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Christian Wetklo kam im Jahr 2000 von Rot-Weiß Essen zum FSV Mainz 05. © getty

Vor dem Stuttgart-Spiel ist in Mainz die Torwart-Frage offen. Christian Wetklo gibt sich zurückhaltend, träumt aber auch.

Von Matthias Becker

München/Mainz - Knapp 440 Kilometer sind es vom Trainingsgelände des FSV Mainz 05 bis zum Trainingsgelände des FC Bayern München.

Zu weit für Christian Wetklo, um mit Jörg Butt eine regelmäßige Selbsthilfegruppe aufzumachen.

Dabei hätten sich die beiden vielleicht einiges zu erzählen.

Denn Wetklo, Torhüter des Tabellenzweiten aus Mainz, droht das gleiche Schicksal wie Butt: Trotz einer starken Hinrunde könnte er seinen Platz in der Stammelf verlieren.

"Ich weiß noch nichts", sagt Wetklo im Gespräch mit SPORT1 auf die Frage, ob er von Trainer Thomas Tuchel schon über den Ausgang des Konkurrenzkampfs mit Heinz Müller informiert wurde.

Tuchel will die Keeper kurz vor dem ersten Rückrundenspiel beim VfB Stuttgart (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) informieren.

Torwartwechsel zum Abschluss

Dass es überhaupt zum Kampf um die Nummer eins kommen konnte, ist bemerkenswert genug und zeigt einmal mehr, dass Tuchel vor unorthodoxen personellen Maßnahmen nicht zurückschreckt.

Schließlich spielte Wetklo, der zu Saisonbeginn für den am Kreuzband verletzten Müller in den Kasten rückte, eine wichtige Rolle beim Höhenflug der Mainzer bis auf Platz zwei.

Beim letzten Hinrundenspiel auf St. Pauli stand dann aber der wieder genesene Müller im Tor. Wetklo beklagte sich öffentlich. Immerhin erklärte Tuchel anschließend das Rennen für offen.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

Wetklo: Keine Probleme mit Müller

"Wenn man die Hinrunde gespielt hat, möchte man natürlich gerne weiterspielen", sagt Wetklo SPORT1 so diplomatisch wie möglich.

Mit Müller habe er kein Problem: "Wir verstehen uns sehr gut und machen auch den einen oder anderen Spaß. Wir wissen, dass wir beide gute Torhüter sind, aber es kann eben nur einer spielen."

Müller von Einsatz überzeugt

Eben jene Zurückhaltung, klassische Tugend einer erprobten Nummer zwei, könnte aber auch den Ausschlag zugunsten Müllers geben.

Denn an Selbstvertrauen mangelt es dem extrovertierten Keeper nicht. "Klar, logisch!" antwortet der nur auf die Frage, ob er daran glaube wieder zum Stammtorwart zu werden.

Vertragsende im Sommer

Wetklo, seit 2000 in Mainz und damit dienstältester Profi der 05er, muss sich möglicherweise damit trösten, dass er es in der Hinrunde jenen Kritikern gezeigt hat, die ihm die Rolle als guter Stammtorhüter in der Bundesliga nicht zugetraut hatten.

Den SPORT1-Noten nach war er der viertbeste Keeper der Hinrunde. Über solche Bewertungen freue er sich, "weil die eigenen Leistungen dadurch auch Leuten bekannt werden, die vielleicht nicht jedes Spiel von Mainz 05 live sehen."

Die könnten sich an Wetklo erinnern, wenn im Sommer dessen Vertrag in Mainz ausläuft. "Noch hat es keine Gespräche gegeben", berichtet Wetklo: "Mein erster Ansprechpartner bleibt Mainz 05, alles andere wird sich zeigen."

Träume vom Einsatz im Camp Nou

So unsicher die persönlich Zukunft auch ist, nach der überragenden Hinserie inkusive Startrekord haben Wetklo und die restlichen Mainzer Blut geleckt.

Das Winter-Trainingslager auf dem alten Trainingsplatz des FC Barcelona, direkt neben dem berühmten Camp Nou, tat sein Übriges. "Wir haben das Stadion besichtigt. Das ist schon beeindruckend", erinnert sich Wetklo und gerät ins Schwärmen:

"Man bekommt die Vision, da auch mal auflaufen zu dürfen."

Tuchel hat nichts gegen Visionen

Mainz in der Champions League? "Wenn nicht jetzt, wann dann", scheint das Motto der Stunde am Bruchweg zu sein. Trainer Tuchel will das Träumen auf keinen Fall untersagen.

"Wenn sich damals niemand getraut hätte, daran zu glauben, dass hier auch mal Bundesliga gespielt wird, wäre das auch nie möglich geworde"?, erinnerte er an dunkle Mainzer Tage in der Zweiten Liga.

"Wer oben steht will oben bleiben"

"Dass wir in diesem Jahr eine gute Mannschaft zusammen haben, ist jedem klar", weiß auch Christian Wetklo: "Jeder Spieler träumt. Wenn man so weit oben steht, will man da auch bleiben."

Letztlich dürfe man es aber auch nicht negativ sehen, "wenn wir Sechster oder Siebter werden"

Dieses Understatement würde auch zum bekennenden Norddeutschen Jörg Butt passen. Vielleicht sollten sich die beiden wirklich mal zusammensetzen.

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