen, aber wir müssen das jetzt positiv annehmen. Das muss jeder als Chance nehmen, wenn wir das erfolgreich bestreiten und in der Liga bleiben, ist das für jeden positiv - auch vom Lernprozess her für die weitere Karriere.

SPORT1: Sie sind vom VfL Wolfsburg zum VfB Stuttgart zurückgekehrt, sind gebürtiger Schwabe. Der Abstiegskampf muss für Sie da eine besondere Herausforderung sein, oder?

Gentner: Klar. Ich denke aber, jeder hat begriffen, worum es geht. Eben nicht nur um uns als Mannschaft, sondern um den ganzen Verein. Da hängen die Mitarbeiter mit dran, die Fans, die ganze Region. Dafür lohnt es sich zu kämpfen. Der Verein liegt mir natürlich sehr am Herzen, ich war ja schon mit 14 in der Jugend hier.

SPORT1: Die Fans standen im Pokalspiel gegen den FC Bayern wieder bedingungslos hinter dem Team. Ist das auch ein Zeichen, dass es nur gemeinsam geht?

Gentner: Die Fans haben uns in der Hinrunde sehr gut unterstützt, obwohl wir sehr selten Ergebnisse geliefert haben. Wir verstehen auch, wenn die Fans unzufrieden sind. Ganz klar: Unser Tabellenplatz ist unwürdig. Jetzt ist es entscheidend, dass die Mannschaft und die Fans eine Einheit sind.

SPORT1: Gladbach und Köln haben enorm aufgerüstet in der Winterpause, der VfB hält sich auf dem Transfermarkt zurück. Was bedeutet das für das Team?

Gentner: Das ist auch ein Vertrauensbeweis für die Spieler. Der Verein sagt, die Mannschaft, die jetzt zusammen ist, ist stark genug und schafft das.

SPORT1: Bruno Labbadia gilt als Trainer, der unheimlich viel arbeitet, sehr akribisch ist. Wie haben Sie ihn bisher erlebt?

Gentner: Er lebt das absolut vor, was er auf dem Platz sehen möchte und kommt sehr, sehr gut bei den Spielern an. Die Arbeit mit ihm und seinem Team macht sehr viel Spaß.

SPORT1: Zum Rückrundenstart geht es gegen Mainz. Wie stark schätzen Sie die 05er ein?

Gentner: Die Hinrunde hat gezeigt, zu welchen Überraschungen Mainz fähig ist. Sie haben einen Trainer, der es versteht, die Mannschaft richtig einzustellen. Und sie haben eine junge Truppe, die in der Hinrunde von der Euphorie getragen wurde. Da sind wir gewappnet.

SPORT1: Die Mainzer wollen ihren starken Lauf fortsetzen, kommen mit viel Selbstvertrauen. Ihre Antwort?

Gentner: Wir haben keine Möglichkeit, irgendetwas zu verschenken. Und wir sollten nach Möglichkeit unsere Heimspiele gewinnen. Wenn wir unser Spiel durchsetzen, können wir die Mainzer schlagen. Es geht in unserer Situation um die Einstellung und den Willen.

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