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Der Schweizer Marcel Koller ist seit 23. Mai 2005 Chefcoach beim VfL Bochum © getty

Bochum unter Druck: Das Duell in Hannover (ab 20 Uhr LIVE ) sieht Coach Koller im Sport1.de-Interview schon als richtungweisend.

Von Martin Volkmar

Bochum - Die Hoffnung in Bochum vor der Saison war groß, endlich das Mantra der ewigen Fahrstuhl-Mannschaft abzulegen.

Spielerisch präsentiert sich der VfL als ebenbürtiger Gegner. In den entscheidenden Momenten fehlt dann aber die nötige Kaltschnäuzigkeit. Oder schlichtweg das Glück.

Nach zwölf Spieltagen befindet sich der VfL abermals in den Niederungen der Tabelle, rangiert auf Rang 16, dem Relegationsplatz zur Zweiten Liga - und hinkt den eigenen Ansprüchen hinterher.

VfL-Coach Marcel Koller bringt das aber auch vor dem Duell bei Hannover 96 (ab 20 Uhr LIVE ) nicht aus der Ruhe. Der krisenerfahrene Schweizer bündelt alle Konzentration.

Im Interview mit Sport1.de spricht der 48-Jährige über Fortune, Verletzungssorgen und den Zustand der Bundesliga.

Sport1.de: Mit einem Sieg gegen Hannover würde ihr Team nicht nur den Relegationsplatz verlassen, sondern mit den Niedersachsen auch nach Punkten gleichziehen. Wie bedeutsam ist das Spiel?

Marcel Koller: Natürlich ist es ein sehr wichtiges Spiel. Wenn wir verlieren sollten, wird der Abstand größer und die Gesamtlage schwieriger. Für uns ist es ein richtungweisendes Match.

Sport1.de: Seit acht Spielen wartet der VfL auf einen Sieg, spielt aber teils einen erfrischenden Fußball. Wie beurteilen Sie die Leistungen ihrer Mannschaft zuletzt?

Koller: Wir haben nicht schlecht gespielt, haben uns in jeder Partie viele Chancen erarbeitet. Uns fehlt in dieser Saison bislang das Quäntchen Glück. Dass wir auch einmal ein Spiel gewinnen, in dem wir nicht so gut aufgelegt sind. Gegen Dortmund und Bremen hatten wir jeweils die beste Chance des Spiels, kriegen den Ball aber nicht rein. Das ist derzeit unser Problem.

Sport1.de: Tomasz Zdebel hat nach dem letzen Spiel gesagt, dass die Mannschaft die nötige Qualität habe, diese aber auf dem Platz jetzt umgesetzt werden müsse. Stimmen Sie ihm zu?

Koller: Die Qualität haben wir eigentlich schon nachgewiesen. Uns fehlt in manchen Situationen die nötige Ruhe und Entschlossenheit. Das ist uns bewusst. Daran arbeiten wir aber intensiv.

Sport1.de: Die Erwartungshaltung rum um den VfL war vor der Saison groß, zumal mit Paul Freier und Vahid Hashemian zwei altgediente Spieler zurückkehrten. Vom stärksten Kader aller Zeiten war die Rede. Warum läuft es dennoch nicht rund?

Koller: Wir hatten großes Verletzungspech. Freier und Hashemian waren in der Vorbereitung verletzt. Hashemian ist erst seit zwei, drei Wochen beschwerdefrei. Vorher hatte er sich immer wieder mit kleineren Blessuren herumgeschlagen. Es ist normal, dass er nicht auf einen Knopf drückt und sofort wieder Topform ist. Vahid muss den Trainings- und Spielrhythmus erst wieder finden. Das dauert seine Zeit.

Sport1.de: Hat der Iraner dennoch einen Schritt nach vorne gemacht?

Koller: Ja, definitiv. Seit er wieder fit ist, präsentiert er sich dementsprechend im Training und hat zuletzt auch Einsatzzeiten bekommen.

Sport1.de: Als Trainer verfügen Sie in Bochum über eine gewisse Erfahrung, im Tabellenkeller zu spielen. Hilft Ihnen das, in prekären Lagen die Ruhe zu bewahren?

Koller: Ja, absolut. Auch die Geschäftsleitung ist nah an der Mannschaft, kann die Situation richtig einschätzen und sieht, wie gearbeitet wird. Diese Ruhe strahlt dann auch auf das Team aus.

Sport1.de: Einen Mäzen wie Hoffenheims Dietmar Hopp hätten Sie aber doch sicher auch gerne, oder?

Koller: Wer hätte das nicht gerne? Verglichen mit den finanziellen Möglichkeiten müssen wir aber schon aufpassen, dass die Schere nicht so weit auseinander geht.

Sport1.de: Ist Hoffenheim ein ernster Titelkandidat?

Koller: Hoffenheim hat sicher das Potenzial, ins internationale Geschäft einzuziehen. Ob es zum Gewinn der Meisterschaft langt, weiß ich nicht. Im Titelkampf ist Erfahrung ein entscheidender Faktor.

Sport1.de: Die Liga schießt so viele Tore wie lange nicht. Ist die Bundesliga insgesamt attraktiver geworden?

Koller: Auf jeden Fall. Die Aufsteiger, insbesondere Köln, erweisen sich als stark, haben riesige Arenen. Auch die finanziellen Möglichkeiten sind gestiegen. Das ist natürlich schlecht für uns, weil wir als kleiner Verein weiter zurückfallen. Jeder kann aber jeden schlagen, die Liga ist insgesamt ausgeglichener geworden.

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